Nord-/Ostsee - Umweltbelastung

Nordsee/Ostsee - Küstenschutz und Umweltbelastung

978-3-14-100700-8 | Seite 107 | Abb. 3 | Maßstab 1 : 12.000.000
Nord-/Ostsee | Umweltbelastung | Nordsee/Ostsee - Küstenschutz und Umweltbelastung | Karte 107/3

Informationen

Schon seit mehreren Jahrzehnten verhandeln Anrainerstaaten von Nord- und Ostsee über eine Verminderung der Schadstoffzufuhr und über Maßnahmen zur Erhaltung des Lebensraumes und seiner Artenvielfalt. Dass die Ergebnisse dieser Konferenzen die Erwartungen von Natur- und Umweltschützern bei weitem noch nicht erfüllen konnten und zahlreiche Umweltbelastungen nahezu unvermindert fortbestehen, ist zum einen den besonderen natürlichen Verhältnissen geschuldet, mehr noch aber dem Umstand, dass sich viele Maßnahmen, obwohl sie sachlich unstrittig waren und sind, gegen eine Vielzahl politischer und wirtschaftlicher Interessen nur schwer durchsetzen lassen. Erste wichtige Erfolge wie das Verbot der Dünnsäureverklappung westlich von Helgoland 1982 und die Reduktion der Verbrennung hochgiftiger Industrieabfälle auf See sind daher in erster Linie dem unermüdlichen Einsatz von Umweltorganisationen zu verdanken. Leider sind die Alternativen zur mehr oder minder legalen Entsorgung von Schadstoffen im Meer kostenaufwendig und die Überwachung der bestehenden Umweltauflagen schwer.

Besonders sensible Ökosysteme
Nord- und Ostsee sind zwei kleine und besonders flache Randmeere des Atlantiks. Als solche sind sie ökologisch zwar besonders bevorzugte "Kinderstuben" und Lebensräume zahlreicher Fische, einiger Kleinwale und diverser anderer Meeresorganismen, allerdings sind sie durch die geringe Tiefe auch besonders anfällig für Störungen ihres empfindlichen Gleichgewichts. Schwankungen der ökologischen Bedingungen, etwa der Temperatur oder des Sauerstoffgehalts, müssen innerhalb kurzer Frist ausgleichbar sein, da ein vollständiger Wasseraustausch schon in der Nordsee bis zu drei Jahre benötigt, in der Ostsee noch länger. Gerade hinter vorgelagerten Inseln im Wattenmeergebiet und in Buchtlage rufen Schadstoffeinleitungen deshalb nicht nur schwerwiegende Direktfolgen hervor, sondern bleiben auch nach ihrer Ablagerung noch eine dauerhafte Belastung.
Beide Meere und ihre jeweiligen Ökosysteme sind einer Vielzahl von Belastungen ausgesetzt. Zu unterscheiden ist dabei die direkte Verschmutzung des Meeres, sei es durch Abwasser- und Schadstoffeinleitung, durch Schifffahrt und Schiffsunglücke oder durch Ölverschmutzung im Fördergebiet, und die indirekte Verschmutzung über die zahlreichen großen Flüsse wie Memel, Weichsel, Oder, Elbe, Rhein und Themse, die fast ausnahmslos durch landwirtschaftlich intensiv genutzte Gebiete fließen und dabei eine Vielzahl von Industriehäfen und städtischen Agglomerationen passieren. Die wirtschaftliche Nutzung der Nord- und Ostsee durch Fischerei und Fremdenverkehr wird infolge der starken Schadstoffeinleitungen, die in der Vergangenheit unter anderem zu einer Vielzahl von "Algenblüten" und "Quallenpesten" geführt haben, stark beeinträchtigt

Die wichtigsten Schadstoffe
Trotz einer Reihe internationaler Abkommen über die Verringerung des Eintrags gesundheitsschädlicher Stoffe in Nord- und Ostsee und einiger zaghafter Erfolge dienen beide Meere bis heute noch immer der kostenlosen Müll- und Schadstoffentsorgung. Eines der größten Probleme ist seit Jahren der Nährstoffeintrag. Nährstoffe wie Nitrate und Sulfate stammen aus der landwirtschaftlichen Düngung oder Chemieabfällen. Sie sind bis heute im Überfluss im Meerwasser vorhanden und gelten als Hauptverursacher für die Massenentwicklung von Planktonalgen, die zu den berüchtigten Algenblüten führen. Beim biologischen Abbau dieser Überpopulationen werden so große Mengen Sauerstoff verbraucht, dass viele Tiefseeregionen der Ostsee heute nach übereinstimmendem Expertenurteil im ökologischen Sinne bereits tot sind. Auch in den stoffwechselaktiven Randbereichen kann der Sauerstoffmangel zu einem Massensterben von Fischen, Krebsen und anderen Meerestieren führen. Sichtbares Zeichen für eine Algenüberpopulation ist die Schaumbildung an den Stränden.
Eine zweite große Gefahr bilden die Schwermetalle und Kohlenwasserstoffe. Beide Stoffgruppen sind nicht gut abbaubar und werden entweder sedimentiert oder über die Nahrungskette in den Meeresorganismen angereichert. Dabei wird von Stufe zu Stufe der Nahrungskette eine höhere Konzentration erreicht. Schwermetalle sind Zellgifte und stören wie Kohlenwasserstoffe den Stoffwechsel und die Zellteilung. Ein sichtbares Zeichen für eine Schwermetallvergiftung bei Fischen ist eine krankhafte Gewebsveränderung, die als "Blumenkohltumor" bezeichnet wird, und eine vergiftete, "grüne" Leber.
Ein weiteres großes Problem ist das ins Meer gelangende Öl, das entweder von Ölplattformen, von Tankerunfällen oder, als Verbrennungsrückstand, aus dem Schiffsbetrieb stammt. Öl verhindert durch Bildung eines Oberflächenfilms den Austausch von Atemgasen und zerstört durch Sedimentation des Bitumenanteils das Bodenleben, vor allem in den belichteten und daher besonders produktiven Flachwassergebieten. Bei den See- und Zugvögeln verklebt das Öl das Gefieder und hebt damit die Isolationswirkung gegen die Kälte auf. Wenn es in Magen und Darm gelangt, wirkt es toxisch und tötet dann die meisten der Tiere.
V. Kaminske

Graphiken

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Umweltschutzausgaben der finnischen Forstindustrie

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Fischfang in der Nordsee

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Laichgebiete der Nordsee

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Lebensraum Nordsee

Die Nordsee ist kein unstrukturierter Lebensraum: Unterschiedliche Wasser- und Bodenschichten bilden vielfältige Lebensräume. Hier haben sich die mannigfaltigsten Organismen, Pflanzen und Tiere zu einem unübersehbaren Formenreichtum entwickelt
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