Mitteleuropa - Besatzungsmächte und Vertreibung 1945–1949

Geschichte - Der Zweite Weltkrieg und seine Ergebnisse

978-3-14-100389-5 | Seite 217 | Abb. 5
Mitteleuropa | Besatzungsmächte und Vertreibung 1945–1949 | Geschichte - Der Zweite Weltkrieg und seine Ergebnisse | Karte 217/5

Überblick

Die Karte zeigt die Aufteilung Deutschlands und Österreichs in Besatzungs- und Verwaltungszonen. Sie erfasst außerdem die staatliche Neustrukturierung im sowjetischen Einflussbereich in Mittel- und Osteuropa mit den neuen Grenzziehungen zwischen der Sowjetunion und Polen bzw. der Tschechoslowakei. Es sind auch die Vertreibungsströme bzw. Umsiedlungsströme sowie die Auswanderungen nach Israel erfasst.

Besatzungszonen in Deutschland

Nach der Kapitulation Deutschlands 1945 rückten die alliierten Truppen in die ihnen zugewiesenen Zonen ein. Ein von den Besatzungsmächten gebildeter Alliierter Kontrollrat trat an die Stelle der deutschen Staatsgewalt. Zwischen 1945 und 1946 kam es zur Neugliederung der Länder. Innerhalb der amerikanischen Zone entstanden Bayern, das seine alten Ländergrenzen weitgehend beibehielt, das Land Württemberg-Baden (aus den nördlichen Teilen Badens und Württembergs) sowie das Land Hessen. Das als Überseehafen ebenfalls zur amerikanischen Besatzungszone zählende Bremen erhielt 1947 den Status eines Landes. In der britischen Zone wurde das Land Niedersachsen aus der Provinz Hannover und den ehemaligen Ländern Braunschweig, Oldenburg und Schaumburg-Lippe neu gebildet. Des Weiteren entstanden Nordrhein-Westfalen (aus der nördlichen Rheinprovinz, Westfalen und später Lippe-Detmold) sowie Hamburg und Schleswig-Holstein in den überkommenen Grenzen. Die französische Besatzungsmacht bildete aus preußischen, bayerischen und hessischen Gebietsteilen das Land Rheinland-Pfalz. Weiterhin entstanden die beiden Länder Baden und Württemberg-Hohenzollern (nicht zu verwechseln mit dem zu dieser Zeit amerikanischen Württemberg-Baden). In der sowjetischen Zone wurden die Länder Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg und Brandenburg neu gegründet. Die beiden mecklenburgischen Länder, Anhalt, Thüringen und Sachsen hatten bereits während der Weimarer Republik bestanden. Zu allen diesen Ländern kamen Teile Preußens. Aus großen Teilen der preußischen Provinz Sachsen und dem Land Anhalt entstand Sachsen-Anhalt. Brandenburg umfasste Teile des preußischen Kernlandes. Berlin wurde von Stadtkommandanten der alliierten Siegermächte als Viersektorenstadt gemeinsam verwaltet, während in den einzelnen Zonen die Macht getrennt ausgeübt wurde. Da Berlin Sitz des Alliierten Kontrollrates war, behielt das ehemalige Machtzentrum des Deutschen Reichs auch weiterhin eine Sonderstellung. Weitere wichtige Machtzentren waren Frankfurt am Main, Baden-Baden und Bad Oeynhausen sowie der Sitz des Internationalen Gerichtshofs in Nürnberg.

Besatzungszonen in Österreich

Wie Deutschland wurde auch Österreich in vier Besatzungszonen aufgeteilt. In der sowjetischen Besatzungszone lag mit Wien ebenfalls eine Viersektorenstadt, die von den Besatzungsmächten gemeinsam verwaltet wurde, in Form eines Alliierten Kontrollrates. Zum Mittelmeerhafen Triest bestand ein amerikanisch-britisch besetzter Korridor (Freistaat Triest), Teile des heute zu Slowenien bzw. Kroatien gehörenden Gebietes um Triest waren jugoslawisch besetzt. Hier änderte sich der Grenzverlauf als Folge des Zweiten Weltkriegs.

Verwaltungszonen

Durch das Potsdamer Abkommen wurden die Ostgebiete bis zur Oder-Neiße-Linie polnischer und das nördliche Ostpreußen sowjetischer Verwaltung unterstellt. Das Saarland erhielt politische Autonomie bei wirtschafts- und zollpolitischer Verflechtung mit Frankreich. Es blieb bis zur Wiederangliederung an Deutschland 1956 unter französischer Verwaltung, die Brückenstadt Kehl bei Straßburg bis 1953. Die Verwaltungszonen waren von Demarkationslinien begrenzt (Demarkationslinie: provisorisch für einen begrenzten Zeitraum vereinbarte Grenzlinie zwischen Staaten oder militärischen Gegnern).