Mekka - Pilgerstadt

Naher und Mittlerer Osten - Siedlungsentwicklung

978-3-14-100800-5 | Seite 180 | Abb. 4 | Maßstab 1 : 150.000
Mekka | Pilgerstadt | Naher und Mittlerer Osten - Siedlungsentwicklung | Karte 180/4

Überblick

Als Heimatstadt des Propheten des Islams, Mohammed Ibn Abdallah Ibn Hashim, und als Stätte der beiden bedeutendsten muslimischen Heiligtümer – der Kaaba und dem sie umgebenden Al-Haram ash-Sharif – ist Mekka das Zentrum des muslimischen Glaubens und Ziel der für jeden Muslim obligatorischen großen Pilgerfahrt Hadsch (Hadsch, Hajj).

Um Mekka herum besteht ein 544 Quadratkilometer großer Heiliger Bezirk (Haram), der von Nicht-Muslimen nicht betreten werden darf. Auch Pilger dürfen den Heiligen Bezirk nur im Weihezustand betreten. Die Vorbereitung auf die eigentliche Pilgerfahrt und der Eintritt in den Weihezustand erfolgen an genau festgelegten Orten außerhalb des Heiligen Bezirks (s. Karte), zum Beispiel ist dies für Pilger aus dem Jemen der Berg Yalamlam 120 Kilometer südlich von Mekka.

Mohammed und Mekka

Um 570 n. Chr. in Mekka geboren, wuchs der jung verwaiste Mohammed bei seinem Onkel Abu Talib auf. Er lebte zunächst als erfolgreicher Händler, bis ihm schließlich im Alter von rund 40 Jahren zum ersten Mal der Erzengel Gabriel erschien und das Wort Gottes übermittelte. Von da an wurden ihm bis zu seinem Tod 632 n. Chr. immer wieder Offenbarungen zuteil, die ihn zum Propheten und Begründer des Islams werden ließen. Seine Botschaften von dem „Einen Gott“ (arabisch: „Allah“) standen jedoch in krassem Widerspruch zur damaligen Zeit, denn in Mekka und anderswo wurde noch immer die Verehrung hunderter von Götzenbildern praktiziert.

Die Auseinandersetzungen zwischen seinen Anhängern und den führenden Schichten Mekkas zwangen Mohammed, seine Heimatstadt 622 n. Chr. zu verlassen, um Zuflucht im nahe gelegenen Yathrib (heute Medina, arab. al-madina al-munawwarah) zu suchen. (Mit dem Tag von Mohammeds Auswanderung (arab.: Hijra) beginnt der islamische Mondkalender mit seinen 354 bzw. 355 Tagen.) Erst 628 n. Chr. konnte Mohammed mithilfe seiner neu gewonnenen Anhänger Mekka weitgehend widerstandslos erobern, die Kaaba von ihren Götzenbildern befreien und den Islam endgültig in seiner Heimatstadt durchsetzen.

Die von Mohammed gestiftete Religion beruht im Wesentlichen auf fünf Säulen (arab.: Arkan) oder Pflichten, die jeder Gläubige zu erfüllen hat. Zu ihnen gehören das Glaubensbekenntnis Shahada („Es gibt keinen Gott außer Gott, und Mohammed ist der Gesandte Gottes“), das fünfmalige tägliche Gebet (Salah), die Almosensteuer Zakat, das tägliche Fasten während des Monats Ramadan sowie die Pilgerfahrt Hadsch zu den heiligen Stätten des Islam in Mekka. Letztere wird als Höhepunkt im Leben eines Muslims angesehen, wobei ihre Durchführung von der jeweiligen finanziellen und gesundheitlichen Situation abhängt.

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Die Haram-Moschee

Der sogenannte Al-Haram ash-Sharif, der Heilige Bezirk, in dem jeglicher Gewaltakt verboten ist, war bis zur Mitte des 7. Jahrhunderts eine Freifläche um die Kaaba. Seit dieser Zeit wurde er jedoch ständig erweitert, um der rapide anwachsenden Zahl an Pilgern eine größere Gebets- und Andachtsfläche zu bieten. Die erste dieser Vergrößerungen fand zur Zeit des zweiten Kalifens Omar Ibn al-Khattab (634–644 n. Chr.) statt, der auch eine mannshohe Begrenzungsmauer errichten ließ.

Die Haram-Moschee (357 000 m2 groß) bietet gegenwärtig Platz für 820 000 Menschen. Erweiterungen sind im Bau, sodass in Zukunft Platz für 1,2 Millionen Gläubige ist.

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Die Pilgerstadt Mekka

Die Millionenstadt Mekka liegt im Westen Saudi-Arabiens nahe dem Roten Meer. Die enorme, in den vergangenen Jahren ständig gestiegene Anzahl von Pilgern ist eine große logistische und administrative Herausforderung für die saudischen Behörden. Abgesehen vom Platzmangel, bedingt vor allem durch die schroffe Morphologie des Hijaz-Gebirges, ist es vor allem die Infrastruktur (Unterkünfte, Verpflegungseinrichtungen, Wasserversorgung, Transportmittel für die An- und Abreise), die dem Pilgerstrom Grenzen setzt.

Von den 2,8 Millionen Pilgern des Jahres 2012 stammte der weitaus größte Teil aus Saudi-Arabien, es folgten Indonesien, Pakistan, Indien und die Türkei (s. Diagramm im Atlas). Zusammen mit den Pilgern, die außerhalb der Hadsch-Zeit nach Mekka reisen (kleine Pilgerfahrt), machten sie rund die Hälfte aller ausländischen Besucher Saudi-Arabiens aus. Aus dem religiösen Pilgertourismus resultierten 2013 nach offiziellen Angaben Einnahmen von rund 14 Mrd. US-Dollar. Im Großraum Mekka ist der Pilgertourismus wichtigster Wirtschaftsfaktor.

Lebten 1974 etwa 367 000 Menschen in der Stadt, waren es 2004 bereits 1,3 Millionen und 2010 rund 1,5 Millionen Menschen. Das Bevölkerungswachstum, die enormen Besucherzahlen und die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus haben entscheidenden Einfluss auf die Stadtentwicklung. Die Infrastruktur (Verkehr, Krankenhäuser, Wasser- und Stromversorgung), die Dienstleistungseinrichtungen und die Wohnquartiere müssen ständig ausgebaut und erweitert werden. Die Stadt wächst seit Jahren, vor allem in Richtung Süden (s. Karte). Die Stadt und ihr Umland werden von einem dichten Autobahnnetz erschlossen, in der Nähe der zentralen Pilgerorte bestehen ausgedehnte Parkflächen.

Es ist anzumerken, dass die jüngsten Erweiterungen des Heiligen Bezirks (Haram) immer auch auf Kosten der umliegenden historischen Bauten stattfanden. Die jüngsten Hotelneubauten im unmittelbaren Umfeld der Moschee sowie der geplante Umbau der Innenstadt von Mekka sind innerhalb der islamischen Welt stark umstritten.

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Kaaba und Schwarzer Stein

Im Zentrum Mekkas liegt die Haram-Moschee (s. Teilkarte) mit der Kabba. Der muslimischen Überlieferung zufolge soll bereits Abraham (arab.: Ibrahim) zusammen mit seinem älteren Sohn Ismail, dem Stammvater der Araber, auf Gottes Anweisung hin die Kaaba erbaut haben. Dies ist ein rund 15 Meter hoher, quadratischer Steinbau um den heiligen Schwarzen Stein, der seinerseits paradiesischen Ursprungs sein soll. Der Stein hat einen Durchmesser von 30 Zentimetern, befindet sich in der Ostwand der Kaaba und ist eingefasst von einem massiven silbernen Saum. Er wird von allen Pilgern verehrt; manche versuchen sogar, ihn zu küssen. Der Schwarze Stein markiert den Startpunkt der rituellen Umrundung der Kaaba, die es bereits in vorislamischer Zeit gab.

Die Kaaba selbst ist mit einem schwarzen Seidentuch (arab.: Kiswah) bedeckt, dessen Farbe die jeweils aktuelle Herrscherdynastie in Arabien repräsentiert. So war es unter den Fatimiden weiß, unter den Ayyubiden grün und unter den Mameluken schwarz. Das Innere der Kaaba ist mit weißem Marmor ausgelegt und nur durch eine rund drei Meter hohe, aus reinem Gold gefertigte Tür erreichbar, die sich allerdings in einer Höhe von 2,5 Metern über dem Erdboden befindet.

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Stationen der Gläubigen

Abgesehen von den mehr als eine Milliarde Muslimen, die täglich in Richtung Mekka (arab.: Qibla) beten, pilgern jährlich rund drei Millionen Muslime aus aller Welt zwischen dem dritten und dreizehnten Tag des islamischen Monats Thu al-Hijjah, dem elften Monat des islamischen Mondkalenders, zu den heiligen Stätten des Islams in Mekka. Während diese große Pilgerfahrt (Hadsch) nur während des angegebenen Zeitraums stattfinden kann, sind kleine Pilgerfahrten (’Umra) während des ganzen restlichen Jahrs möglich.

Die Pilgerrituale während der großen Pilgerfahrt folgen einem festgelegten Ablauf. Nach der Anreise zwischen dem dritten und siebten Thu al-Hijjah beginnen am achten Tag die Pilgerrituale mit dem Ihram, einem Weihezustand, der unter anderem durch das sich Kleiden in ein ungesäumtes weißes Tuch sowie durch Unterlassen von Haare- und Nägelschneiden, Rasieren und Geschlechtsverkehr erreicht wird. Anschließend beginnt die siebenmalige Umrundung (arab.: Tawaf) der Kaaba, gefolgt vom gemeinsamen abendlichen Marsch zur Ebene von Mina, wo ein riesiges Nachtlager für die Pilgerschar bereitsteht. Am neunten Tag ziehen die Pilger weiter in Richtung des Hügels Arafat, den „Berg der Gnade“ (arab.: Jabal al-Rahmah), den sie besteigen, um Gott um Vergebung zu bitten. Nach Sonnenuntergang kehren sie für gemeinsame Abend- und Nachtgebete nach Muzdalifah zurück. Am zehnten Tag steinigen die Pilger Satan an den drei Teufelssäulen (arab.: Djamarat) in Mina und feiern daraufhin gemeinsam im Andenken an die Opfergeschichte Abrahams das Opferfest (arab.: ’id al-Adha). Anschließend wird der Ihram durch Rasur teilweise aufgehoben und die Kaaba erneut siebenmal umrundet. Mit der Wiederholung des Steinigungsrituals am elften und zwölften Thu al-Hijjah und einer letzten Umrundung der Kaaba ist der vorgeschriebene Pflichtteil des Hadsch beendet; die Pilger können ihre Heimreise antreten.

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