Los Angeles - Stadtlandschaft

Kalifornien

978-3-14-100700-8 | Seite 205 | Abb. 3 | Maßstab 1 : 1.000.000
Los Angeles | Stadtlandschaft | Kalifornien | Karte 205/3

Informationen

Der Ballungsraum Los Angeles gilt seit mehreren Jahren als Prototyp und Modell der US-amerikanischen Stadt der Zukunft und hat Chicago den Rang als weltweit wissenschaftlich am besten untersuchte Stadt abgelaufen. Als postmoderne Stadt entzieht sich Los Angeles in seiner Komplexität und Widersprüchlichkeit der Geometrie klassischer Stadtmodelle. Hier zeigen sich Trends und Entwicklungsabläufe, die nach Meinung vieler Experten für die Städte der westlichen Welt des 21. Jahrhunderts exemplarisch sein werden.

Von der Provinzstadt zur Metropole
Der Verdichtungsraum Los Angeles besteht aus den fünf Counties Los Angeles, Orange, San Bernardino, Riverside und Ventura. Er hat eine Ausdehnung von fast 200 Kilometern in west-östlicher und 100 Kilometern in nord-südlicher Richtung. Dieser Teil Südkaliforniens hat nach unscheinbaren Anfängen ein sehr dynamisches Wachstum von Bevölkerung und Wirtschaft erlebt. Um 1870 lag der Raum Los Angeles mit seinen 19 000 Einwohnern noch weit hinter der Bay Area mit dem Zentrum San Francisco zurück. Zwischen 1900 und 1930 stieg Los Angeles jedoch bereits von der 36. zur fünftgrößten Stadt der USA auf. Ursächlich für diese Entwicklung waren Erdölfunde, der Ausbau des Hafens und die Ansiedlung erster Filmstudios. Zwar verläuft das Bevölkerungswachstum seit Mitte des 20. Jahrhunderts deutlich moderater, dennoch war die "Consolidated Metropolitan Statistical Area" (CMSA) Los Angeles 2006 mit 17,78 Mio. Einwohnern der zweitgrößte Ballungsraum der USA nach New York.
Noch eindrucksvoller als die Zunahme der Einwohnerzahlen ist das Wachstum der besiedelten Fläche. In den westlichen, mehr noch aber in den östlichen Bereichen der Agglomeration stammt der weit überwiegende Teil der Wohnbebauung aus der Zeit nach 1950. Nur wenige Siedlungskerne der Counties Orange, Ventura, San Bernardino und Riverside sind älteren Datums. Auch im zentralen County Los Angeles ist die Ausweitung der Wohnbebauung rasant vorangeschritten. Zum Teil reicht sie nördlich über den Kartenausschnitt hinaus.

Eine postindustrielle Stadtlandschaft
Diese exzessive Suburbanisierung wird nicht selten mit den "typisch amerikanischen" Werten und Idealen der grenzenlosen Freiheit, des Individualismus und der verschwenderischen Mobilität erklärt. Es ist jedoch kaum zu übersehen, dass dieser Prozess gefördert wurde durch die staatliche Wohnungspolitik, die Neubauten gegenüber der Erhaltung des Wohnungsbestandes Priorität einräumte, und durch eine Steuerpolitik, die es ermöglichte, Hypothekenzinsen vom Einkommen abzusetzen. Weitere entscheidende Voraussetzungen waren die universelle private Motorisierung und die Bereitschaft der Steuerzahler, das kostspielige Autobahnnetz in den Verdichtungsräumen zu finanzieren.
Waren die suburbanen Räume lange durch niedrige Dichte, Dominanz der Wohnfunktion und weitgehende Abwesenheit von Industrie und Gewerbe charakterisiert, so hat sich dies bis heute grundlegend geändert. Selbst wenn die Downtown von Los Angeles nach wie vor ein bedeutendes ökonomisches Zentrum ist, lässt sich konstatieren, dass nur etwa 7 Prozent aller Arbeitsplätze der Region in einem Drei-Meilen-Radius um die Downtown zu finden sind — die Vergleichswerte liegen in New York bei 45 Prozent und in Chicago bei immerhin 19 Prozent. Stattdessen hat ein Prozess eingesetzt, der als "Urbanization of the Suburbs" charakterisiert werden könnte. Sein herausragendes Merkmal ist die Entstehung städtischer Zentren außerhalb der Downtown. Diese "Edge Cities", von denen es im Verdichtungsraum Los Angeles schon heute über 20 gibt, verfügen über ein umfassendes Angebot von Arbeitsplätzen, Einkaufsmöglichkeiten und kulturellen Einrichtungen bis hin zu Konzerthalle und Opernhaus. Ihren Standort haben sie durchweg an den Freeways, bevorzugt an Kreuzungen dieser vielspurigen Stadtautobahnen. Ein beträchtlicher Teil der Verkehrsströme verläuft schon heute zwischen diesen Außenstadtzentren.
Das Siedlungsmuster von Los Angeles ist hochkomplex. Die Kernstadt bildet mit fast 4 Mio. Einwohnern die größte administrative Einheit, daneben gibt es aber elf weitere Städte mit mehr als 150 000 Bewohnern und über 150 "Incorporated Cities", selbstständige politische Gemeinden. Entsprechend lässt sich eine mosaikartige Fragmentierung des städtischen Gefüges in eine Vielzahl höchst gegensätzlicher Zellen konstatieren. Die einzelnen Wohnquartiere und Nachbarschaften sind nach demographischen, sozio-ökonomischen und ethnischen Kriterien häufig sehr homogen, gleichzeitig aber deutlich voneinander unterschieden und nicht selten durch Mauern oder Zäune abgeschottet. Stark verbreitet sind in jüngster Zeit sogenannte Gated Communities, privat organisierte und der Öffentlichkeit nicht zugängliche Wohnquartiere, die man nur als Bewohner oder bei Nachweis eines berechtigten Interesses betreten darf.

Ökonomische Polarisierung
Die Polarisierung des Stadtraums setzt sich im ökonomischen Bereich fort. Die fundamentalen Umbrüche der Produktionsstruktur sind durch die Teilprozesse der Deindustrialisierung, Reindustrialisierung und Tertiärisierung gekennzeichnet. Traditionelle fordistische Industriebranchen wie die Eisenund Stahlindustrie, der Fahrzeugbau und die Reifenindustrie sind nahezu vollständig verschwunden. Sie wurden ersetzt zum einen durch Unternehmen aus der Hochtechnologie, insbesondere der Mikroelektronik sowie der Luft- und Raumfahrtindustrie, mit hoch qualifizierten und gut bezahlten Arbeitskräften, zum anderen durch Firmen, die ein niedriges Qualifikationsniveau verlangen, dafür aber auch nur niedrige Löhne und eine geringe Sicherheit des Arbeitsplatzes bieten (Sweatshops). Charakteristische Branchen sind hier die Textil- und Bekleidungsindustrie, aber auch weite Teile des Dienstleistungsgewerbes, vom Haus- und Reinigungspersonal über die Sicherheitsdienste bis zur Gastronomie.
Diese ökonomische Polarisierung hat auch eine dezidiert ethnische Komponente: Die weiße Bevölkerung und Teile der Asiaten dominieren die hoch qualifizierten Arbeitsplätze, während die Hispanics oder Latinos, darunter viele illegale Einwanderer, den Billiglohnsektor abdecken. Besonders problematisch ist die Lage der afroamerikanischen Bevölkerung, die von dem Niedergang der traditionellen Industriezweige besonders hart getroffen wurde.

Internationale Stellung
Weltweiten Ruhm hat Los Angeles durch Hollywood und seine mit dem Film verbundene Rolle als Produzent einer universellen Kulturindustrie erlangt. Auch wenn der Stadtteil inzwischen eher ein etwas heruntergekommener Touristentreff ist, bleibt die Film- und Medienindustrie nach wie vor ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Für die touristische Wahrnehmung der Region spielen daneben große Themenparks der Freizeitindustrie wie Disneyland oder die Universal Studios eine wesentliche Rolle.
Los Angeles hat in der Hierarchie der Global Cities eine hochrangige Position. Was die Bedeutung der Stadt als internationaler Finanzplatz und Sitz weltweit operierender Unternehmen betrifft, liegt die südkalifornische Metropole zwar deutlich hinter New York, Chicago und San Francisco mit dem benachbarten Silicon Valley. Einen der vorderen Plätze nimmt Los Angeles hingegen bei der Einbindung in die globalen Verkehrsnetze ein: Nach Atlanta, Chicago, London Heathrow und Tokio Haneda lag der Internationale Flughafen von Los Angeles mit 61,5 Millionen Passagieren (2005) weltweit an fünfter Stelle. Ähnlich bedeutend ist die Position der beiden benachbarten Häfen San Pedro/Los Angeles und Long Beach im Containerverkehr: Hinter Singapur, Hongkong, Shanghai und Shenzhen belegten die beiden kalifornischen Häfen 2005 zusammen den fünften Rang.
Insgesamt ist die Agglomeration Los Angeles eine Region der unbegrenzten Kontraste. Sie zeichnet sich durch hohe Bevölkerungs- und Wirtschaftsdynamik aus und kann, nicht zuletzt aufgrund ihrer extremen ethnischen Vielfalt, als Prototyp der US-amerikanischen Stadt des 21. Jahrhunderts angesehen werden. Das multi-ethnische Leben ist allerdings nicht nur bereichernd, sondern enthält auch ein beträchtliches Konfliktpotenzial. Problematisch ist zudem der verschwenderische Umgang des Großraums Los Angeles mit Ressourcen wie Wasser und Land, der vom Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung weit entfernt ist.
H. D. Laux, G. Thieme

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Global Cities in den USA und Kanada

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Los Angeles Metropolitan Area

Quelle: H.-D. Laux, Bonn; G. Thieme, Köln
Geographische Rundschau, International Edition 2008 (2)
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Los Angeles

Foto: H.-D. Laux, Bonn; G. Thieme, Köln
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Orange County, Kalifornien

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