Migration

Erde – Globalisierung

978-3-14-100782-4 | Seite 185 | Abb. 3 | Maßstab 1 : 140.000.000
Migration |  | Erde – Globalisierung | Karte 185/3

Informationen

Als Migranten werden Menschen bezeichnet, die ihr Land freiwillig oder unfreiwillig für mehr als ein Jahr verlassen. Die Gründe können Kriege, Verfolgungen und Hungersnöte, aber auch die Hoffnung auf ein besseres Leben sein. Nach Angaben der International Organization for Migration (IOM) gab es 2005 weltweit 191 Mio. Migranten, während es im Jahr 2000 noch 176 Mio. waren. Die Migranten machen damit mehr als 3 Prozent der Weltbevölkerung aus. Rund 30 bis 40 Mio. Migranten gelten als illegal. Daneben gibt es noch die Binnenflüchtlinge, die nicht ihr Land verlassen, sondern innerhalb seiner Grenzen vor Verfolgungen, Bürgerkriegen, Hungersnöten, Umweltzerstörungen oder wirtschaftlichen Krisen fliehen. Im Jahre 2006 gab es laut IOM etwa 24,5 Mio. Menschen, die zu dieser Gruppe zählten.
Nach Angaben des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR) wurden im Januar 2007 insgesamt 32 861 500 Asylsuchende oder Flüchtlinge vom UNHCR betreut. Etwa 14,9 Mio. von ihnen lebten in Asien, 9,8 Mio. in Afrika, 3,5 Mio. in Nordamerika, 3,4 Mio. in Europa, 1,1 Mio. in Lateinamerika und der Karibik und etwa 86 000 in Ozeanien.

Aufnahmeländer für Asylbewerber
In den letzten Jahren hat sich Südafrika zu einem der wichtigsten Aufnahmeländer entwickelt: Von 2002 bis 2006 wurden allein dort 205 000 Asylanträge gestellt. Laut UNHCR waren — bezogen auf Asylanträge im Jahr 2006 — folgende Länder die wichtigsten Aufnahmeländer: Südafrika (53 400), USA (50 800), Kenia (37 300), Frankreich (30 800), Großbritannien (27 800), Schweden (24 300), Kanada (22 900).
Insgesamt gehen die Asylbewerberzahlen in den reichen Industrieländern stark zurück. In Deutschland wurden im Jahr 2006 nur 21 029 neue Asylanträge gestellt; der niedrigste Stand seit 1977. Im gesamten EU-Gebiet wurden 2006 weniger als 200 000 Asylgesuche registriert: eine 50-prozentige Reduzierung innerhalb der letzten fünf Jahre. Die überwiegende Mehrheit der Flüchtlinge bleibt nach Angaben der UNHCR in Entwicklungsländern, darunter unter anderem die Flüchtlinge aus Afghanistan (2,9 Mio.), Kolumbien (2,5 Mio.), dem Irak (1,8 Mio.), dem Sudan (1,6 Mio.) und aus Somalia (839 000).

Fluchtgründe
Ursachen der Migration sind zum einen die zahlreichen Verfolgungssituationen: Verfolgung aus politischen, religiösen oder ethnischen Gründen bis hin zur existenziell bedrohlichen Unterdrückung von Frauen. Weitere Fluchtgründe sind Kriegs- und Bürgerkriegssituationen sowie Hungersnöte. Ein weiterer Grund, der immer wichtiger wird, ist die Umweltzerstörung, die ein Überleben in der betroffenen Region immer schwieriger macht.
Bei vielen Flüchtlingen aus Westafrika spielt hingegen die europäische Fischereipolitik eine zentrale Rolle. Die europäischen Fischereiflotten sind schon seit Jahren überdimensioniert, ebenso lange ist der gesamte Nordatlantik samt seiner Nebenmeere chronisch überfischt (vgl. 241. 3 und 4). Eines der wenigen Gewässer mit vergleichsweise stabilen Beständen war lange die Küste Mauretaniens, bis sich die EU im Jahre 2001 durch ein Abkommen die Fischereirechte sicherte. Seither werden die dortigen Bestände von hochmodernen Industriefischereibooten ausgebeutet. Da jedes dieser Schiffe nur Lizenzen für bestimmte Arten hat, gibt es in den Netzen der riesigen Trawler unvorstellbare Mengen an Meereslebewesen, die als Beifang sinnlos verenden, während einige Kilometer weiter die heimischen Fischer in ihren hölzernen Schaluppen immer weniger fangen; inzwischen reicht es nicht mal mehr, um ihre eigene Familie zu versorgen. Die jungen Menschen wollen unbedingt auswandern, und da es für sie keine legalen Möglichkeiten gibt, machen sie sich in Scharen auf dem Weg, um in kleinen Küstenbooten die rund 1000 Kilometer lange Strecke zu den Kanaren zu schaffen.
Menschen wie sie, die ihr Leben riskieren, um einer Situation der völligen finanziellen und wirtschaftlichen Perspektivlosigkeit zu entkommen, werden in den Industrienationen oft mit dem geringschätzigen Begriff des "Wirtschaftsflüchtlings" beschrieben. Der Flüchtling Bashige Michel beschrieb am Grenzzaun von Melilla (im Jahr 2005) dieses Motiv aus seiner Perspektive folgendermaßen: "Diese Mauer der Trennung, dieser Zaun, spiegelt die falsche Beziehung wider, in der die Rohstoffe, die vom Süden kommen und die Fertigprodukte des Nordens, unter anderem Waffen, sich bewegen können und die Menschen nicht. ... Können wir wirklich keine andere Welt schaffen, in der jede Person in Frieden leben kann? Verstehen Sie bitte, dass wir Opfer einer anhaltenden Verarmung sind, die vom Westen organisiert wird und häufig durch unsere eigenen Führer im Dienste der Multinationalen exekutiert wird."
J. Welkmann

Graphiken

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Wichtige Migrationsströme seit 1990

Wanderung einzelner Menschen oder von Menschen in Gruppen, die mit einem Wechsel des Wohnsitzes verbunden ist. Gründe für die Migration können die Suche nach einem Arbeitsplatz, aber auch die Flucht vor Hunger und Krieg sein.
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