Niederschläge im Jahr

Südamerika – Klima/Brasilien

100750 | Seite 168 | Abb. 3 | Maßstab 1 : 60.000.000
Niederschläge im Jahr |  | Südamerika – Klima/Brasilien | Karte 168/3

Informationen

Die Niederschlagsverteilung in Südamerika wird entscheidend von der Luv- oder Lee-Lage der vorherrschenden Winde zu den Anden geprägt. Weite Teile Amazoniens sind durch beständige ganzjährige Regenfälle gekennzeichnet. Die Jahresniederschläge erreichen hier 1000 bis 2000 Millimeter, zum Teil sogar noch mehr. Nach Süden und Osten nehmen die Niederschläge ab. Im Bereich der subtropischen Hochdruckgebiete herrscht in einem schmalen Küstenstreifen im Westen des Kontinents starke Trockenheit. Ab etwa dem 30. Breitengrad gewinnt die Westwinddrift zunehmend an Bedeutung. Dadurch werden die Westflanken der Anden stark beregnet, während auf der Ostseite Trockenheit herrscht.
Der Zenitstand der Sonne bedingt über Südamerika die Bildung eines flachen Bodentiefs, das zu einer Konfluenz (Zusammenfluss) der Passatwinde aus Norden und Süden führt. Diese Konfluenzzone kennzeichnet die Lage der Innertropischen Konvergenzzone (ITC). Über dem Amazonastiefland und den angrenzenden Anden ist diese ITC in einen nördlichen und südlichen Ast aufgespalten. Die dadurch in diesem Bereich ganzjährig vorherrschenden äquatorialen Westwinde führen zu beständigen Niederschlägen. Im Stau der Anden steigen die Niederschläge bis zum Hauptkondensationsniveau zusätzlich an und erreichen bis zu 2000 Millimeter pro Jahr. In höheren Gebirgslagen gehen die Niederschlagssummen deutlich zurück.
Im Sommer (Januar) greift die südliche ITC dem Zenitstand der Sonne folgend trogförmig nach Süden aus. Im Südosten des Kontinents äußert sich dies in einem sommerlichen Regenmaximum. Das Klimadiagramm von Remansao lässt die etwa sechsmonatige sommerliche Regenzeit ("invierno") von November bis April deutlich erkennen.
Die Wintermonate sind hingegen durch den Rückzug der ITC nach Norden von einer Trockenzeit ("verano") gekennzeichnet. Auflandige Passatwinde sorgen dann an den Gebirgsflanken der Nordost- und Südostküste Südamerikas für relativ hohe Niederschläge. Die Niederschlagsarmut des schmalen Küstenstreifens im Westen des Kontinents bis etwa zum 30. Breitengrad und in Nordostbrasilien ist durch das südpazifische bzw. das südatlantische Hoch bedingt. An der Westküste verstärken zudem die kalten Auftriebswässer des Humboldtstromes die Absinkbewegungen der Luftmassen im Einflussbereich der südostpazifischen Antizyklone und die damit verbundene Trockenheit. Bis zum Andenrand werden dabei Konvektion und Niederschlagsbildung durch die Absinkinversion gänzlich unterbunden. Unter der Inversionssperrschicht reichert sich über den Wasserflächen jedoch Wasserdampf an und es kommt bei nächtlicher Ausstrahlung zur Hochnebelbildung. Ein Land-Seewind-System trägt diesen Nebel am Tag ins Land, wo er in einem schmalen Küstenstreifen als Feuchtigkeitsspender dient. In diesem Streifen liegen die chilenische und die peruanische Küstennebelwüsten der Atacama. Jenseits des Einflussbereichs der Küstennebel liegt die Atacama-Binnenwüste, die als die trockenste Wüste der Erde gilt.
Im Bereich der Mittelbreiten Südamerikas herrschen ganzjährig Westwinde vor. Sie führen im Luv der Anden zu starkem Steigungsregen. Die Jahresniederschlagsmengen erreichen hier teilweise über 2000 Millimeter. Durch die föhnartig absteigenden Luftmassen im Lee der Gebirgskette gehen die Niederschläge rasch zurück. Sie erreichen in Ostpatagonien weniger als 250 Millimeter. Im Übergangsbereich zwischen dem jahreszeitlich wechselnden Einfluss des Subtropenhochs und der ektropischen Westwindzone ist an der Westküste Südamerikas ein charakteristisches Winterregenklima ausgebildet.
A. Siegmund, P. Frankenberg, D. Volz