München - Hightech-Standorte

Alpenvorland

978-3-14-100782-4 | Seite 75 | Abb. 2 | Maßstab 1 : 500.000
München | Hightech-Standorte | Alpenvorland | Karte 75/2

Informationen

Weltweit dienen vor allem die forschungsintensiven Branchen des Hightech-Sektors als Motoren für ein überdurchschnittlich hohes Beschäftigtenwachstum. In Deutschland hat sich München als bedeutendstes Zentrum für diesen Wirtschaftsbereich etabliert.
In der Wissenschaft wurde für den Hightechsektor bisher keine einheitliche Definition festgelegt. Ohne eine klare Abgrenzung zwischen den Wirtschaftszweigen zu ziehen, charakterisiert die Fachliteratur den Hightechbereich allgemein als forschungsintensive Wachstumsbranchen, die durch ihr hohes Innovationspotenzial eine dynamisierende Wirkung auf regionale Entwicklungsprozesse entfalten können. Aufgrund des Querschnittcharakters vieler Hightech-Wirtschaftszweige können gleichzeitig unterschiedliche Technologiebereiche über Branchengrenzen hinweg vernetzt werden und somit neue Wirtschaftszweige entstehen lassen. Zur Hightechbranche zählen unter anderem die Bereiche Softwareentwicklung, Biotechnologie, Nanotechnologie, Luft- und Raumfahrt sowie Umwelttechnik.

Die räumliche Struktur der Hightech-Branchen
Die Darstellung zeigt die räumliche Verteilung der Hightechbranchen im Großraum München. Grundsätzlich kann in den Kommunen im Süd- und Nordosten der bayerischen Landeshauptstadt eine etwas stärkere Konzentration der Hightechbranche festgestellt werden, vor allem deshalb, weil die schnelle Erreichbarkeit des Flughafens für viele internationale Unternehmen eine wichtige Rolle spielt. Aufgrund einer starken Konkurrenzsituation um Arbeitskräfte und der hohen Büromieten im Umland des Flughafens und der neuen Messe kommen jedoch im Zuge einer voranschreitenden Suburbanisierung für viele Hightechunternehmen immer häufiger auch Standorte in den westlich gelegenen Gemeinden in Frage.
Im Bereich der Software- und Datenverarbeitungsbranche zeigt sich eine relativ ausgeglichene Verteilung, mit einem Schwerpunkt innerhalb des Stadtgebietes. Rund ein Drittel der größten Datenverarbeitungsfirmen in Deutschland sind in der Region München angesiedelt. Eine ähnliche Struktur ist auch bei Unternehmen der Medizin- und Umwelttechnik zu erkennen. Insbesondere bei den erneuerbaren Energien, zu denen überdurchschnittlich innovative Segmente wie die Geothermie und die Photovoltaikindustrie zählen, nimmt die Stadt München innerhalb Deutschlands eine Vorreiterrolle ein. Die 2004 von General Electric in Garching gegründete Zweigniederlassung, die 150 Mitarbeiter beschäftigt und auch Forschung und Entwicklung (FuE) im Bereich der regenerativen Energieerzeugung betreibt, kann in diesem Zusammenhang als wichtige Erfolgsgeschichte verbucht werden.
Die Branche Biotechnologie ist hingegen besonders stark konzentriert. Als primäre Ursache der Agglomeration sind die bestehenden Standorte öffentlicher und privater Großforschungseinrichtungen anzusehen, die eine Quelle unternehmerischer Ausgründungen darstellen. Seit Mitte der 1990er-Jahre hat sich Planegg/Martinsried zu einem bekannten Cluster der roten Biotechnologie (Medizin / Pharmazeutik) entwickelt. In enger räumlicher Nähe sind hier neben zahlreichen Biotech-Unternehmen die Max-Planck-Institute für Biochemie und Neurobiologie, das Klinikum Großhadern und das Genzentrum der Ludwig-Maximilians-Universität sowie das Innovations- und Gründerzentrum für Biotechnologie angesiedelt. Im Norden hat sich in Freising-Weihenstephan ein Cluster der grünen Biotechnologie (Landwirtschaft) herausgebildet. Die Nachbarschaft zum Wissenschaftszentrum für Ernährung, Landnutzung und Umwelt der Technischen Universität München und zur Fachhochschule Weihenstephan sind entscheidende Faktoren für diese räumliche Ballung. Insgesamt arbeiten in der Biotechnologie in München und dem näheren Umland über 2200 Personen, vorwiegend in kleinen und mittleren Unternehmen.
Branchenagglomerationen von Luft- und Raumfahrtunternehmen sind in Ottobrunn bzw. Oberpfaffenhofen zu erkennen. Hier befinden sich spezialisierte Forschungseinrichtungen der Universität der Bundeswehr bzw. das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Der Sonderflughafen Oberpfaffenhofen ist für die Luftfahrtunternehmen und die Flugbetriebseinheiten des DLR von zentraler Bedeutung. Als weltweit führender Anbieter der Branche gilt der EADS Konzern (European Aeronautic Defense and Space Company) mit einer integrierten Zentrale in München. In der Planungsregion 14 (administrative Einheit des Freistaates Bayern für die Region München) beläuft sich die Gesamtzahl der Beschäftigten in dieser Branche auf etwa 15 000. Im Mittel investierten die Luft- und Raumfahrtunternehmen knapp 19 Prozent ihres Umsatzes in die Forschung und Entwicklung. Diese Forschungs- und Entwicklungsintensität ist auch innerhalb der Hightechbranche als hoch einzustufen.
M. Wallisch

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Die Bedeutung von Standortfaktoren am Beispiel der Hightechindustrie

Die entscheidenden Standortfaktoren bestimmen zunächst den Makrostandort (Raum in dem die Produktion stattfinden soll). Anschließend werden Überlegungen zum Mesostandort (Lage der Region) und Mikrostandort (konkrete Platz der Anlage) entschieden.
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