Nord- und Mittelamerika - Temperaturen im Januar

Klima

100849 | Seite 146 | Abb. 1 | Maßstab 1 : 72.000.000
Nord- und Mittelamerika | Temperaturen im Januar | Klima | Karte 146/1

Überblick

Nord- und Mittelamerika erstrecken sich über alle vier Klimazonen der Erde. Im Süden reicht der Kontinent bis in die randlichen Bereiche der Tropen hinein, im Norden erstreckt er sich über den Polarkreis hinaus in die Polarregion. Entsprechend vielseitig ist die Genese der unterschiedlichen Klimate und – damit verbunden – die Verteilung der wichtigsten Klimaelemente. Die Karten über die mittlere Temperaturverteilung im Januar und Juli zeigen die Auswirkungen des ungestörten meridionalen Luftmassenaustauschs über der amerikanischen Landmasse.

Einfluss der Windsysteme

Nordamerika unterliegt überwiegend dem Regime der vorherrschenden Westwinde im Bereich der Polarfront in großer Höhe. Zwischen Alëutentief und Nordpazifischem Hoch sind die bodennahen Westwinde besonders intensiv ausgebildet (s. 248.3, 249.4). Sie werden teilweise durch die Kordilleren abgelenkt und stoßen vor allem auf drei Wegen in das Innere des Kontinents vor (s. Abbildung).

Die Höhenströmung des Westwindjets wird durch die Kordilleren so abgelenkt, dass sie über eine Ausbuchtung nach Norden (Rücken) und im Lee des Gebirges eine großräumige Südwärtsausbuchtung (Trog) erfährt, um zum Atlantik hin wieder nach Norden zu pendeln. Der Höhenrücken über den Kordilleren fördert dort das Vordringen warmer Luft nach Norden, der Höhentrog über dem Innern des Kontinents den Vorstoß polarer und arktischer Kaltluft nach Süden. Die unter der Trogvorderseite entstehenden Tiefdruckwirbel (Zyklonen) mit ihren typischen Warm- und Kaltfronten saugen gleichsam tropische Warmluft aus dem Golf von Mexiko an. So entsteht der durch die Juli-Isotherme manifestierte Warmluftkörper über dem zentralen Süden der USA (westlich der Appalachen). Das Klima Nordamerikas wird auf diese Weise von den Einflussbereichen und den charakteristischen Eigenschaften verschiedener Luftmassen geprägt (s. Abbildung).

Obwohl weite Teile Nordamerikas eigentlich im Einflussbereich der Westwinddrift mit ihren von West nach Ost wandernden Tiefdruckgebieten liegen, ist die Witterung durch die Lage und Gestalt des Kontinents, insbesondere aber durch die in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Gebirgszüge entlang der Westküste geprägt. Es findet ein direkter meridionaler Austausch polarer Luftmassen (kalt, aus dem Norden stammend) und tropischer Luftmassen (feuchtwarm, aus dem Süden stammend) statt.

Dieser Austausch führt zum Teil zu extremen Witterungserscheinungen und zur Ausbildung charakteristischer regionaler Windsysteme. Auf der Rückseite winterlicher Tiefdruckgebiete kann es zu raschen Vorstößen polarer Kaltluft aus dem Bereich der Hudson Bay und des nördlichen Kanada bis weit nach Süden kommen. Die Kaltlufteinbrüche sind insbesondere über den weiten Ebenen der Great Plains mit hohen Windgeschwindigkeiten und kräftigen Schneefällen verbunden. Nach amerikanischer Definition werden diese Schneestürme als Blizzards bezeichnet, wenn während einer Zeitdauer von mindestens drei Stunden die Windgeschwindigkeit mehr als 35 mph (≈ 56 km/h) betragen hat und die Sichtweite durch das Schneetreiben auf weniger als 400 Meter herabgesetzt war. Als sogenannte Northers oder Nortes erstrecken sich die mit der einbrechenden Polarluft verbundenen Winde sogar bis nach Zentralmexiko.

Mittelamerika ist als tropische Region frostfrei. Nur die Hochlagen von Hochgebirgen reichen bis in die Kalttropen, in denen regelmäßig Fröste auftreten.

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Tornados

Die mit der Konfrontation von arktisch-kontinentalen und subtropisch-maritimen Luftmassen verbundene starke Labilisierung begünstigt im Frühjahr und Sommer die Ausbildung von Tornados. Sie können dort entstehen, wo eine wasserdampfreiche, warme Luftschicht in Bodennähe durch eine Inversion von trockener und kühlerer Luft in der Höhe getrennt ist. Zugleich muss zwischen der unteren und der oberen Luftmasse eine starke Windscherung (Windsprung nach Richtung und Stärke) bestehen.

Überschreiten die feuchtwarmen Luftmassen durch Aufheizung vom Boden her eine gewisse Auftriebsschwelle, kann die Inversionssperrschicht durchstoßen werden. Dann setzt explosionsartig Konvektion bis in große Höhen ein. Durch frei werdende Kondensationswärme und die Windscherung kann es dabei zur Ausbildung eines Aufwindschlauchs kommen. Diese um eine vertikale Achse rotierende Luftsäule erreicht Durchmesser bis über einen Kilometer, ihre Zugrichtung folgt stets der Höhenströmung von Südwest nach Nordost.

Am häufigsten treten Tornados (s. 252.3) vom Frühjahr bis zum Frühsommer auf, wenn die thermischen und hygrischen Gegensätze zwischen trocken-kalter Luft aus dem Norden und feuchtwarmer Luft aus dem Golf von Mexiko maximal sind. Das Kerngebiet der Tornadogefährdung liegt dabei im März zunächst im Bereich der Golfküstenstaaten, von wo es sich dann bis zum Hochsommer in das kontinentale Innere Nordamerikas ausdehnt.

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Das Klima im Januar und Juli

Das Vordringen arktisch-kontinentaler Luftmassen nach Süden schlägt sich sowohl in der raschen Auskühlung der Binnenländer als auch in der Temperaturverteilung im Januar nieder. Im Lee der Kordilleren buchten die Isothermen zum Teil stark nach Süden aus. Durch die küstenparallelen Gebirge im Westen und Osten des Kontinents beschränkt sich der mildernde thermische Einfluss des Meeres nur auf schmale Küstenstreifen, in denen die Isothermen deutlich nach Norden ausgebuchtet sind.

An der Ostseite der Rocky Mountains tritt der Chinook auf, ein warmer, föhnartiger Fallwind, der in den Wintermonaten zu rascher Schneeschmelze führt. Die mit dem Westwind herangeführten Luftmassen erfahren dabei einen kräftigen dynamischen Erwärmungseffekt, bei dem meist der Gefrierpunkt überschritten wird. Da mit dem Fallwind zudem häufig extrem kalte Kontinentalluftmassen ausgeräumt werden, kommt es innerhalb sehr kurzer Zeit zu großen Temperatursprüngen. In den Sommermonaten ist der Chinook dagegen weniger spürbar, weil die über den Great Plains liegenden kontinentalen Luftmassen dann einstrahlungsbedingt heiß sind und die sich ergebenden Temperaturunterschiede bei Einbruch des Fallwindes entsprechend geringer ausfallen.

Im Juli sind die Isothermen weit nach Norden ausgebuchtet. Dies hat zwei Gründe:

• die im Vergleich zu den Küstenregionen raschere Erwärmung der Landmassen im Innern des nordamerikanischen Kontinents und

• die wiederholten Vorstöße tropischer Luftmassen nach Norden.

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