München und Alpenvorland - Einführung in die Wirtschaftskarte

Deutschland - Wirtschaft

978-3-14-100870-8 | Seite 89 | Abb. 2 | Maßstab 1 : 500.000
München und Alpenvorland | Einführung in die Wirtschaftskarte | Deutschland - Wirtschaft | Karte 89/2

Überblick

Die vielfältigen Wirtschaftsunternehmen einer Region werden in fünf Hauptgruppen - Bodennutzung (mit der Landwirtschaft), Industrie, Energie, Dienstleistung und Tourismus - untergliedert, um wesentliche Aussagen über ihre räumliche Verteilung zu treffen. Jeder dieser Hauptsektoren ist wiederum in eine unterschiedliche Zahl von Wirtschaftszweigen (siehe: Kartenzeichen) aufgespalten.

Einige Kartenzeichen sind selbsterklärend: Betriebe des Maschinenbaus werden durch ein Zahnrad symbolisiert, Brauereien durch ein Glas Bier. Weniger eindeutige Zeichen lassen sich mithilfe der Legende entschlüsseln. Einige Symbole werden durch Fotos erklärt und anschaulich gemacht.

Generalisierungen sind auch in Wirtschaftskarten unumgänglich. Sie betreffen den Maßstab und die Menge der Kartenzeichen, aber auch die exakte Lage: München ist zum Beispiel Standort von Verwaltungen und Finanzdienstleistern. Wo sich die jeweiligen Einrichtungen genau befinden, lässt sich nicht darstellen. Anders verhält es sich bei Standorten im Umland, beispielsweise der Chemischen Industrie in Geretsried im Süden von München, hinter der sich vorrangig das Familienunternehmen Rudolf Chemie verbirgt.

München und das Alpenvorland

Das Umland von München wird durch ausgedehnte Wald-, Dauergrünland- und Ackerlandflächen geprägt (Abfolge in der Karte von Süden nach Norden). Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich das einst primär durch Agrar-, Tourismus- und Naherholungsfunktionen geprägte Alpenvorland zu einer multifunktionalen Raumeinheit. Neben Einrichtungen mit Versorgungsfunktionen - etwa zur Energiegewinnung - schoben sich im Laufe der Zeit auch die Industrieansiedlungen immer weiter nach Süden in Richtung Alpen vor. Dies galt in den letzten Jahrzehnten vor allem auch für Unternehmen aus innovativen Hightechbranchen wie der Luft-, Raumfahrt- und Elektronikindus-trie und aus dem Informations- und Kommunika-tionssektor, die sich in großer Zahl in Südbayern angesiedelt haben. Die Region München ist zudem bedeutendes Zentrum des Fahrzeug- und Luftfahrzeugbaus sowie der Rüstungsindustrie.

München ist mit derzeit rund 1,4 Mio. Einwohnern die drittgrößte Stadt in Deutschland nach Berlin und Hamburg. Die Wirtschaft in der Metropolregion zeichnet sich durch eine große Branchenvielfalt aus. Innerhalb der Stadtgrenzen der bayerischen Landeshauptstadt haben sich zahlreiche Hauptsitze und Niederlassungen nationaler und internationaler Konzerne angesiedelt. Durch Unternehmen wie Siemens, BMW und Airbus Group (Nachfolgekonzern von EADS) und eine Vielzahl von Versicherungsgesellschaften und Banken ist in München eine Wirtschaftskraft konzentriert, wie man sie in kaum einer anderen deutschen Großstadt findet. Neben einigen Großunternehmen gibt es auch viele kleinere und mittlere Unternehmen.

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Zum Dienstleistungssektor

Im sehr dynamischen tertiären Sektor behauptet München unter den deutschen Großstädten nach wie vor einen Spitzenplatz. Das Wachstum der Beschäftigtenzahlen in der Region seit 2008 ist fast ausschließlich auf diesen Bereich zurückzuführen. Der Dienstleistungssektor ist besonders heterogen, weil er sich aus so unterschiedlichen Bereichen wie Handel und Verkehr, Information und Kommunikation, Finanz- und Versicherungsdienstleistungen, Gastgewerbe, unternehmensnahen Dienstleistungen, Grundstücks- und Wohnungswesen, Erziehung und Unterricht sowie Gesundheit und Soziales zusammensetzt. Zu den bedeutenden Zweigen im Großraum München zählen die Immobilienwirtschaft, die Beratungsbranche (Rechts- und Steuerberatung, Wirtschaftsprüfung, Unternehmensberatung) sowie die Finanzwirtschaft. Als Standort hochrangiger unternehmens- und produktionsbezogener Dienstleistungen ist die Landeshauptstadt besonders stark mit der Industrie der Region verflochten.

Ergänzt wird die Spitzenstellung Münchens noch durch einen bedeutenden Messestandort sowie durch die Ansiedlung internationaler Behörden (zum Beispiel Europäisches Patentamt). Aufgrund der Funktion als Oberzentrum bzw. Landeshauptstadt besitzt München zahlreiche bayerische Verwaltungseinrichtungen, die sowohl größter Arbeitgeber als auch wichtiger Auftraggeber für Unternehmen sind.

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Naherholungsraum

Naherholungsaktivitäten sind zeitlich besonders stark auf das Wochenende konzentriert. Der damit verbundene Naherholungsverkehr erreicht sein größtes Volumen zwischen den großstädtischen Verdichtungsräumen und den nahe gelegenen Erholungsgebieten (für München das Seengebiet um Starnberger See, Ammersee, Wörthsee und Pilsensee sowie die großen Forste im Süden). Aufgrund der guten Erreichbarkeit und der Attraktivität der Alpen bzw. des Alpenvorlands liegt der Schwerpunkt bei den Nahverkehrszielen im südlichen Umland der Stadt.

Fast die gesamte oberbayerische Bevölkerung beteiligt sich am Ausflugsverkehr, der im Alpenvorland stärker ausgeprägt ist als in den meisten anderen Regionen in Deutschland. Im Winter spielen hierbei Skigebiete in den Alpen eine große Rolle. Die Freizeitinfrastruktur ist mit Golfplätzen, Skigebieten und Badeseen gut ausgebaut, was allerdings in der Hochsaison an stark frequentierten Ausflugszielen zu Flächennutzungskonflikten führt. Die Naherholung verursacht Umweltbelastungen, vor allem durch den Autoverkehr, den Flächenbedarf für Freizeiteinrichtungen und das Aufkommen an Müll.

Nach den Plänen der Stadt München soll der unmittelbar um die bayerische Landeshauptstadt gelegene Grüngürtel in Zukunft vor weiterer Bebauung geschützt, qualitativ aufgewertet und in ein stadtübergreifendes Landschaftskonzept eingebunden werden. Ein wesentliches Ziel des Münchener Grüngürtel-Projektes ist es, einen Ausgleich zwischen landwirtschaftlicher Nutzung, Erholung und Naturschutz zu erzielen und wertvolle Lebensräume für Tiere und Pflanzen durch die Schaffung stadteigener Biotop-entwicklungsflächen stärker zu schützen. Inzwischen sind zahlreiche Landwirte in das Projekt eingebunden, die ihre Produkte aus dem Grüngürtel direkt vermarkten.

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Forschung und Verkehr

Der Wirtschaftsraum Südbayern weist eine ungewöhnlich hohe Dichte und ein breites Spektrum an Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen auf. Neben den fünf Universitäten - der Technischen Universität München, der Ludwigs-Maximilians-Universität in München, der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, der Universität Augsburg und der Universität der Bundeswehr in Neubiberg - gibt es in der Region eine ganze Reihe weiterer Hochschulen und Akademien, die Hauptsitze und mehrere Institute der Max-Planck-Gesellschaft und der Fraunhofer-Gesellschaft sowie zahlreiche technologie- und wissensorientierte Unternehmen. Die Forschungs- und Innovationsstandorte sind in der Metropolregion weitflächig gestreut, der räumliche Schwerpunkt ist aber München.

Durch Autobahnen, Bundesstraßen, ICE-Verbindungen, einen modernen Rangier- und Umschlagbahnhof und die neue moderne Messe auf dem alten Flughafenareal in Riem ist München zu einer wichtigen Drehscheibe für die wachsenden Märkte im Osten und Südosten Europas geworden. Zahlreiche Bahnlinien verknüpfen die Orte und Städte in der Metropolregion und sorgen so für schnelle Anbindungen an das europäische Schienennetz. Der neue Münchner Flughafen im Nordosten der Stadt ist nach Passagierzahlen der zweitgrößte Deutschlands und zugleich einer der größten in Europa. Durch sein überdurchschnittliches Wachstum bei der Anzahl der Reisenden und den Flugbewegungen hat er eine enorme Bedeutung für die bayerische Wirtschaft.

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Zur Verlagerung von Unternehmensstandorten ins Umland

Den Münchener Raum kennzeichnen in den letzten Jahrzehnten räumliche Verlagerungsprozesse von Unternehmen, wobei zwei Teilprozesse zu unterscheiden sind: Zum einen handelt es sich um eine Wanderung von der Innenstadt zum Stadtrand. Eine Untersuchung von Verlagerungsfällen im Münchener Westen hat gezeigt, dass bei kleinräumigen Verlagerungen vom Zentrum zum Stadtrand große Teile der Belegschaft mit an den neuen Standort wechselten. Begünstigt wird diese Tendenz durch das gut ausgebaute Nahverkehrsnetz.

Andererseits haben in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Betriebe das Stadtgebiet ganz verlassen, um sich im stadtnahen Umland oder in der Region neu anzusiedeln. Gerade die traditionell in der Stadt ansässigen Großbetriebe finden auf ihrem Gelände kaum noch Erweiterungsmöglichkeiten. So verlagerten die Bayerischen Motorenwerke (BMW) immer wieder bestimmte Produktionsprozesse an externe Standorte in der Region, etwa nach Regensburg oder Landshut. Gleiches gilt für Siemens; das Unternehmen hat in den letzten 20 Jahren nördlich und östlich von München neue Produktionsstätten errichtet.

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