Mexiko - Stadt 2008

Mittel- und Südamerika (Lateinamerika)

978-3-14-100770-1 | Seite 210 | Abb. 2 | Maßstab 1 : 500.000
Mexiko | Stadt 2008 | Mittel- und Südamerika (Lateinamerika) | Karte 210/2

Informationen

Der Naturraum des abflusslosen Hochtals von Mexiko, das von den benachbarten Hochtalungen Tula im Westen und Puebla im Osten flankiert wird, liegt in einer Höhe von etwas über 2200 Metern. Die umrahmenden vulkanischen Sierren erheben sich an der Ostflanke über 5000 Meter (Popocatépetl 5452 Meter, Iztaccíhuatl 5286 Meter), im Süden mit der Sierra del Ajusco bis knapp 4000 Meter und im Westen mit dem Apasco bis 3193 Meter.

Relief und Klima
Die Kessellage ist ein strukturelles Problem für die 20 Mio. Einwohner zählende Megastadt. Sie äußert sich bei zunehmender Bevölkerungs- und Industrieverdichtung in nicht ausreichender Ventilation: horizontal, indem die am Nordeingang des Hochtals freigesetzten Industrie-Emissionen mit der nordöstlichen Passatströmung in den Hochtalkessel hineingetrieben werden und nicht zurückfließen, vertikal, indem der so gerichtete Luftaustausch durch die nicht seltenen Inversionswetterlagen behindert oder gar unmöglich gemacht wird. Zur Zeit der Azteken war das kein Problem, aber im emissionsreichen Hauptstadtmilieu der Gegenwart — mit Wärmeinseln, Abgasen von Kraftfahrzeugen und Industrie, Fotosmog, Staub und Schmutzpartikeln in der Luft — wird dies schnell zu einem Inferno.
In klimatischer Hinsicht gilt für diese randtropisch gelegene Hochtalung ein jahreszeitlicher Wechsel von Regenzeiten im Sommer zwischen Mai und Mitte Oktober und Trockenzeiten in den Wintermonaten von Oktober bis Ende April. Niederschläge von durchschnittlich 710 Millimetern pro Jahr — bei extremer potentieller Verdunstung von bis zu 1400 Millimetern — ermöglichen unter normalen Bedingungen eine perennierende Wasserführung der Flüsse und einen Regenfeldbau ohne künstliche Bewässerung.
Von jeher galten die Lebensbedingungen in dieser Region als einladend: die ausgeglichenen Temperaturen, die trocken-klare Luft, der Wechsel von fruchtbaren Ackerebenen und bizarren, ja schneebedeckten Sierren, nicht zuletzt der meist sonnendurchflutete Himmel.

Bevölkerungsentwicklung und Ökologie
Die Stadtausdehnung war bis 1900 etwa identisch mit der eingezeichneten Innenstadt. Während der Conquista war die Einwohnerzahl zunächst drastisch zurückgegangen und hatte erst kurz vor 1900 den alten Wert von etwa 300 000 Einwohnern wieder erreicht. Die Verdoppelungszeiten bis 1990 dagegen lagen zeitweilig bei unter 15 Jahren.
Kleinste Einheit der Metropolregion ist die Ciudad de México, in der die Bevölkerung leicht zurückgeht. Es folgt der Distrito Federal, der Bundesdistrikt, der einen vergleichbaren Status wie ein deutsches Bundesland hat und in dem die Bevölkerung stagniert. Oberste Einheit ist die Metropolitanzone des Hochtals von Mexiko, die Teile der benachbarten Bundesstaaten einschließt.
In der Phase, in der die Stadt innerhalb weniger Jahre um 1 Mio. Einwohner wuchs, kam der größte Bevölkerungsgewinn durch Wanderungsbewegungen zustande; ein Phänomen, das auf alle Metropolen und Megastädte der Welt zutrifft. Einen hohen Anteil an diesen Wanderungsbewegungen hatte die marginalisierte Bevölkerung, die entweder am Stadtrand in "Ciudades Proletarias" wie der 3 Mio. Einwohner zählenden Stadt Nezahualcóyotl oder in "Ciudades Perdidas" ("verlorenen Städten") lebt, die über das ganze Stadtgebiet verteilt sind. In der Kartenlegende sind diese Gebiete als "Slums" ausgewiesen. Inzwischen hat sich die Trinkwasserversorgung zum vordringlichen Problem entwickelt. Dem natürlichen Zufluss von 20 bis 25 Kubikmetern pro Sekunde steht ein Verbrauch von mehr als 60 Kubikmetern pro Sekunde gegenüber. Dabei wird mehr als 50 Prozent des Wasserbedarfs dem metropolitanen "Naturraum" entnommen, während der Rest aus den Wassergewinnungsregionen der benachbarten Hochtäler zugeleitet wird. Daneben ist die Verbesserung der Luftqualität eines der brennenden Probleme der Hochtalzone. SO2, CO, CO2, NOx, O3 und Schwebestaub sind die Hauptschadstoffe. Die Maxima liegen bei den jeweiligen Emissionszentren: SO2 am Hochtaleingang, wo die Industrie verdichtet ist, CO2, CO und NOx über dem Stadtzentrum infolge des massierten Kfz-Verkehrs von mehr als 6 Mio. Fahrzeugen, O3 am Südrand der Stadt, an den er verfrachtet wird, weil die fotochemischen Reaktionen erst bei höherem Sonnenstand voll einsetzen. Inzwischen ist es gelungen, die extremen Überschreitungshäufigkeiten der jeweiligen Grenzwerte zu verringern.
Unter Präsident Zedillo wurden ökologische Gesichtspunkte ab 1994 stärker in die Entwicklungspolitik der Metropolitanzone einbezogen. Ein neues Umweltministerium wurde geschaffen, in dem die bis dahin zersplitterten umweltbezogenen Kompetenzen gebündelt wurden. Das sanierte Texcoco-Gebiet wurde dabei als ökologisch schützenswert klassifiziert und strikt von künftiger Besiedlung ausgenommen.
H.-J. Sander

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