Metallische Rohstoffe/Rohstoffabhängigkeit

Erde – Energierohstoffe/Rohstoffabhängigkeit

978-3-14-100782-4 | Seite 179 | Abb. 4 | Maßstab 1 : 140.000.000
Metallische Rohstoffe/Rohstoffabhängigkeit |  | Erde – Energierohstoffe/Rohstoffabhängigkeit | Karte 179/4

Informationen

Viele Industriestaaten sind in hohem Maße vom Import metallischer Rohstoffe aus Ländern mit einem wesentlich geringeren Industrialisierungsgrad abhängig. Über die Preise entscheiden die Konjunkturentwicklungen auf dem Weltmarkt. Während viele metallische Rohstoffe noch um die Jahrtausendwende so günstig waren wie niemals zuvor, schossen die Preise vor allem durch den starken wirtschaftlichen Aufschwung in China und Indien in den letzten fünf Jahren rasant in die Höhe. Ein Indikator für den Wirtschaftsboom dort sind die Zuwachsraten bei der Rohstahlerzeugung: Wurden in China 1999 rund 125 Mio. Tonnen produziert, waren es nur sechs Jahre später mehr als 350 Mio. Tonnen.
Weil die Stahlproduktion auch in den USA, in Europa und in einigen anderen ostasiatischen Ländern kräftig angezogen hat, wurde der Abbau von Eisenerzen in allen wichtigen Förderländern zwischen 2000 und 2005 stark intensiviert; die wichtigsten unter ihnen waren — mit ähnlich großen Fördermengen zwischen 277 und 262 Mio. t — Brasilien, die Volksrepublik China und Australien, gefolgt von Indien (138 Mio. t) und Russland (97 Mio. t). Da die Erze aus Übersee nicht nur qualitativ besser, sondern aufgrund der besseren Förderungsbedingungen auch wesentlich günstiger sind, haben viele ehemalige europäische Förderländer wie Deutschland, Frankreich und Großbritannien ihren Bergbau eingestellt.
Die Hauptabnehmerländer von Buntmetallen wie Kupfer, Blei, Zink und Zinn sind — in je unterschiedlicher Reihenfolge — die USA, China, Japan und Deutschland. Zinn, das bevorzugt als Rohstoff für die Herstellung von Getränkedosen und Verpackungen dient, wurde vor allem von den USA, Japan, Deutschland und China nachgefragt. Die wichtigsten Förderländer außer China waren Indonesien, Peru und Bolivien. Die gleiche Reihenfolge auf der Nachfrageseite gab es bei Blei, das bevorzugt bei der Autoproduktion und in der chemischen Industrie verwendet wird. Die wichtigsten Vorkommen außerhalb Chinas liegen in Australien, den USA, Peru und Mexiko.
Sprunghafte Zuwachsraten verzeichnete die Nachfrage nach Kupfer, vor allem für die Elektro-, Elektronik- und Telekommunikationsindustrie. Die mit Abstand größten Vorkommen finden sich in Chile, das 2005 mit einer Förderung von 5,3 Mio. Tonnen rund ein Viertel seiner Exporterlöse erwirtschaftete; auf den Plätzen zwei bis fünf folgten mit großem Abstand die USA (1,2 Mio. Tonnen), Peru, Indonesien und Australien. Die Reichweite der Vorräte wird auf rund 80 Jahre geschätzt, allerdings ist die Entwicklung der Nachfrage ungewiss, da Kupfer zunehmend durch andere Metalle, Glasfaser und Kunststoffe ersetzt wird.
Bei Zink, das vor allem für galvanisierte Stahlprodukte verwendet wird, hat sich China an die Spitze der Abnehmerländer gesetzt. Die Nachfrage nach Zink hat in den letzten Jahren so stark zugenommen, dass die Produktion den Bedarf kaum noch decken konnte und die Preise innerhalb weniger Jahre um 80 Prozent stiegen. Wichtigste Erzeugerländer waren 2005 China, Australien, Peru, die USA und Kanada.
Beim Abbau und Handel mit Gold hat sich die Situation auf dem Weltmarkt stark verändert. Südafrika konnte 2005 zwar seine langjährige Spitzenposition auf dem Weltmarkt behaupten, aber nur knapp: Während das Land in den 1970er-Jahren noch zu etwa 75 Prozent an der Weltförderung beteiligt war, sank sein Anteil auf vergleichsweise bescheidene 12 Prozent. Mit einer Förderung von 295 Tonnen lag es 2005 nur noch knapp vor Australien (262 Tonnen), den USA (250 Tonnen) und China (224 Tonnen). Gründe für diesen Bedeutungsschwund Südafrikas sind zum einen die Erschöpfung der Vorkommen, die den Abbau immer zeitintensiver und teurer machen, zum anderen die Entdeckung neuer Vorkommen in Peru, Zentral- und Ostasien, Indonesien und Brasilien. In Peru, Mexiko, Australien, China und den USA finden sich auch die bedeutendsten Vorkommen von Silber, das allerdings an Bedeutung verloren hat, vor allem in der Fotoindustrie, wo es vor dem Aufschwung der Digitaltechnik in großen Mengen für die Herstellung von Silberhalogeniden verwendet wurde. 2005 stammten bereits rund zwei Drittel des gehandelten Silbers aus dem Recycling, z. B. von Münzen und elektronischen Geräten.
Besonders reich an Leichtmetallen ist Australien, ansonsten sind die Vorkommen weit gestreut; Titan beispielsweise wird außerdem in Südafrika, Nordamerika, Europa und Asien abgebaut. Bauxit, ein wichtiger Rohstoff für die Aluminiumherstellung, wird außer in Australien und China auch in weniger reichen Ländern wie Guinea, Jamaika und Surinam gefördert, in denen die Ausfuhr von Bauxit oder dem Zwischenprodukt Tonerde teilweise zu mehr als zwei Dritteln zu den Exporterlösen beiträgt.
K. Lückemeier

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Rohstoffexporte aus der Dritten Welt

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