Mecklenburg-Vorpommern - Die Ostseeküste zur Hansezeit

Mecklenburg-Vorpommern - Geschichte

978-3-14-100381-9 | Seite 26 | Abb. 1
Mecklenburg-Vorpommern | Die Ostseeküste zur Hansezeit | Mecklenburg-Vorpommern - Geschichte | Karte 26/1

Überblick

Die Hanse war eine Gemeinschaft deutscher Kaufleute und Kaufmannsstädte zwischen dem 12. und 16. Jahrhundert. Ihre Geschichte beginnt mit der Privilegierung deutscher Kaufmannschaften im Ausland. So wurde ihnen Zollfreiheit und Rechtsschutz garantiert. Speziell in London, in Visby auf Gotland, in Nowgorod, auf Schonen, in Bergen und Brügge genossen sie Handelsvorteile. Vorort der Hanse und Gastgeber der lange Zeit jährlich einberufenen Hanse-Tage war in der Regel Lübeck. Die Hanse war eine lockere Gemeinschaft von 70 aktiven und etwa 130 weiteren Städten. Sie erhandelte für ihre Mitglieder Privilegien, schützte vor Piraten und führte sogar Kriege.

Handel, Transport und Routen

Die Hansekaufleute konnten sich gegenüber skandinavischen Konkurrenten gut behaupten. Dies lag weniger an dem von ihnen verwendeten Schiffstyp der Hansekogge. Vielmehr existierte ein besonderes Konzept: Die Hanse beschränkte sich nicht auf die kaufmännischen Handelsgeschäfte, sondern spezialisierte sich auch auf das Transportgeschäft auf See. Dabei nutzten der Hanse ihre privilegierten Kontore (Niederlassungen). Haupthandelsachsen waren Mitte des 14. Jahrhunderts Nord- und Ostsee in Ost-West-Richtung: Nowgorod–Reval–Riga–Danzig–Lübeck–Hamburg, außerdem Stockholm–Lübeck.

Das Ende der Hanse

Die Hanse wurde ab dem 14. Jahrhundert zunehmend in Kämpfe mit skandinavischen Herrschern verwickelt. Wirtschaftliche Rivalitäten und fehlende politische Energie verhinderten eine dauerhafte Bindung der Städte untereinander. Die wachsende Macht der Fürsten, die Konkurrenz der Fugger und Welser sowie die Verlagerung des Fernhandels nach Übersee bedeuteten das Ende der Hanse.

Wendischer Städtebund

Die Städte der südwestlichen Ostsee gehörten innerhalb der Hanse zum Wendischen Städtebund. 1293 hatten sich Stralsund, Lübeck, Wismar, Rostock und Greifswald zu einem Schutzbündnis zusammengeschlossen. Der Fernhandel war für diese Städte die wichtigste Einnahmequelle. Obwohl fremde Erzeugnisse den weitaus größten Teil des Handelsvolumens ausmachten, fehlte es nicht an Produkten aus den Hansestädten selbst oder deren Hinterland. Als Massengüter wurden Lüneburger Salz und Getreide aus Mecklenburg sowie den Gebieten an der Mittelelbe exportiert. Die lokale Wirtschaft wurde außerdem dominiert von der Bierherstellung und dem -export mit eigenem Hopfenanbau im Umland. Auch die Böttcherei (Fassbinderei) und Wollweberei stellten hochwertige Erzeugnisse her. Die Böttchereiprodukte (etwa Holzfässer) aus Wismar und Rostock waren die besten im Ostseebereich.