Mundarten

Verwaltung und historische Entwicklung

978-3-14-100752-7 | Seite 14 | Abb. 2 | Maßstab 1 : 3.000.000
Mundarten |  | Verwaltung und historische Entwicklung | Karte 14/2

Informationen

Ende 1999 startete Baden-Württemberg eine Werbe- und Sympathiekampagne, in deren Mittelpunkt der Slogan "Wir können alles. Außer Hochdeutsch" gestellt wurde. Aus Sicht der Deutschen außerhalb des südwestlichsten Bundeslandes trifft vor allem der zweite Teil zu. Die meisten Nicht-Baden-Württemberger würden wahrscheinlich darauf tippen, dass rund um Mannheim, Stuttgart und Freiburg größtenteils Schwäbisch gesprochen wird. Doch das ist nicht der Fall.

Das Land des Fränkischen und Alemannischen
Das Schwäbische ist im strengen Sinne keine eigenständige Mundart, sondern zählt genaugenommen zum Alemannischen. Die zweite der beiden im Land vorkommenden Hauptmundarten ist das Fränkische.
Im Zentrum und im Osten Baden-Württembergs dominiert Schwäbisch, im Norden und Nordwesten um Mannheim, Heidelberg und Karlsruhe ist es Fränkisch und im Süden, z. B. im Schwarzwald, Alemannisch. Diese Verteilung ist eng mit der Siedlungsgeschichte verknüpft: Der germanische Großstamm der Franken setzte sich seit dem 3. Jahrhundert u. a. aus Salfranken, Rheinfranken, Chamaven, Sugambrern, Ampsivariern, Batavern und Chatten zusammen. Mit der anschließenden Völkerwanderung zerstreuten sie sich in die Gebiete, in denen heute noch fränkische Mundarten gesprochen werden — neben dem Nordteil von Baden-Württemberg ist das u. a. auch in den Niederlanden der Fall.
Das angestammte Kerngebiet der Alemannen war seit dem 3. Jahrhundert die Region zwischen Rhein, Main und Lech, womit sich in Baden-Württemberg das Gebiet befindet, in dem die Mundart im gesamten alemannischen Sprachraum am längsten gesprochen wird.
Die Hauptmundarten sind in zahlreiche Gruppen gegliedert. So teilt sich allein das Schwäbische u. a. ins Niederschwäbische oder Neckarschwäbische, das z. B. in weiten Teilen des Neckartals und auf der Schwäbischen Alb gesprochen wird; ins Oberschwäbische, mit dem man sich z. B. südlich der Donau verständigt sowie ins Ostschwäbische, das in Ostwürttemberg Standard ist.
Als Indikator für den fränkischen und den alemannischen bzw. schwäbischen Sprachraum kann die Verteilung von Endungen der Ortsnamen dienen: Im fränkischen Raum dominiert z. B. die Endung auf "-heim", während es im alemannischen Sprachraum eine Ballung von Endungen auf "-ingen" gibt. Mit ihrem kleinen Maßstab kann die Karte einer genaueren Gliederung nicht gerecht werden. Die Zersplitterung in regional begrenzte Mundartgruppen macht z. B. die Bezeichnung für die Kartoffel deutlich. In Ludwigsburg heißt sie selbstverständlich "Ebbiira", im südlicheren Reutlingen klingt es mit "Aibiira" noch ähnlich. Die Karlsruher nennen sie dagegen "Grumbiira". In Heidelberg kennt man dagegen die "Kadoffel", im Süden variieren die Bezeichnungen u. a. zwischen "Erdäpfel", "Aidäpfel" sowie "Herdöpfel" und der südöstliche Zipfel des Landes spricht von "Bodabiira".
D. Falk

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