Menschen besiedeln die Erde

Geschichte - Ur- und Frühgeschichte

978-3-14-100390-1 | Seite 192 | Abb. 1
 | Menschen besiedeln die Erde | Geschichte - Ur- und Frühgeschichte | Karte 192/1

Die natürliche Vegetation vor 18 000 Jahren

Das weite Vordringen von Inlandeis und Gletschern in Richtung des Äquators während der letzten Eiszeit (Wurm-/Weichseleiszeit) hatte eine vollständige Veränderung und Verschiebung der Vegetationsgürtel zur Folge. In der Nähe des Eises herrschte eine fast vegetationsfreie Tundra, die dann in eine Vegetation mit Zwergweiden, Zwergbirken, Kräutern und kleinen Sträuchern überging. Davon war ganz Mitteleuropa überzogen. Dichte, zusammenhängende Waldgebiete fehlten in Europa und waren einer lichten Waldsteppe aus Nadel- und Laubgehölzen gewichen, die bis Nordafrika reichte. Kleine Waldinseln konnten sich nur in geschützten, feuchten Talauen halten. Der sich nach Süden anschließende, sehr trockene Saharagürtel reichte 300–400 km weiter südwärts als heute und ging in eine Trockensavanne über. Die tropischen Regenwälder waren auf die niedrigeren Teile weniger Gebirge beschränkt. In Nordamerika und Sibirien schlossen sich an die Tundra lichte boreale Nadelwälder an, die oft mehr als 1600 km weiter südlich als heute lagen. Die Steppengebiete Asiens enthielten in den Gebirgen auch lichte Bestände von Lärchen, Birken und Kiefern. Richtig dichte Laubwälder gab es nur im Südosten Chinas. In eisnahen Gebieten kam es in Beckenlagen, z. B. beim Great Salt Lake (Utah, USA), wegen der herabgesetzten Verdunstung zur Bildung großer Seen, wogegen in den tropischen Gebieten wegen der großen Trockenheit heute vorhandene Seen wesentlich kleiner oder ganz ausgetrocknet waren.

„Out of Africa“-Theorie

Die Entwicklung des Menschen war ein über Millionen Jahre andauernder Prozess. Funde von Vormenschen (Australopithecus) sind nur aus Ostafrika bekannt. Funde von Frühmenschen (Homo erectus), die bereits Werkzeuge einsetzten, sind dagegen aus Europa, Ostafrika, Ostasien und Java bekannt. Strittig ist, wie diese Funde zusammenhängen. Die meisten Forscher nehmen an, dass der Homo erectus der erste „Auswanderer“ von Afrika nach Java war. Der Altmensch (Homo neanderthalensis) konnte auch in kühleren Regionen leben und wurde an zahlreichen Stellen in Europa und Vorderasien gefunden. Seine Zeit endete vor etwa 27 000 Jahren. Der Jetztmensch (Homo sapiens sapiens) ist der einzige Überlebende der Gattung. Älteste Funde stammen aus der Eem-Warmzeit (vor 180 000 bis 115 000 Jahren). Für den Beginn der Würm-/Weichseleiszeit belegen Fundstätten das Auftreten des Homo sapiens sapiens in Afrika und in Kleinasien. Von dort aus besiedelte er, trotz eher ungünstiger natürlicher Bedingungen, Europa. Die Alter der beiden dort angegebenen Funde (33 000 und 25 000 Jahre) verweisen auf eine der wärmeren Zwischenperioden der Würm-/Weichseleiszeit. Während der Würm-/Weichseleiszeit entstanden in flachen Meeresteilen breite Landbrücken. Sie ermöglichten unseren Vorfahren, von Kleinasien aus über die Sundainseln bis nach Südaustralien (Vorfahren der Aborigines) und über die Archipele des südlichen Pazifik sogar bis nach Polynesien vorzudringen. Von dort gelangten sie mit einfachen Booten nach Hawaii und nach Neuseeland (Maoris). Als letzter Kontinent wurde Amerika von Nordasien aus besiedelt. Vor 18 000 Jahren war der Weg durch das heutige Kanada noch vom Inlandeis versperrt. Vor etwa 14 000 Jahren hatte sich dann zwischen den Gletschern in den Rocky Mountains und einem riesigen Eisschild über Nordostamerika der eisfreie, sogenannte Mackenzie-Korridor geöffnet, durch den die Menschen in Richtung Süden zogen, wahrscheinlich auf den Spuren wandernder Tierherden.

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