Nord- und Mittelamerika - Landwirtschaft

Nord- und Mittelamerika – Landwirtschaft

100750 | Seite 151 | Abb. 1 | Maßstab 1 : 36.000.000
Nord- und Mittelamerika | Landwirtschaft | Nord- und Mittelamerika – Landwirtschaft | Karte 151/1

Informationen

Die Übersichtskarte zur Landwirtschaft zeigt die strukturelle Vielfalt, die für den Pflanzenbau und die Tierhaltung in Nord- und Mittelamerika kennzeichnend ist. Die Länder in diesem Teil des Kontinents zählen zu den besonders wichtigen Agrarexporteuren und -importeuren. Auf sie entfällt insgesamt etwa ein Drittel des Weltagrarhandels, davon wiederum etwa die Hälfte auf Nordamerika.

Anbauzonen in Nord- und Mittelamerika
In Nordamerika können große Bereiche Kanadas ebenso wie Alaska aus klimatischen Gründen nicht landwirtschaftlich genutzt werden. Auch innerhalb der Anbaugrenze von Getreide werden in Kanada große Flächenanteile vom borealen Nadelwald eingenommen und unterliegen somit vornehmlich der forstlichen Nutzung.
In den gemäßigten Breiten Nordamerikas sind der Anbau von Zuckerrüben, Mais und Weizen ebenso verbreitet wie die Rinder- und Schweinehaltung. Der Weizenanbau konzentriert sich vor allem auf die Steppenzone, die sogenannten Great Plains. Im Mittleren Westen überwiegt eine Kombination von Futterpflanzenanbau (Mais) und Viehhaltung (Rinder und Schweine).
Im trockenen Westen ist der Anbau von Baumwolle und Zuckerrüben nur bei künstlicher Bewässerung möglich. In den subtropisch geprägten Teilen der USA, insbesondere in Kalifornien und Florida, ermöglicht das günstige Klima den Anbau von Zitrusfrüchten, wobei in Kalifornien künstlich bewässert werden muss.
Im Südosten der USA werden unter feuchtwarmen Klimaverhältnissen vor allem Baumwolle, Zuckerrohr, Erdnüsse und Tabak angebaut. Aufgrund des außerordentlich hohen Wasserbedarfs beschränkt sich der Reisanbau auf Flächen im Mississippital und an der Golfküste.
Die Einflüsse des Reliefs auf die Anbaustrukturen im Pflanzenbau lassen sich anschaulich anhand des Gebirgssystems der Rocky Mountains zeigen. Diese wirken als Regenfänger, sodass in deren Windschatten — östlich der Gebirgskette bzw. in den eingelagerten intermontanen Becken — nur sehr geringe Niederschläge fallen, weshalb beispielsweise der Zuckerrübenanbau nur auf bewässerten Flächen erfolgen kann.
Die Landwirtschaft in Mittelamerika, in der Karibik und im nördlichen Teil Südamerikas wird durch den Anbau tropischer und subtropischer Früchte wie Zuckerrohr, Banane, Baumwolle, Kaffee, Kakao und Kautschuk dominiert.

Einfluss des Klimas
Der bestimmende Einfluss des Klimas auf die landwirtschaftliche Produktion lässt sich durch Vergleiche des Vorkommens unterschiedlicher Anbaupflanzen in den gemäßigten, subtropischen und tropischen Bereichen illustrieren. Ein gutes Beispiel liefern die sehr unterschiedlichen Ansprüche von Zuckerrübe und Zuckerrohr.
Optimale Anbaugebiete für Zuckerrüben finden sich in der gemäßigten Zone mit warmem, sonnigem, nicht zu feuchtem Klima. Im sonnigen Binnenlandklima werden die qualitativ besten Rüben mit den höchsten Erträgen erzeugt. Vorteilhaft ist ein trockenes Frühjahr, der Sommer sollte Temperaturen um 23 bis 25 °C aufweisen. Im Spätsommer kommen kühle Nächte der Qualität der Rüben sehr zugute, da sie den Zuckergehalt erhöhen. Die besten Voraussetzungen für den Rübenanbau bietet ein tiefgründiger, humoser, leicht erwärmbarer, gut drainierter Boden, der mit Nährstoffen und Wasser angereichert ist. Die Jahresniederschlagsmenge muss 500 Millimeter betragen, optimal sind 600 bis 800 Millimeter pro Jahr.
Das Zuckerrohr ist hingegen eine typische Pflanze der Tropen und Subtropen. Als solche benötigt sie möglichst konstante Temperaturen zwischen 25 °C und 28 °C. Unterhalb von 20 °C verlangsamt sich das Wachstum beträchtlich, bei 15 °C wird es vollkommen eingestellt. Schon bei Temperaturen von 4 °C wird die sehr frostempfindliche Pflanze deutlich geschädigt. Der Jahresniederschlag muss bei mindestens 1200 Millimeter liegen; bei geringen Mengen ist eine künstliche Bewässerung erforderlich.

Infrastruktur und Weltmarkt
Die Agrarstrukturen der einzelnen Länder dürfen allerdings nicht nur in Abhängigkeit von den klimatischen Bedingungen gesehen werden, zu berücksichtigen sind vielmehr auch die infrastrukturellen Voraussetzungen und die unterschiedlich starke Einbindung in den Weltmarkt. Kennzeichnend für die USA ist beispielsweise eine technologisch außerordentlich stark entwickelte Landwirtschaft mit großer Weltmarktorientierung, während die Landwirtschaften einiger Länder in Mittelamerika noch immer eher traditionell strukturiert und binnenmarktorientiert sind. Beim Export von Agrarprodukten liegen daher die USA und Kanada an der Spitze der amerikanischen Staaten.
In einigen Staaten ist die hohe Spezialisierung auf einzelne Exportprodukte und die große Abhängigkeit von den Entwicklungen des Weltmarktes ein Problem. Letzteres zeigte sich besonders krass in Kuba, wo schon vor der Revolution von 1959 rund 80 Prozent der Exporterlöse aus dem Zuckerexport resultierten. In der Folgezeit konnte Kuba im Zuge der sozialistischen Arbeitsteilung seinen Zucker vor allem in die Sowjetunion absetzen und erhielt dafür (Verrechnungs-)Preise, die um ein Mehrfaches über dem Weltmarktpreis lagen. Nach dem Zerfall der Sowjetunion und dem Fortfall dieser speziellen Wirtschaftsbeziehungen geriet die Zuckerwirtschaft Kubas in eine schwere Krise, in deren Verlauf die Exporterlöse temporär um nahezu 90 Prozent zurückgingen.
W. Klohn

Graphiken

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Verteilung der landwirschaftlichen Betriebsgrößen in den USA (2002)

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Entwicklung der Zahl und Größe der Farmbetriebe in den USA

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