Landwirtschaft - Übersicht

Deutschland - Landwirtschaft

978-3-14-100700-8 | Seite 54 | Abb. 1 | Maßstab 1 : 3.500.000
Landwirtschaft | Übersicht | Deutschland - Landwirtschaft | Karte 54/1

Überblick


In Deutschland werden knapp 17 Millionen Hektar landwirtschaftlich genutzt, das entspricht mehr als der Hälfte der deutschen Landesfläche (Stand 2009). Die landwirtschaftlichen Flächen bestehen vor allem aus Ackerland (11,9 Mio. Hektar) und Dauergrünland, also Wiesen und Weiden (4,7 Mio. Hektar). Die restlichen Flächen (0,2 Mio. Hektar) werden mit Sonderkulturen bewirtschaftet. Hierzu zählen Obst und Gemüse, Wein, Hopfen, Tabak sowie Pflanzenkulturen in Baumschulen.

Pflanzliche Produktion in Deutschland
Auf den deutschen Ackerflächen wird vor allem Getreide angebaut (6,5 Mio. Hektar), der Weizen steht dabei an erster Stelle. Es folgen Mais (2,1 Mio. Hektar), Raps (1,5 Mio. Hektar) und Zuckerrüben (0,4 Mio. Hektar). Einen nur geringen Flächenanteil nehmen andere Kulturen ein, darunter Gemüse und Obst.
Vergleicht man einzelne Regionen Deutschlands, lassen sich große Unterschiede in den landwirtschaftlichen Strukturen feststellen. Diese Unterschiede beruhen hauptsächlich auf natürlichen Gegebenheiten, teilweise aber auch auf politischen Vorgaben. Naturbedingt liegen zum Beispiel Weinbaugebiete vorzugsweise in sonnenbegünstigten Hanglagen (etwa entlang des Rheintals, an den Hängen der Rheinzuflüsse Neckar, Main und Mosel, aber auch am Bodenseeufer, im sächsischen Elbtal sowie an den Flüssen Saale und Unstrut).
Große Ackerflächen sind außerhalb der gebirgigen Regionen anzutreffen. Für die Qualität von Ackerflächen spielen – neben den klimatischen Bedingungen – auch die Bodeneigenschaften eine wichtige Rolle. Sehr fruchtbare Böden finden sich beispielsweise in den Börden Norddeutschlands (z. B. Magdeburger Börde, Hildesheimer Börde) und in den Gäulandschaften Süddeutschlands (z. B. Kraichgau, Dungau).
Politische Einflüsse auf den Ackerbau bestehen zum Beispiel durch Agrarsubventionen (staatliche Zuzahlungen). Durch die immer billiger werdenden Lebensmittel und die hohen Kosten für die Produktion könnten viele Betriebe ohne diese Zahlungen nicht mehr wirtschaftlich Ackerbau betreiben.

Viehhaltung in Deutschland
Zu den wichtigsten tierischen Produkten in Deutschland zählen – gemessen am Warenwert – Milch sowie Schweine-, Rind- und Geflügelfleisch. Wie beim Pflanzenbau zeigen sich auch im Bereich der Viehwirtschaft deutliche regionale Unterschiede. Ein wichtiges Zentrum der tierischen Erzeugung liegt beispielsweise in Nordwestdeutschland (südliches Oldenburg mit den Kreisen Vechta und Cloppenburg). Dort hat sich eine Zone intensiver Schweinehaltung herausgebildet.
Auch die Geflügelhaltung ist in diesen Regionen stark angesiedelt. Ein Grund für diese Konzentration ist die Nähe zu preiswerten Futterherstellern. Diese Hersteller verwenden für die Herstellung von Mischfutter unter anderem Zutaten wie Soja oder Tapioka (energiereiches Futtermittel, das aus Maniok-Wurzelknollen gewonnen wird), die über die nahe gelegenen Seehäfen angeliefert werden. Dagegen ist Rinderhaltung (sowohl Milchkühe als auch Fleischrinder) vor allem in den traditionellen intensiven Grünlandgebieten verbreitet: im Allgäu und Alpenvorland, im Bayerischen Wald und in den Marschgebieten an der Küste.
Obwohl etwa 60 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche in Deutschland der Futtererzeugung dienen, müssen dennoch große Mengen Futtermittel aus dem Ausland importiert werden, vor allem Getreide und Soja (siehe auch Grafik S. 42 unten links).

S. Lemke, B. Forstner

Info Plus

Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Land und Forstwirtschaft hat in Deutschland, wie in allen industrialisierten Staaten, in den vergangenen Jahrzehnten deutlich abgenommen. Während 1970 im früheren Bundesgebiet noch rund 9 Prozent und in der DDR rund 13 Prozent der Erwerbstätigen in Land- und Forstwirtschaft und Fischerei beschäftigt waren, lag ihr Anteil 2006 nur noch bei knapp 2,2 Prozent. Der Anteil an der Bruttowertschöpfung ging im gleichen Zeitraum von 2,9 Prozent in West- und rund 12 Prozent in Ostdeutschland auf 1,0 Prozent zurück. (Zum Vergleich: Der Anteil des produzierenden Gewerbes einschließlich des Baugewerbes an der Bruttowertschöpfung lag 2006 bei rund 30 Prozent, derjenige der Dienstleistungsbranche bei 69 Prozent). Dennoch ist die Landwirtschaft für die Gesellschaft von erheblicher Bedeutung. Da 53 Prozent (2006) der Landesfläche (357 022 km²) landwirtschaftlich genutzt werden, wird das Erscheinungsbild Deutschlands maßgeblich durch die Art der Landbewirtschaftung beeinflusst. Außerdem ist die deutsche Landwirtschaft innerhalb der EU noch immer ein wesentlicher Akteur. So liegt die Bundesrepublik bei der Schweinefleischerzeugung in der EU mit einem Anteil von fast 20 Prozent an erster Stelle, bei der Produktion von Rind- und Kalbfleisch belegt Deutschland trotz der starken Einbußen der letzten Jahren mit rund 16 Prozent den zweiten Platz.

Pflanzliche Produktion in Deutschland
Die zur Landwirtschaft gerechnete Fläche besteht im Wesentlichen aus Ackerflächen und Dauergrünland. Die Produktionsstruktur in Deutschland weist große regionale Unterschiede auf. Diese beruhen hauptsächlich auf den natürlichen Gegebenheiten (etwa beim Weinbau), teilweise aber auch auf politischen Vorgaben. Beispielsweise wird durch betriebliche oder gebietsbezogene Produktionsobergrenzen die Entwicklung der landwirtschaftlichen Bodennutzung reguliert (z. B. der Ölsaaten- und Zuckerrübenanbau sowie die Grundfutterproduktion im Zusammenhang mit reglementierter Milchproduktion). Die fünf neuen Länder weisen eine deutlich stärkere Ausrichtung auf den Marktfruchtbau auf als die Länder des früheren Bundesgebietes. Dies schlägt sich nieder in einem niedrigeren Grünlandanteil bzw. einem höheren Ackerflächenanteil. Der höhere Ackerflächenanteil beruht zum einen darauf, dass im Vergleich zum früheren Bundesgebiet weniger Mittelgebirgs- und sonstige hängige Standorte vorhanden sind; zum anderen wird aufgrund des geringeren Besatzes an Rindern weniger Raufutter benötigt.
Im früheren Bundesgebiet wurde in den vergangenen Jahrzehnten aus wirtschaftlichen Gründen zunehmend Grünland in Ackerland umgewandelt, sodass der Ackerflächenanteil von 56 Prozent im Jahr 1960 auf rund 70 Prozent im Jahr 2005 anstieg. Das Anbauverhältnis verschiedener Fruchtarten im Ackerbau unterliegt einem ständigen Wandel, der vor allem durch die Fortschritte in den Bereichen Mechanisierung, Züchtung, Düngung und Pflanzenschutz sowie durch die Preis-/Kostenstruktur des Anbaus beeinflusst wird. Insbesondere durch Agrarsubventionen an die Betriebe wird in starkem Maße Einfluss auf die Anbaustruktur im Ackerbau genommen. Unter den gegenwärtig vorhandenen Betriebs-, Preis- und Kostenstrukturen wäre es den meisten Betrieben ohne diese Transferzahlungen nicht möglich, wirtschaftlich Ackerbau zu betreiben.

Zentren der Viehhaltung in Deutschland
Obwohl Deutschland als größter Schweinefleischerzeuger und zweitgrößter Produzent von Rind- und Kalbfleisch in der EU ist, gilt die Milchviehhaltung mit einem Anteil von mehr als 20 Prozent am Produktionswert als das wichtigste Standbein der deutschen Landwirtschaft. Analog zum Pflanzenbau zeigen sich auch im Bereich der Viehwirtschaft erhebliche regionale Unterschiede. Die Viehhaltung ist in Deutschland durch eine starke regionale Konzentration gekennzeichnet. Eines der Zentren der tierischen Erzeugung liegt beispielsweise in Nordwestdeutschland (Südoldenburg mit den Kreisen Vechta und Cloppenburg), wo sich auf der Grundlage von Zukauffutter eine Zone intensiver Schweinehaltung herausgebildet hat. Auch die flächenunabhängige Geflügelhaltung ist in diesen Regionen stark angesiedelt. Beeinflusst wurde diese Entwicklung durch den günstigen Zugang der Mischfutterhersteller zu preiswerten Futterkomponenten wie Soja und Tapioka, die über die Seehäfen angeliefert werden.
Auch in anderen Regionen haben sich, wenn auch weniger stark ausgeprägt, Veredlungsschwerpunkte gebildet, etwa im Münsterland. Teilweise hat sich eine Arbeitsteilung zwischen verschiedenen Veredlungsregionen entwickelt (z. B. Erzeugung von Ferkeln und deren "Export" in Regionen, die sich vor allem auf Schweinemast spezialisiert haben, etwa in das Münsterland, nach Vechta oder Cloppenburg).

Industrialisierung der Landwirtschaft
Die Flächennutzung der landwirtschaftlichen Betriebe hat sich in den vergangenen Jahrzehnten durch veränderte Maschinen und Anbaumethoden und die damit einhergehende betriebliche Spezialisierung stark verändert. Die vielgliedrigen Fruchtfolgen früherer Zeiten sind im Allgemeinen organisierenden Fruchtwechseln mit zwei- bis dreigliedrigen Fruchtfolgen gewichen, teilweise werden sogar Monokulturen angebaut. Die Schlaggrößen wurden durch Flächentausch und -zusammenlegung im Laufe der Jahre deutlich ausgeweitet, um die Vorteile großer Maschinen nutzen zu können. Diese Entwicklung wurde begleitet von einer Tendenz zur "Ausräumung" der Agrarlandschaft durch Beseitigung von Landschaftsstrukturelementen. Züchterische, agrarchemische und gentechnische Entwicklungen und Fortschritte machen es inzwischen möglich, typische Probleme einer einseitigen Fruchtfolge, die die Ertragsfähigkeit mindern, etwa Bodenunfruchtbarkeit, Verunkrautung und Krankheitsdruck, zu bewältigen. An die Stelle einer viehbezogenen organischen Düngung ist vielfach die Gründüngung und das Belassen der Ernterückstände auf den Feldern getreten. Gleichzeitig ist es durch den zunehmenden Einsatz von Handelsdüngern und Pflanzenschutzmitteln zu einer Intensitätssteigerung im Anbau gekommen.

Wachsende Viehbestände
Auch im Bereich der Viehhaltung gibt es deutliche Veränderungen. Sowohl die Anzahl der Rinder- als auch die der Schweinehalter hat in den vergangenen Jahren deutlich abgenommen. Gleichzeitig sind die Bestände der Vieh haltenden Betriebe im Durchschnitt erheblich gestiegen. Die zunehmende einzelbetriebliche Konzentration und die damit zusammenhängenden Änderungen der Produktionstechnik und Haltungsverfahren haben die Praxis der tierischen Erzeugung gravierend verändert. Beispielsweise ist es heute immer weniger möglich, die Rinder auf der Weide grasen zu lassen, da die in der Hofnähe verfügbaren Flächen nicht ausreichen würden, um die großen Herden zu versorgen. Auch arbeitswirtschaftliche Gründe sprechen für die Sommerstallfütterung. Außerdem sind die heutigen Hochleistungskühe mit einer Milchleistung von bis zu 10 000 kg je Jahr darauf angewiesen, hochwertiges Futter in Form von Silomais, Getreide und Soja aufzunehmen, um den Energie- und Eiweißbedarf zu decken.

Ökologischer Landbau
Die Bedeutung des ökologischen Landbaus hat in den letzten zwei Jahrzehnten erheblich zugenommen. Allein zwischen 1995 und 2005 hat sich die Zahl der ökologisch wirtschaftenden Betriebe nahezu verdreifacht, dadurch stieg der Anteil an der landwirtschaftlich genutzten Fläche in Deutschland auf 4,7 Prozent. Im Gegensatz zur konventionellen Landwirtschaft setzt der ökologische Landbau auf eine abwechslungsreiche Fruchtfolge mit vielen Fruchtfolgegliedern und Zwischenfrüchten, um die Bodenfruchtbarkeit zu fördern und die Nutzpflanzen vor Verunkrautung, Krankheits- und Schädlingsbefall zu schützen. Durch diese Methode und den Anbau wenig empfindlicher Sorten, die mechanische Unkrautbekämpfung und den gezielten Einsatz von Nützlingen kann der Einsatz umweltbelastender Pflanzenschutzmittel deutlich reduziert werden (vgl. 57.3).
B. Forstner

Graphiken

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Arbeitsverhältnisse in der deutschen Landwirtschaft 2005

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Entwicklung der deutschen Landwirtschaft

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Magere Gewinnspannen für Bauern

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Sonderkulturen zu unterschiedlichen Jahreszeiten

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Landschaftsmosaik — Raum Oberkirch

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Überblick der Standortgüte für die Landwirtschaft auf Kreisebene anhand der der Bodenklimazahlen

Eine Karte mit Bodenklimazahlen zeigt, wie heterogen fruchtbare und weniger fruchtbare Böden in Deutschland verteilt sind.
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Zur Orientierung

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