Lauchröden - Dorferneuerung

Deutschland – Wandel ländlicher und städtischer Siedlungen

100750 | Seite 54 | Abb. 3 | Maßstab 1 : 4.000
Lauchröden | Dorferneuerung | Deutschland – Wandel ländlicher und städtischer Siedlungen | Karte 54/3

Informationen

Das Bundesland Thüringen verfügt über touristische Anziehungspunkte wie Erfurt, Weimar oder Eisenach, wird aber ansonsten vor allem durch den ländlichen Raum geprägt. Seine 2700 Dörfer stehen für landwirtschaftliche Leistungskraft und eine entsprechende funktionelle und gestalterische Eigenart. Trotz aller gesellschaftlichen Veränderungen wurde hier über Jahrhunderte "die Kirche im Dorf belassen", das heißt, die besondere nichtstädtische Lebensform bewahrt.

Das Beispiel Lauchröden
Das Dorferneuerungsprogramm in Lauchröden steht beispielhaft für viele Dörfer in Thüringen. Der ehemals selbstständige Ort ist seit 2004 ein Ortsteil der Gemeinde Gerstungen und hat etwas über 1000 Einwohner. Er liegt im Wartburgkreis unmittelbar an der Werra landschaftlich reizvoll am westlichen Ausläufer des Thüringer Waldes. Seine landwirtschaftlich geprägte Bau- und Siedlungsstruktur ist noch deutlich ablesbar, auch wenn heute die Wohnfunktion dominiert. Von wesentlichem Einfluss für die Dorfgeschichte waren die Jahre von 1949 bis 1989, als direkt an der Werra die innerdeutsche Grenze verlief und Lauchröden alle negativen Auswirkungen des DDR-Grenzregimes zu spüren bekam. Dementsprechend befanden sich die Bausubstanz und die Einrichtungen der Infrastruktur zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung in einem sehr schlechten Zustand.
Die Gemeinde versuchte, dieser Situation entgegenzusteuern und investierte in wichtigen Bereichen. Ein Durchbruch war jedoch erst in Sicht, als der Ortsteil 2002 die Anerkennung als Förderschwerpunkt der Dorferneuerung erhielt. Die Dorfentwicklungsplanung 2003 entstand unter breiter Mitwirkung der Bevölkerung und löste eine intensive Öffentlichkeitsarbeit aus. Ein Dorferneuerungsbeirat begleitet bis heute den gesamten Prozess. In der nebenstehenden Karte sind die wichtigsten Analyseergebnisse und geplanten Vorhaben dargestellt.
Schwerpunkt bei den kommunalen Vorhaben war die Schaffung eines Bürgerhauses, um den dringenden Platzbedarf der zahlreichen Vereine zu stillen und einen Ort für gemeindliche Veranstaltungen und die private Nachfrage zu schaffen. Dazu bot sich der Standort der ehemaligen Gaststätte "Zum Löwen" direkt in der Ortsmitte an. Der baufällige Saal wurde abgerissen, das denkmalgeschützte Fachwerkgebäude saniert und ein Saalneubau errichtet. Am 16. Dezember 2006 erfolgte die feierliche Übergabe durch den Landrat; seither werden die neuen Räumlichkeiten intensiv genutzt. Das Ensemble steht beispielhaft für die Verbindung von traditioneller Baukunst und zeitgemäßer Architektur.
B. Maisel