Mailand - Innenstadt

Italien – Wirtschaft und Bevölkerung

978-3-14-100782-4 | Seite 56 | Abb. 3
Mailand | Innenstadt | Italien – Wirtschaft und Bevölkerung | Karte 56/3

Informationen


Italien hat zwei Millionenstädte. Hinter Rom mit 2,7 Mio. Einwohnern liegt Mailand mit 1,3 Mio. Menschen auf dem zweiten Platz. Mit jeweils über 900 000 Einwohnern folgen Neapel und Turin auf den Rängen drei und vier. Bei den Metropolregionen liegt Mailand (8 Mio.) jedoch vor Neapel (5 Mio.), Rom (4,3 Mio.) und Venedig-Padua-Verona (3,3 Mio.) auf Platz eins. Dies unterstreicht die wirtschaftliche Bedeutung, die die Hauptstadt der Region Lombardei für Italien hat. Mailand ist die führende Messe- und Finanzmetropole des Landes und zieht internationale Investoren wie Geschäftsreisende und Touristen gleichermaßen an.

Stadtgeschichte
In der Innenstadt zeigen sich zwei konzentrische Ringe, die auf die ehemaligen Ausdehnungen Mailands verweisen. Die erste römische Stadtmauer entstand nach 49 v. Chr., nachdem Mailand zum „municipium civium romanorum“ erhoben worden war. Da Mailand 286 n. Chr. Hauptstadt des weströmischen Reiches wurde, erweiterte man die Mauer. Mitte des 12. Jahrhunderts begannen die Arbeiten an der mittelalterlichen Stadtbefestigung aus Mauer und Graben, die nach der Einnahme durch Friedrich Barbarossa 1162 verstärkt wurde. Die Fläche der so umschlossenen Stadt war nur unwesentlich größer als zu römischer Zeit. Sie entsprach der Ausdehnung des in der Karte dunkelbraun markierten zentralen Hauptgeschäftszentrums. Ab dem 12. Jahrhundert entstanden erste Kanäle (Navigli), die als Transportwege genutzt wurden. Im Südwesten der Karte finden sich noch der Naviglio Grande und der Naviglio Pavese.
1535 geriet Mailand unter spanische Herrschaft. Es entstand eine Bastionsbefestigung, die den neuen militärischen Anforderungen entsprach und 1560 fertiggestellt war. Auch wenn die Befestigungsanlagen im Laufe der Jahrhunderte ihre Bedeutung verloren, markierten sie über drei Jahrhunderte die Stadtgrenze, deren Verlauf an der Ringstraße zu erkennen ist, die im Süden durch die Piazza XXIV Maggio verläuft. Schließlich behinderte die Mauer das weitere Wachstum und die Erweiterung Mailands nach Gesichtspunkten der damals modernen Verkehrsinfrastruktur. 1895 begann man damit, die Mauer abzureißen.
Aus dem Jahr 1864 stammte der Vorgängerbau des heutigen Hauptbahnhofs. In die Gründerzeit um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert fällt auch der Stadtausbau mit breiten Ringstraßen und repräsentativen Plätzen wie der Piazza Carbonari im Norden des Kartenausschnitts.

Funktionale Struktur Rund ein Zehntel der italienischen Wirtschaftsleistung wird in Mailand erbracht. Viele bedeutende Unternehmen haben dort ihren Sitz. Mailand ist ein Zentrum hochrangiger Dienstleistungen, was sich im Stadtbild niederschlägt. Eine Konzentration von Einrichtungen des quartären Sektors findet sich im zentralen Citybereich, eine weitere südwestlich des Hauptbahnhofs. Die Mailänder Börse gehört zu den größten Börsen Europas und befindet sich mitten im historischen Zentrum.
Etwas außerhalb im Nordwesten, aber immer noch zentral, liegt Mailands Messegelände „Fiera Milano City“. Anlässlich der Weltausstellung 2015 wird das Gelände erneuert und erweitert, sodass es noch näher an die City heranrücken wird.
Über die wirtschaftliche Bedeutung hinaus hat Mailand einen hohen Stellenwert als politisches Zentrum mit vielen Verwaltungsfunktionen. Auf der Karte sind u. a. der Palazzo di Guistizia (Justizpalast) und der Palazzo del Senato (Sitz des Staatsarchivs) zu finden. Über das Gebiet der Innenstadt verstreut liegen ebenfalls zahlreiche Bildungseinrichtungen wie die Universität, das Politechnikum und die Poliklinik am Südostrand der Altstadt.
Aus den kulturellen Einrichtungen und Sehenswürdigkeiten ragt der 1572 geweihte Dom heraus, der zu den größten Kirchen der Welt zählt. Für Kulturtouristen besonders interessant ist die Dominikanerkirche Santa Maria delle Grazie am westlichen Rand der Altstadt, die mit Leonardo da Vincis Wandgemälde „Das letzte Abendmahl“ zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört.

Dietmar Falk