Naivasha (Kenia) - Rosenanbau für den EU-Markt

Afrika - Landnutzung

978-3-14-100870-8 | Seite 190 | Abb. 1 | Maßstab 1 : 60.000
Naivasha (Kenia) | Rosenanbau für den EU-Markt | Afrika - Landnutzung | Karte 190/1

Überblick

Viele Schnittblumen, die bei uns verkauft werden, stammen aus Ländern der südlichen Hemisphäre. Für die meistgekaufte Blume Deutschlands, die Rose, ist beispielsweise das Klima auf den äquatorialen Hochebenen ideal. Die für ihr Wachstum erforderlichen Lichtverhältnisse und Temperaturen, die in Europa künstlich erzeugt werden müssten, sind in dieser Region das ganze Jahr über gegeben. Trotz der Transport- und Flugkosten ist es deshalb wirtschaftlich einträglich, Rosen aus Ländern rund um den Äquator zu importieren. Für Länder wie Kenia, Tansania, Kolumbien oder Ecuador gehören Schnittblumen inzwischen zu den wichtigsten Exportprodukten. Dass sie mit der regionalen Produktion trotz der langen Transportwege mithalten können, liegt nicht nur an den niedrigeren Energieaufwendungen, sondern auch an den niedrigen Lohnkosten in diesen Ländern.

Wie wichtig der Rosenanbau für den regionalen Arbeitsmarkt ist, belegt die Zahl der täglichen Arbeitspendler in Navaisha (4000 pro Tag). Ein Arbeiter in Kenia, der Vollzeit auf einer Blumenplantage arbeitet, verdient allerdings in der Regel nur zwischen 30 und 40 Euro im Monat. Das reicht nicht, um eine Familie zu ernähren, trotz zahlreicher Überstunden zu bestimmten Terminen wie Valentins- oder Muttertag. Viele Arbeiterinnen und Arbeiter haben keine Festverträge und sind bei ihrer Tätigkeit Chemikalien ausgesetzt, die für den Anbau von Rosen in Monokultur unverzichtbar sind. Entsprechende Schutzmaßnahmen wären dringend erforderlich, werden aber nur gelegentlich umgesetzt.

Flower Label und TransFair

Aus diesem Grund haben Mitte der 1990er-Jahre Menschenrechtsorganisationen, Gewerkschaften, Blumenhändler und Blumenproduzenten verschiedene Programme begründet, deren Ziel die Verbesserung der Umwelt- und Sozialstandards in der weltweiten Blumenproduktion ist. Um dies zu erreichen, arbeiten sie unter anderem mit dem Instrument der Zertifizierung. Blumenfarmen, die nachweislich bestimmte Kriterien erfüllen, dürfen ihre Ware mit einem Gütesiegel versehen. Die Kriterien betreffen zum Beispiel folgende Kernpunkte:

• keine Kinder- und Zwangsarbeit,

• existenzsichernde Löhne,

• Gewerkschaftsfreiheit,

• Gesundheitsschutz, Verzicht auf hochgiftige Pestizide sowie

• verantwortungsvoller Umgang mit natürlichen Ressourcen.

So bietet zum Beispiel die Fairtradeorganisation TransFair e. V. seit 2005 Rosen mit Gütesiegel an. Das TransFair-Siegel steht nicht nur für faire Produktion, sondern auch für fairen Handel. Das bedeutet, dass die Rosen mit einem Aufpreis versehen werden, der in Anteilen wieder zurück an die Produzenten und deren Belegschaft fließt. Hier werden Gelder für soziale Projekte genutzt. Der Kunde zahlt also ein wenig mehr, leistet damit aber auch einen Beitrag zur Entwicklungszusammenarbeit und für den umweltschonenden Anbau. Rosen mit dem Fairtrade-Siegel dürfen nur an Transfair-Lizenznehmer verkauft werden; dies sind insbesondere Supermärkte und Floristikdiscounter. Die Preisgestaltung im Blumenfachhandel ist selbstverständlich eine vollkommen andere, denn hier werden höhere Qualitäten verarbeitet, und die Leistung der Floristen geht in den Endpreis ein. Dies muss bei der Auswertung der Tabelle im Atlas berücksichtigt werden.

Ein zunehmender Konflikt deutet sich bei der Wassernutzung an. Im Umkreis von Naivasha ist zu erkennen, dass durch die Kreisbewässerung im Gemüseanbau und den Golfplatz eine potenzielle Konkurrenz entsteht, zumal die Fläche der Folientreibhäuser stark vergrößert wurde und das Gebiet dicht besiedelt ist. Es scheint daher eine Frage der Zeit zu sein, bis Wassermangel zu einem Problem wird. Dem ließe sich zum Beispiel durch verbesserte Techniken der Wassernutzung und ein Wassermanagement vorbeugen.

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