Laacher See - Vulkanregion/Nutzungskonflikte

Deutschland – Umwelt

100750 | Seite 45 | Abb. 3 | Maßstab 1 : 100.000
Laacher See | Vulkanregion/Nutzungskonflikte | Deutschland – Umwelt | Karte 45/3

Informationen

Die Karte umfasst den Bereich der Osteifel als Teil des Rheinischen Schiefergebirges. Nach Aufstiegsbewegungen des seit dem Perm zur Rumpffläche umgebildeten variskischen Faltengebirges und Einbruch des Neuwieder Beckens im Tertiär erfuhr die Osteifel ihre landschaftstypische Überprägung durch den quartären Vulkanismus. Bestrebungen seitens des Landschafts- und Naturschutzes, den vulkanischen Formenschatz zu bewahren, stehen im konfliktträchtigen Gegensatz zu den wirtschaftlichen Interessen der Steinindustrie und des Freizeittourismus.

Das vulkanische Erbe
Entlang alter Verwerfungslinien im devonischen Grundgebirge entstanden vor etwa 200 000 Jahren die markanten Schlackenkegel. Die Explosion des Laacher-See-Vulkans im Frühsommer des Jahres 9080 v. Chr. setzte den vulkanischen Aktivitäten ein vorläufiges Ende. Der Ausbruch, der nur wenig mehr als zwei Tage dauerte, begann mit einer phreatomagmatischen Initialphase. Bei den folgenden plinianischen Eruptionen wurden etwa 16 km³ phonolithische Bimslapilli und Aschen gefördert, die als Fallout-Tephra windrichtungsbedingt das südöstlich vorgelagerte Mittelrheinische Becken mit meterhohen Bimslagen überdeckten. Gleichzeitig flossen bodennahe Glutlawinen (Base Surges) in radial zum Explosionskrater angelegten Tälern, z. B. dem Brohltal, hangabwärts und verdichteten sich zu Ignimbriten (Tuff, Trass). Schwächere phreatomagmatische Explosionen der Endphase führten zur Aufschichtung des Kraterwalls. Der Massenverlust in der Magmakammer bewirkte den Einbruch des Vulkandachs und die Bildung einer Caldera.

Wirtschaftliche Interessen
Bereits in der Römerzeit wurden sowohl die Mineralquellen als auch die vulkanischen Steine und Erden genutzt: Der Trass zur Herstellung von hydraulischem Zement, der Basalt zur Herstellung von Mühlsteinen, später als Material zum Haus- und Straßenbau (Kopfsteinpflaster). Der Abbau war jedoch lokal begrenzt und wenig landschaftsverändernd.
Mit der Phase des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg und dem steigenden Bedarf an Baustoffen wurde der Laacher-See-Bims großflächig ausgebeutet und zu Hohlblocksteinen verarbeitet. Die Lava fand als Schotter, Splitt und Sand im Straßenbau Verwendung. Der zunehmend mechanisierte Abbau führte zu einer erheblichen Degradierung der Landschaft mit zerstörten Vulkankegeln und zahlreichen Geländestufen. Angesichts schwindender Bimsvorräte wurden die Abbaugenehmigungen zuweilen auch großzügig innerhalb des Naturschutzgebietes erteilt.
Der Freizeittourismus, der überwiegend auf das Kloster Maria Laach und den Seebereich beschränkt war, erhielt durch die engere Verkehrsanbindung der Ballungsräume Rhein-Main und Rhein-Ruhr über die A61 eine deutliche Belebung. Die weitgehend ungeregelte touristische Nutzung des ufernahen Verlandungsbereichs (Brutbiotop) und der Düngereintrag durch eine intensive Land- und Viehwirtschaft (Eutrophierung) belasteten das ökologische Potenzial des Laacher Sees erheblich. Als weitaus landschaftsverträglicher erwies sich die Kohlensäure- und Mineralwasserproduktion (Tönissteiner, Rhodius) im Brohltal.

Neue Wege: Geotourismus
In den 1990er-Jahren setzte sich eine eher ökologisch ausgerichtete Bewertung der Region durch. Die Rechtsverordnung zum Naturschutz wurde verschärft, die touristische Nutzung im Seebereich stark eingeschränkt.
Mit der Einrichtung des Vulkanparks Brohltal/Laacher See im Jahre 1993 wurde erstmals der Weg eines auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Tourismus beschritten. Fünf Geopfad-Routen mit Schautafeln an geologisch interessanten Aufschlüssen informieren über die Landschaftsgenese. Es folgte die Ausweisung des Vulkanparks Mayen-Koblenz mit der Errichtung des "Römerbergwerks Meurin", des Vulkanmuseums "Lava Dome" und der Ausschilderung von vier Vulkanparkrouten. Seit 2004 gehören beide Vulkanparks zum Nationalen Geopark "Vulkanland Eifel". Bis 2008 will die Stadt Andernach die Reaktivierung des weltgrößten Kaltwasser-Geysirs bei Namedy, dessen Energie von ausperlendem CO2 gespeist wird, abgeschlossen haben. Der Geysir, der in Zukunft in Absprache mit dem BUND e. V.umweltverträglich touristisch genutzt werden soll, war 1957 bei Straßenbauarbeiten geschlossen worden.
Mit der Hinwendung zum Geotourismus wurde der Versuch unternommen, die Einzigartigkeit der Vulkanregion Osteifel zu erhalten und als Wirtschaftsfaktor zu nutzen. Ein Ausbau der touristischen Infrastruktur und ein koordiniertes Marketingkonzept könnten die positive Entwicklung in Zukunft verstärken.
A. Allspach