Neubrandenburg - Altstadt und Vorstädte 1910

Mecklenburg-Vorpommern - Den Wandel von Räumen beschreiben

978-3-14-100381-9 | Seite 28 | Abb. 2
Neubrandenburg | Altstadt und Vorstädte 1910 | Mecklenburg-Vorpommern - Den Wandel von Räumen beschreiben | Karte 28/2

Vom Schlachtfeld zur Residenz

Tilly, General der kaiserlichen Truppen, eroberte und verwüstete das befestigte Neubrandenburg im Jahr 1631. Die Stadt brauchte lange, um sich von den Kriegsfolgen zu erholen. Noch im 18. Jahrhundert gab es in der Altstadt Hausgrundstücke, die wüst lagen oder nur als Gärten genutzt wurden. Verheerende Stadtbrände vernichteten 1676 und 1737 große Teile der Stadt. Die Stadt wurde wieder aufgebaut und dabei entstanden alle wichtigen Gebäude, die neben den mittelalterlichen Wehrbauten das Bild der Altstadt bis 1945 prägten. Dazu gehörte ein spätbarockes Rathaus als Mittelpunkt des zentralen Marktplatzes. Das fürstliche Residenzschloss, als „Palais“ bezeichnet, wurde ab 1774 auf dem Marktplatz errichtet. Neubrandenburg entwickelte sich zum politischen Zentrum des altmecklenburgischen Staates Mecklenburg-Strelitz. Die Stadt wurde zum Mittelpunkt des höfischen Lebens. Trotz des äußeren Scheins blieb die wirtschaftliche Grundlage des Lebens dürftig. Über Eigenversorgung und Marktfunktion für das Umland ging die wirtschaftliche Bedeutung Neubrandenburgs nicht hinaus.

Den Wandel von Räumen beschreiben

Landschaften und Siedlungen verändern sich im Laufe der Zeit. Der Vergleich von Karten desselben Gebietes zeigt, was sich wann, wo und wie stark verändert hat. Eine aktuelle Karte kann dadurch besser verstanden werden. Es zeigt sich, wie die Entwicklung einer Siedlung oder Landschaft vor sich ging und wie es zur heutigen Form gekommen ist.

Beispiel: Gätenbach und Lindebach

Der Fluss Linde teilt sich östlich von Neubrandenburg in den Gätenbach und den Lindebach. Der Gätenbach entwässert in den Tollensesee, während der Lindebach im Süden an der Stadt vorbeiführt und in den Oberbach mündet. Der Flusslauf ist bereits vor dem 16. Jahrhundert durch Menschenhand korrigiert worden. Die Wasserversorgung der Mühlen musste geregelt werden. Der Bach hat bereits im Mittelalter die Heidemühle, die Kupfermühle und die Walkmühle sowie den Stadtgraben gewässert, der damals noch die ganze Stadt umschloss. Anfang des 20. Jahrhunderts hatte der Stadtgraben keine Verteidigungsfunktion mehr. Nur an der Ostseite Neubrandenburgs führte er noch Wasser. Die Heidemühle und die Lohmühle waren allerdings noch in Betrieb. Im Jahr 2018 sind Lindenbach und Gätenbach vollständig in die Stadtlandschaft eingepasst und dienen der Naherholung.

Neubrandenburg im 19. Jahrhundert

Die Industrialisierung setzte im 19. Jahrhundert nur zögernd ein. Maschinenbaufabriken, Eisengießereien und Verarbeitungsbetriebe für landwirtschaftliche Erzeugnisse entstanden. Weithin berühmt waren jedoch die Neubrandenburger Pferde- und Wollmärkte. Im Jahr 1839 war Neubrandenburg mit 6145 Einwohnern die größte Stadt des Landesteils Mecklenburg-Strelitz. Eine jüdische Gemeinde bildete sich in Neubrandenburg um 1864. Es wurde sogar eine aufwendig orientalisch gestalteten Synagoge im Norden der Stadt errichtet. Zu dieser Zeit erhielt Neubrandenburg einen Bahnanschluss. 1867 wurde Mecklenburg-Strelitz Bundesstaat im Norddeutschen Bund und ab 1871 dann Land des Deutschen Reiches. In der Altstadt wurden vielfach alte Fachwerkbauten saniert oder durch Neubauten ersetzt. Zugleich wuchs die Stadt über den mittelalterlichen Mauerring hinaus. Sorgfältig bemühte man sich im 19. Jahrhundert, die mittelalterlichen Wehrbauten instand zu setzen. 1910 lebten in der Stadt über 12 000 Einwohner.

Beispiel: Oberbach

Am Beispiel der Gewässer lassen sich die Entwicklungen aufzeigen. Um Neubrandenburg gab und gibt es viele Flüsse, Bäche und Seen. Die Bäche (Oberbach, Lindebach, Gätenbach) waren schon im 16. Jahrhundert keine wilden Fließgewässer mehr. Um Hochwasser vorzubeugen und die Vierrademühle am Treptower Tor betreiben zu können, wurde der Oberbach als künstlicher Kanal mit einem gleichmäßigen Wasserstand angelegt. Vorher hatte man die natürlichen Ausflüsse des Tollensesees verschlossen. Am Oberbach wurde vor 1910 ein Gehweg angelegt; am Ostufer entstand ein kleiner Bootshafen. Ab der Höhe dieses Bootshafens wurde der Bach also als Wasserstraße zum Tollensesee ausgebaut, damit die Schiffe einen bequemen Zugang hatten. Der Bootshafen vergrößerte sich im 20. Jahrhundert immens, was auf die erhöhten Freizeitaktivitäten in der heutigen Zeit hinweist. Der Mühlenteich und auch der kleine Teich am Treptower Tor, die es im 16. Jahrhundert noch gab, sind 1910 verschwunden. Zum sicheren Betrieb der Mühle war aus technischen Gründen der Mühlenteich nicht mehr notwendig. 2018 wird die Vierrademühle nicht mehr betrieben.

Differenzierende Karte

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