Niederschläge im Jahr

Nord- und Mittelamerika – Klima

978-3-14-100782-4 | Seite 146 | Abb. 3 | Maßstab 1 : 72.000.000
Niederschläge im Jahr |  | Nord- und Mittelamerika – Klima | Karte 146/3

Informationen

Das eingangs beschriebene Zusammentreffen verschiedener Luftmassen bestimmt wesentlich die Genese der Niederschläge Nordamerikas. Bei der Niederschlagsverteilung zeigt sich der Einfluss der küstenparallelen Gebirgszüge erneut sehr deutlich. Entlang der Kordilleren stauen sich ganzjährig die mit den Westwinden vom Pazifik herantransportierten Luftmassen und führen in einem schmalen Küstenstreifen im Luv des Gebirges zu mittleren jährlichen Niederschlagsmengen von bis zu 3000 Millimetern. Im Lee der Kordilleren nehmen die Niederschläge durch föhnartig absteigende Luftmassen rasch ab und erreichen zum Teil nur noch 250 bis 500 Millimeter. Nur der Südwesten, südlich von Kalifornien, gerät unter den sommerlichen Einfluss des Nordpazifischen Subtropenhochs, weshalb sich dort ein subtropisches Winterregenklima ausbildet (vgl. Karten S. 228).
Im Südwesten Nordamerikas macht sich außerdem der Einfluss des subtropischen Hochdruckgürtels bemerkbar. Das Nordpazifik-Hoch sorgt dort für einen sehr starken Rückgang der Niederschläge. Bei einem langjährigen Niederschlagsmittel von teilweise unter 100 Millimetern herrschen wüstenhafte Bedingungen, wie etwa im Bereich der Mojave-Wüste.
Auch im Osten des Kontinents konzentrieren sich die Niederschläge in Küstennähe. Durch die feuchten Luftmassen aus dem karibischen Raum erhält der Südosten Nordamerikas mit 1500 bis 2000 Millimetern sehr hohe Niederschlagsmengen. Durch die geringere Höhe der Appalachen im Vergleich zu den Kordilleren können die Niederschläge im Osten aber weiter ins Innere des Kontinents vorstoßen. So liegt die 500-Millimeter-Grenze des mittleren Jahresniederschlages in etwa im Bereich des 100. Längengrades.
Wegen der Zyklonenentstehung unter der Trogvorderseite des Westwindjets über dem Osten der Great Plains sind die östlichen Bereiche der USA in der Regel stärker beregnet als die westlichen, zumal feuchtwarme Tropikluft aus der Karibik in den Warmluftsektor der Zyklonen große Mengen an Niederschlagswasser einbringt. Über dem nördlichen Teil des Kontinents fällt ein großer Teil des Niederschlags aus konvektiver Bewölkung über dem sommerlich warmen kontinentalen Raum (Gewitter).
Im tropisch-subtropischen Mittelamerika ist eine starke Abhängigkeit der Niederschläge von der Höhenlage zu verzeichnen — diese steigen mit zunehmender Höhe bis zu einem bestimmten Niveau an. Mittelamerika unterliegt dem tropischen Zirkulationsgeschehen der Headleyzelle, des "Schwungrades" der tropisch-subtropischen Zirkulation. Die Niederschlagszeit im Jahresgang ist an den Durchgang der Innertropischen Konvergenzzone (ITC) über Mittelamerika gebunden. Für Mittelamerika ist der auflandige Nordost-Passat niederschlagsgenetisch dominierend. In seine ursprüngliche Ostströmung eingebunden (vgl. Karten S. 230/231), wandern die Wellenstörungen über den Nordatlantik von Osten nach Westen. Diese sind die Hauptregenbringer der Karibik und Mittelamerikas. Dabei werden die Ostküsten jeweils stärker beregnet als die Westküsten. Die Regenwälder konzentrieren sich daher vornehmlich auf den Ostseiten Mittelamerikas und der Karibischen Inseln (vgl. Karten S. 236).
Den äußersten Norden des Kontinents mit seiner wasserdampfarmen Arktikluft erreichen die Westwinde kaum. Auch im Lee der Rocky Mountains, wo die Luftmassen im Einflussgebiet des Chinook föhnartig abströmen, ist ein großes Trockengebiet ausgebildet. Die größte Trockenheit wird im Tal des Todes in Kalifornien erreicht.
A. Siegmund, P. Frankenberg, D. Volz