Niederschläge im Januar

Afrika - immerfeuchte und wechselfeuchte Tropen

978-3-14-100770-1 | Seite 173 | Abb. 3 | Maßstab 1 : 72.000.000
Niederschläge im Januar |  | Afrika - immerfeuchte und wechselfeuchte Tropen | Karte 173/3

Informationen

Der Rhythmus des Lebens wird in Afrika jedoch nicht von den Temperaturen, sondern von den Niederschlägen bzw. den Regen- und Trockenzeiten geprägt (vgl. Karten 135.5—7). Denn die Höhe und die jahreszeitliche Verteilung der Niederschläge sind für das Pflanzenwachstum der entscheidende ökologische Faktor.

Klassifikation der Klimaregionen
Ganzjährige Niederschläge verzeichnen nur das zentrale Kongobecken, die Region um die Nigermündung und der Osten Madagaskars. Bei Jahresniederschlagsmengen von mehr als 2000 Millimetern zählen sie zu den Tropenregionen mit ganzjährig humidem Klima.
Die Niederschläge sind an die Lage der Innertropischen Konvergenzzone (ITC) gebunden, bei der die Nordost- und Südostpassate zusammenfließen und zu konvektiver Bewölkung führen. Auflandige äquatoriale Westwinde, die sogenannte Walker-Zirkulation, verstärken die Niederschläge mitunter.
Um diese Kernbereiche ganzjährigen Niederschlags schließt sich ein äquatorialer Niederschlagstyp mit einer großen winterlichen Trockenzeit an, die höchstens sechs Monate dauert. Die Jahresniederschläge übersteigen hier deutlich 1000 Millimeter.
Der Niederschlagstyp mit zwei ariden Zeiten — einer kleinen Trockenzeit im Sommer und einer großen im Winter — prägt das Niederschlagsregime der trockenen Savannenregionen Afrikas. Die Niederschläge fallen jeweils beim Durchzug der ITC in Richtung der Wendekreise und bei ihrem Rückzug zum Äquator. Rücken der mit gewisser Verzögerung an den Zenitstand der Sonne gebundene Vorstoß der ITC gegen die Wendekreise und ihr Rückzug zeitlich eng zusammen, so wachsen die zwei Niederschlagsmaxima im randtropischen Afrika zu einer sommerlichen Regenzeit zusammen (tropisch sommerhumider Typ).
Bei Jahresniederschlagssummen deutlich unter 1000 Millimetern sind zumeist über acht Monate des Jahres arid. Im Bereich der Wendekreise sind vollaride Wüsten — mit bis zu zwölf ariden Monaten — bei jährlichen Niederschlagsmengen von unter 250 Millimetern ausgebildet. Die Kerngebiete dieser tropisch-subtropischen Trockengebiete liegen sowohl außerhalb des Einflussbereichs der ITC als auch der mit den ektropischen Westwinden verbundenen Niederschläge.

Regionale Klimaphänomene
An der Westküste Südafrikas wird die Aridität beiderseits des südlichen Wendekreises durch die Nachbarschaft des kühlen Benguelastroms verstärkt. Sein kaltes Auftriebswasser kühlt hier die über dem Meer liegenden Luftmassen ab. Diese werden von absinkenden, warm-trockenen Luftmassen im Bereich des atlantischen Subtropenhochs überlagert, was zur Ausbildung einer Temperaturinversion führt. Eine hoch reichende Konvektion, wie sie zur Bildung ergiebiger Niederschläge notwendig wäre, wird damit unterdrückt. An der Inversionsuntergrenze bilden sich jedoch dichte Nebel, die von Seewinden bis zu 50 Kilometer landeinwärts verdriftet werden. Für die Tiere und Pflanzen der Namib, die aufgrund der beschriebenen Vorgänge zu den Küstenwüsten zählt, ist diese Nebelnässe die wichtigste Feuchtigkeitsquelle.
In Südostafrika dagegen steuert ein subtropisches Hochdruckgebiet über dem südlichen Indischen Ozean fast ganzjährig feuchte Luftmassen heran, die auch an der Ostküste Madagaskars zu erheblichen Niederschlägen führen. In dieser Region findet sich ein für die Subtropen typisches sommerhumides Ostseitenklima, wie es auch in Ostasien ausgebildet ist.
Die Maghreb-Region im äußersten Norden und die Kapregion im äußersten Süden Afrikas liegen im Einflussbereich der subtropischen Winterregenklimate. Sie erhalten durch die winterliche Verlagerung des Westwindjets und der an sie gebundenen "wandernden Zyklonen" in Richtung Äquator ihre Niederschläge vor allem im Winter und Frühjahr. Die Niederschlagsmengen steigen jedoch nur in einigen Gebirgsregionen auf über 1000 Millimeter an.

Ostafrika und das Turkana-Becken
Ostafrika kommt innerhalb der Klimazonen Afrikas eine Ausnahmestellung zu. Der planetarischen Lage nach wäre dessen südlicher Teil den immerfeuchten inneren Tropen, sein nördlicher Teil den wechselfeuchten äußeren Tropen zuzurechnen. Tatsächlich wird das Horn von Afrika aber von Halbwüste eingenommen, die Jahresniederschläge liegen nur zwischen etwa 100 und 500 Millimetern pro Jahr. Diese Trockenheit hat zwei Hauptursachen. Zum einen liegen die Gebiete während der Wintermonate Dezember bis Februar im Einflussbereich des Nordostpassats, der von der Arabischen Halbinsel kontinental-trockene Luftmassen heranführt. In den Sommermonaten Juni bis August dagegen gerät das Horn von Afrika in den Einflussbereich des Monsuntiefs über dem Persischen Golf und Indien, was dazu führt, dass der Südostpassat der Südhalbkugel zum Südwestmonsun umgelenkt wird. Das Küstengebiet am Golf von Aden sowie insbesondere die Danakil-Senke geraten nun in Leelage.
Ein weiterer Trockenraum Ostafrikas mit Niederschlägen von weniger als 500 Millimetern pro Jahr ist das nur wenig nördlich des Äquators gelegene Turkana-Becken in Nordkenia. Auch hier ist die Lage im Lee des Äthiopischen Hochlandes eine der Ursachen der Aridität, allerdings kommen die Leeeffekte nun während des Nordostpassat-Regimes in den Wintermonaten zum Tragen. Während der Sommermonate Juni bis August werden durch konvektiven Aufstieg über den hochgelegenen Heizflächen dieses Hochlandes Luftmassen in Form von Talwinden aus der Turkana-Senke gezogen. Als Ausgleich kommt es über dem See zu absinkenden Luftbewegungen und Wolkenauflösung.
Niederschläge fallen in den tropischen Trockengebieten Ostafrikas somit nur währen des raschen Durchzugs der ITC in den Übergangsjahreszeiten, konzentriert auf wenige Tage im Jahr.
A. Siegmund, D. Volz, P. Frankenberg

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