Moskau - Innere Stadt

Osteuropa - Wirtschafts- und Siedlungsstrukturen

978-3-14-100803-6 | Seite 145 | Abb. 3 | Maßstab 1 : 50.000
Moskau | Innere Stadt | Osteuropa - Wirtschafts- und Siedlungsstrukturen | Karte 145/3

Überblick

Die beiden Karten zeigen Moskau in unterschiedlichen Maßstäben. Die russische Hauptstadt ist mit 12,0 Mio. Einwohnern und einer Bevölkerung von 16,7 Mio. Menschen im gesamten Ballungsraum sowohl größte Stadt als auch größte Agglomeration in ganz Europa. Die Übersichtskarte zeigt die radial-ringförmige Grundstruktur, die dadurch entstanden ist, dass die Ringstraßen und Erweiterungen im Laufe von Jahrhunderten wie Jahresringe um das historische Stadtzentrum am Kreml gewachsen sind. Die Karte der Innenstadt lässt die radial-ringförmige Grundstruktur innerhalb des sogenannten Gartenringes und die funktionale Gliederung Moskaus erkennen.

Stadtentwicklung bis 1991

Freiherren von Herberstein, aus dem 16. Jahrhundert, charakterisierte die Stadt treffend als „Russlands Haupt und Mitte“. Diese Mittellage spiegelt sich bis heute in den sternförmig auf den Kreml zulaufenden Radialstraßen. Sie sind weit älter als die frühneuzeitlichen Ringstraßen, und sie verhelfen zum Verständnis des raschen Wachstums. Diese Straßen führten bereits im Mittelalter in allen Himmelsrichtungen, und damit in Regionen mit unterschiedlicher naturräumlicher Ausstattung, wirtschaftlicher Eignung und wirtschaftsgeschichtlichem Entwicklungsniveau. Die wirtschaftlichen und kriegerischen Aktivitäten im Umland spielten sich zu einem nicht geringen Teil auf diesen Straßen ab und beeinflussten das Schicksal der Stadt.

Der Arbat war die Haupthandelsstraße nach Westen; über Smolensk führte sie bis nach Polen und dann weiter bis Mitteleuropa. Der arabische Name hat sich bis heute gehalten, er steht inzwischen jedoch für eine begehrte Wohnstraße und eine touristische Attraktion im historischen Zentrum von Moskau. Die Twerer Straße führte nach Novgorod in den Handelsbereich der Hanse. Sie wurde 1935 in Gorkistraße umbenannt. Nach Norden führten wichtige Handelsstraßen zur oberen Wolga und in das frühe Gewerbegebiet um das Dreifaltigkeitskloster. Die Ordynska Straße verband Moskau mit dem fruchtbaren Waldsteppenland des Südens, dessen Getreideanbau und Viehhaltung wesentlich zur Ernährung der Stadt beitrugen.

Von der Mitte des 19. Jahrhunderts an verkehrten auch Eisenbahnen auf diesen Hauptrouten. Dadurch entwickelte sich Moskau zum großen Verkehrs- und Transportzentrum erst Osteuropas, später der Sowjetunion und schließlich, nach deren Zusammenbruch, Russlands. Von Moskaus Funktion als zentraler Drehscheibe im nationalen und internationalen Personen- und Güterverkehr zeugen heute die drei internationalen Flughäfen, die acht Fernbahnhöfe und die drei Binnenhäfen der Stadt. Mit dem Zerfall der Sowjetunion im Dezember 1991 verlor Moskau die Hauptstadtfunktion für die ehemalige UdSSR und ist seitdem nur noch Hauptstadt Russlands.

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Das Stadtzentrum heute

Moskaus Zentrum bilden der Kreml und der Rote Platz, die beide seit 1990 auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes stehen. Wenige Schritte nördlich davon liegen die Duma, das russische Parlament, und das Bolschoi-Theater, das bekannteste Theater der Stadt. Zum historischen Stadtkern gehören auch die umliegenden Verwaltungs- und Geschäftszentren, die eine Vielzahl von Einkaufsmöglichkeiten bieten, insbesondere im Luxussegment. Das im neoklassizistischen Stil gehaltene Warenhaus Gum am Roten Platz gilt nicht nur als ein architektonisches Highlight der Stadt, sondern zählt mit täglich 30 000 Kunden zu den größten Kaufhäusern der Welt. Unweit befindet sich Kaufhaus Tsum, das größte Modekaufhaus Osteuropas, das sich mit seinem Angebot an Luxusmarken exklusiv an die reiche Oberschicht wendet.

Ein chronisches Problem der russischen Metropole ist der Straßenverkehr. Obwohl das Stadtzentrum durch ein U-Bahn-Netz gut erschlossen ist, bevorzugen viele Einwohner die Fahrt im privaten Pkw, weshalb die Hauptverkehrsachsen im Berufsverkehr chronisch verstopft sind. Die Stadt steht vor dem Problem, dass es mangels vorhandener Freiflächen kaum Raum für neue Straßenprojekte gibt. Die Moskauer Stadtverwaltung hat im Frühjahr 2014 angekündigt, in den nächsten fünf Jahren 34,5 Mrd. US-Dollar in den Ausbau des kommunalen Straßennetzes zu stecken.

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Wirtschaftliche und städtebauliche Entwicklung seit 1991

Moskau ist seit jeher nicht nur das politische und kulturelle Zentrum des Landes, es spielt auch eine Schlüsselrolle für die russische Wirtschaft. Etwa 20 Prozent des russischen Bruttoinlandsproduktes werden in der Agglomeration Moskau erwirtschaftet. Industrielle Schwerpunkte der Stadt sind traditionell der Maschinen- und Fahrzeugbau, die Elektroindustrie sowie die Chemische Industrie; in den letzten Jahren hat sich Moskau überdies zu einem internationalen Standort der Informations- und Kommunikationstechnologie entwickelt (s. 144.1). In den rund 1200 Banken der Stadt werden geschätzt etwa drei Viertel der russischen Finanzgeschäfte abgewickelt, überdies sind hier viele internationale Konzerne mit ihrem Hauptsitz oder Niederlassungen vertreten. Die Stadt ist daher ein Dienstleistungszentrum mit internationaler Bedeutung.

Angesichts des hohen Bedarfs haben Investoren unweit des Zentrums am Ufer der Moskwa (westlich des Kartenausschnitts) in den letzten Jahren ein knappes Dutzend Wolkenkratzer erbaut, die das Herz des neuen Stadtteils „Moskauer Internationales Handelszentrum Moskau-City“ bilden. Das neue Viertel, auch als „russisches Manhattan“ bezeichnet, wird neben repräsentativen Büroflächen auch Luxuswohnungen und ein riesiges Einkaufscenter beherbergen.

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