Mitteleuropa - Dreißigjähriger Krieg (1618–1648)

Geschichte - Reformation und Dreißigjähriger Krieg

978-3-14-100380-2 | Seite 204 | Abb. 2
Mitteleuropa | Dreißigjähriger Krieg (1618–1648) | Geschichte - Reformation und Dreißigjähriger Krieg | Karte 204/2

Überblick

Der Dreißigjährige Krieg ist die Sammelbezeichnung für mehrere Kriege in Europa von 1618 (Prager Fenstersturz) bis 1648 (Westfälischer Friede). Er brachte millionenfachen Tod, Verwüstung und Not. Neben den Konflikten in Deutschland kam es auch zu kriegerischen Auseinandersetzungen in den Niederlanden, zwischen Polen und Schweden, Schweden und Dänemark, Frankreich und Spanien, aber auch in England, Süditalien oder auf der Iberischen Halbinsel.

Ursachen des Dreißigjährigen Krieges

Der Dreißigjährige Krieg lässt sich nicht aus einer einzelnen Ursache heraus erklären. Der Krieg begann im überwiegend protestantischen Böhmen, in dem sich ein Adelsbund gegen die habsburgischen Landesherren und deren Versuche einer gewaltsamen Rekatholisierung zur Wehr setzte. Als die Rebellen nach dem Prager Fenstersturz am 23. Mai 1618 einen eigenen König wählten, entschloss sich Ferdinand II. zum Krieg. Er schlug die Aufrührer in der Nähe von Prag nieder. Als sich das Gerücht verbreitete, der Kaiser wolle eine Seemacht im Norden errichten, griff 1625 der finanziell vom Ausland unterstützte und von den evangelischen Fürsten gedrängte König Christian von Dänemark ein. Der böhmische Adlige Albrecht von Wallenstein, der durch das Strafgericht von 1620 zu einem der reichsten Grundbesitzer in Böhmen geworden war, schlug Dänemark. Auf das Drängen evangelischer Fürsten und unterstützt durch Frankreich kam nun auch Schweden den Protestanten zu Hilfe. Wieder war es Wallenstein, der sich ihnen entgegenstellte. Zu dieser Zeit hielt Ferdinand II. ganz Oberdeutschland in seiner Hand und schloss Friedensverträge u. a. mit den Fürstentümern Brandenburg, Sachsen und Anhalt. Die Entscheidung über Krieg und Frieden lag aber nicht mehr in seiner Hand. Frankreich unter Kardinal Richelieu schaltete sich nun offen in den Kampf gegen die Übermacht Habsburg ein. Der Krieg der Franzosen, Schweden und ihrer deutschen Verbündeten (1635–1648) gegen den Kaiser und seine Verbündeten endete für diese mit einer Niederlage.

Bevölkerungsverluste während des Krieges

Deutschland musste im Dreißigjährigen Krieg beträchtliche, regional sehr unterschiedliche Bevölkerungsverluste hinnehmen. Die Bevölkerung verringerte sich auf gut 60 Prozent des Vorkriegsstandes. Am schwersten betroffen war ein Streifen von Pommern und Mecklenburg im Nordosten Deutschlands über Thüringen sowie Teile Hessens in der Mitte bis zu den kleinräumigen Gebieten im Südwesten. Nach Schätzungen schrumpfte die Bevölkerung in Deutschland von 16,5 Millionen im Jahr 1618 auf 10,5 Millionen im Jahr 1648. Die Landbevölkerung ging um ca. 40 Prozent, die städtische Bevölkerung um ca. 25 Prozent zurück. Die meisten Menschen erlitten den Tod nicht durch unmittelbare Waffengewalt, sondern durch nur mittelbar vom Kriegsgeschehen beeinflusste Ereignisse. Krankheiten und Seuchen verbreiteten sich in den überbevölkerten Städten rasch. Dazu kamen noch Tod durch Hunger und Kälte, meist in den ländlichen Regionen.