Kuba - Rohstoffwirtschaft

Mittelamerika - Wirtschaft

978-3-14-100700-8 | Seite 209 | Abb. 3 | Maßstab 1 : 6.000.000
Kuba | Rohstoffwirtschaft | Mittelamerika - Wirtschaft | Karte 209/3

Informationen

Mit 110 800 km² und 11,2 Mio. Einwohnern ist Kuba die bedeutendste Insel der Karibik. Abgesehen von Naturparks und Küstensümpfen wird praktisch die gesamte Fläche landwirtschaftlich genutzt. In den Berggebieten im Südosten, im Zentrum und im Nordwesten ist die Infrastruktur schwach, die übrigen Gebiete sind erschlossen.

Naturräumliche Voraussetzungen
Die Böden Kubas sind vorwiegend stark verwitterte, wenig fruchtbare Ferralite. Das Klima ist tropisch mit Jahresmitteltemperaturen um 25 °C und Niederschlägen von 900 bis 2100 Millimetern. Rund 70 Prozent dieser Niederschläge fallen zwischen Mai und Oktober. Zunehmende Wintertrockenheit und Wirbelstürme im Herbst erschweren die sonst günstigen Bedingungen für die agrarische Nutzung und verursachen große Produktionsschwankungen. Das Klima erlaubt eine ganzjährige und vielfältige landwirtschaftliche Nutzung. In den ebenen Gebieten herrschen große Plantagen vor, auf denen unter anderem Zuckerrohr und Früchte angebaut

Diversifizierung und Ökologisierung der Landwirtschaft
Kubas Landwirtschaft leistet einen bedeutenden Anteil am BIP. Bekannt ist sie vor allem für Zucker, Tabak und Rum. Kuba baut seit dem 19. Jahrhundert Zuckerrohr für den Weltmarkt an. Während der US-Kolonialzeit wurde der Anbau ausgedehnt, der Besitz fiel weitgehend in nordamerikanische Hände, und dorthin flossen auch die Exporterlöse. Die damit verbundenen sozioökonomischen Probleme kubanischer Landarbeiter waren erdrückend und boten den Nährboden für die spätere Revolution. Nach der Revolution 1959 wurde der Zuckersektor weiter ausgebaut und verstaatlicht. Das Zuckerministerium wollte bis 1970 eine Rekordmenge von 10 Mio. Tonnen produzieren, was trotz Mechanisierung, Bewässerung und Kunstdüngerreinsatz nicht gelang.
Durch den Verlust der Absatzmärkte im Ostblock wurde Kuba gezwungen, seinen Zucker zu Weltmarktpreisen anzubieten. Gleichzeitig sank die Produktion aufgrund von Rohstoffmangel zwischen 1989 und 1993 auf die Hälfte, sodass nicht einmal die Lieferverträge mit Russland erfüllt werden konnten; die Erdöllieferungen blieben aus. Nach 2002 hat Kuba über 70 der 156 Zuckermühlen geschlossen und die Anbaufläche massiv reduziert, zugunsten der Nahrungsmittelproduktion für die lokale Bevölkerung. Die Zuckerfläche schrumpfte dadurch von 1,45 Mio. Hektar 1991 auf knapp 400 000 Hektar 2005. Im gleichen Zeitraum ging die Produktion von 6,6 auf 1,1 Mio. Tonnen zurück. Aufgrund der Ressourcenknappheit sanken parallel auch die Hektarerträge von 45 auf 28 Tonnen. Das Beispiel Zucker ist symptomatisch für die kubanische Plantagenwirtschaft, die stark von externen Handelspartnern und Ressourcen abhängt.
Produktionseinbrüche gibt es seit den 1990er-Jahren beispielsweise auch bei Getreide, Reis, Früchten, Milch oder Fleisch. In der wohl noch länger anhaltenden Versorgungskrise steht die kubanische Landwirtschaft vor mehreren Herausforderungen: Kuba muss mit einem Bruchteil zugekaufter Ressourcen massiv mehr Nahrungsmittel produzieren, weitere neue Absatzmärkte erschließen und in die veralteten Produktionsanlagen investieren.
Das hat Kuba dazu bewogen, im Zuge seiner Diversifizierungsbemühungen den biologischen Landbau einzuführen. Der Biolandbau eröffnet den kubanischen Landwirtschaftsbetrieben neue Marktchancen und damit eine Möglichkeit, eine autarke Landwirtschaft aufzubauen. Denn im Biolandbau ist es möglich, mit weniger externen Hilfsmitteln mehr zu produzieren.
Ende 2005 zählt Kuba 5222 zertifizierte Biobetriebe, inklusive kleinbäuerlichen Mitgliedern von internen Kontrollsystemen. Diese wirtschaften auf einer Fläche von 10 445 Hektar, etwa 0,16 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche. Nicht mit eingerechnet sind dabei die "Organoponicos", die städtischen Gemüsegärten. Diese sind nicht bio-zertifiziert, tragen aber in bedeutendem Maße zur verbesserten Versorgung der lokalen Bevölkerung bei. Größter limitierender Faktor für den Biolandbau in Kuba ist die Verfügbarkeit von Saatgut für Gründüngung, Bodenbedeckung und Kompostrohmaterialien. Die kubanischen Bioprodukte sind gefragt auf dem internationalen Markt, das Potenzial ist groß. Auch aus entwicklungspolitischer Sicht macht diese Landbauform Sinn: In einem Land wie Kuba, wo Fachwissen besser verfügbar ist als landwirtschaftliche Inputs, bedeutet Biolandbau angepasste Technologie.
L. Kilcher

Graphiken

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Der Beginn der Exportstruktur für Europa

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Entwicklung des Zuckerpreises

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Biologisch bewirtschaftete Agroforstanlage auf Kuba

Die Vielfalt ist sehr groß: Zahlreiche tropische Früchte werden für den lokalen Markt und für die Selbstversorgung angebaut.
Foto: L. Kilcher, Basel
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Biologisch bewirtschaftete Agroforstanlage auf Kuba

In den biologisch bewirtschafteten Agroforstanlagen Kubas werden möglichst viele Kulturen als "cash crops" verwertet (hier: Grapefruit, Kokosnüsse und andere tropische Früchte).
Foto: L. Kilcher, Basel
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Biologischer Anbau von Zitrusfrüchten auf Kuba

Leguminosen zwischen den Obstbäumen ermöglichen den Verzicht auf Herbizide.
Foto: L. Kilcher, Basel
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Beratung über die angemessene Bodenbedeckung im Biokaffeeanbau

In Kooperationsprojekten mit dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau werden lokal angepasste Technologien entwickelt.
Foto: L. Kilcher, Basel
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