Kuba - Außenwirtschaft

Mittelamerika - Wirtschaft

978-3-14-100800-5 | Seite 227 | Abb. 3 | Maßstab 1 : 6.000.000
Kuba | Außenwirtschaft | Mittelamerika - Wirtschaft | Karte 227/3

Überblick

Mit 110 800 Quadratkilometern (rund ein Drittel der Fläche Deutschlands) und 11,2 Mio. Einwohnern (Stand 2103) ist Kuba die größte und bevölkerungsreichste Insel der Karibik. Sie gehört zu den Großen Antillen und ist von den USA nur durch die maximal 200 Kilometer breite Floridastraße getrennt.

Abgesehen von einigen Bergwäldern und den Küstensümpfen bzw. Mangroven wird praktisch die gesamte Fläche Kubas landwirtschaftlich genutzt (Naturwiese, Ackerbau). In den Berggebieten im Südosten, im Zentrum und im Nordwesten ist die Infrastruktur nur schwach entwickelt, die übrigen Gebiete sind erschlossen.

Die wirtschaftliche und soziale Entwicklung Kubas wird durch umfassende Umbrüche um 1960 und um 1990 gekennzeichnet, diese waren wirtschaftlich unter anderem mit einem grundlegenden Wechsel der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und dem Austausch der dominierenden Außenhandelspartner verbunden. Dominierten bis 1960 die USA, waren es danach die Sowjetunion und deren Verbündete. Gegenwärtig haben China und Venezuela eine besondere Stellung. Deutlich wird dies etwa am Außenhandel mit Zuckerrohr (s. Diagramm in der Karte). Es zeigt sich, dass die außenwirtschaftlichen Beziehungen prägend für die räumliche Entwicklung Kubas waren und sind. Viele Produkte, darunter Nahrungsmittel und Industrieerzeugnisse, werden nicht im Land selbst hergestellt, sondern importiert. Im Gegenzug exportiert Kuba Agrarerzeugnisse und Rohstoffe, zunehmend auch Dienstleistungen.

Naturräumliche Voraussetzungen

Die Böden Kubas sind überwiegend tiefgründige, stark verwitterte Ferralsole, deren Fruchtbarkeit wegen Versauerung und Nährstoffmangel gering ist. Das Klima ist tropisch mit Jahresmitteltemperaturen um 25 °C und Niederschlägen von 900 bis 2100 Millimetern. Rund 70 Prozent der Niederschläge fallen zwischen Mai und Oktober.

Die vergleichsweise trockenen Monate zwischen November und April und Wirbelstürme im Herbst relativieren die sonst günstigen klimatischen Bedingungen für die agrarische Nutzung und können große Produktionsschwankungen verursachen.

Das Klima erlaubt eine ganzjährige und vielfältige landwirtschaftliche Nutzung. In den ebenen Gebieten herrschen große Plantagen vor, auf denen vor allem Zuckerrohr angebaut wird. Darüber hinaus werden auch Tabak, Reis, Obst und Gemüse erzeugt. In den Bergen gibt es einige vielfältige Agroforst-Betriebe, die Kaffee und Kakao anbauen.

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Reorganisation und Liberalisierung

Die Bestrebungen zur Produktionssteigerung und die zaghafte Öffnung für ausländische Investoren brachten zwar eine wirtschaftliche Stabilisierung und Erholung, aber noch keine Ende der allgemeinen Versorgungskrise. Vor allem der Tourismussektor erlebte ein bedeutendes Wachstum. Die Zahl der Gäste konnte von 336 000 im Jahre 1991 auf 3 Mio. im Jahre 2014 verneunfacht werden. Die Einnahmen aus dem Tourismus haben mit 2,6 Mrd. US-Dollar inzwischen ein bedeutendes Niveau erreicht (Stand: 2012). Eine wichtige Einnahmequelle Kubas sind darüber hinaus Nickelförderung und -verhüttung, denn die Insel verfügt über rund 15 Prozent aller Nickelerze weltweit, die gegenwärtig wirtschaftlich gefördert werden können. Bei der Förderung von Nickelerz belegte das Land Rang 10 im weltweiten Vergleich (2014: 71 000 t). Zu den Einnahmen aus dem Tourismus und der Nickelproduktion kommen Agrarexporte (Zuckerrohr, Tabak, Meeresfrüchte) und medizinische Leistungen.

Kuba verfügt über eine kaum entwickelte industrielle Basis. An die Landwirtschaft knüpfen Zuckerfabriken und Tabakverarbeitung an, deren Standorte über das ganze Land verteilt sind. Darüber hinaus verfügen nur wenige der Großstädte, vor allem die Hauptstadt Havanna, und die Bergbauregion im Osten über Industrieansätze.

Wichtig für die Erzielung von Einkommen privater Haushalte ist der informelle Sektor, allerdings fehlen hierzu exakte Zahlen. Eine wesentliche Devisenquelle sind die Überweisungen von Menschen im Ausland, die ihre in Kuba lebenden Familienangehörigen unterstützen. Daraus ergeben sich sozioökonomische Differenzierungsprozesse: Kubaner, die regelmäßig Unterstützung aus dem Ausland erhalten, sind in der Regel wesentlich bessergestellt. Generell bieten die herkömmlichen Arbeitseinkommen nur eine begrenzte Kaufkraft, während Devisen aus dem Ausland und Schwarzmarktaktivitäten ökonomische Not rascher lindern.

Das Bildungs- und das Gesundheitswesen – über Jahrzehnte das mit Abstand beste in Mittelamerika – sind zwar durch die Krise eingeschränkt, funktionieren aber noch immer auf relativ hohem Niveau. Dies ist ein Grund dafür, dass Kuba nach dem HDI als hoch entwickeltes Land (2012: HDI-Rang 59; entspricht etwa Saudi-Arabien, Mexiko oder Russland) eingestuft wird. Allerdings sind bedeutende Investitionen nötig, um die Qualität dieser Errungenschaften auch in Zukunft zu erhalten.

Positive Auswirkungen auf die Versorgung hatten Diversifizierungsprogramme in der Landwirtschaft, die Wiedereinrichtung der Bauernmärkte in den Städten, die Förderung erneuerbarer Energien und die privatwirtschaftliche Produktion im Kleinhandwerk. Entspannung brachte auch die Partnerschaft mit Venezuela, mit dem Kuba Erdöl gegen medizinische Leistungen tauscht. Daneben ist China ein zunehmend wichtiger Handelspartner. Nach Rückschlägen infolge der Hurrikans im Jahr 2008 mehren sich in Kuba gegenwärtig Anzeichen einer leichten wirtschaftlichen Erholung. Auch die sich abzeichnende Entspannung des politischen Verhältnisses zu den USA wirkt sich gegenwärtig positiv aus. Allerdings haben Landwirtschaft und Industrie mit anhaltend großen internen Strukturproblemen zu kämpfen, nicht zuletzt mit Korruption, Misswirtschaft, mangelhafter Infrastruktur und fehlenden Investitionsmitteln. Am politischen System Kubas hat sich bis heute vergleichsweise wenig geändert.

Kuba hat insgesamt ein hohes Handelsbilanzdefizit, das heißt die Importe übersteigen die Exporte sehr deutlich. Allerdings sorgt der Dienstleistungssektor (Tourismus, Gesundheitswesen) für eine annähernd ausgeglichene Leistungsbilanz. Die Hoffnungen des Landes liegen in der Biotechnologie, in der Erschließung eigener Erdölfelder im Offshorebereich, im Tourismus und auf dem Gesundheitssektor. Aus eigener Kraft kann Kuba die nötigen Investitionen kaum aufbringen, daher wurden zum Beispiel bei der Erdölförderung Lizenzen an Venezuela, Russland, Spanien und China vergeben.

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Politische und wirtschaftliche Entwicklung

Eine Erfindung der Ureinwohner, der Arawak-Indios, hat Kuba weltberühmt gemacht: das Zigarrenrauchen. Die spanischen Kolonialherren profitierten nach der Eroberung zwischen 1508 und 1511 stark vom Tabakanbau, die ausgedehnten Wälder der Insel ließen sie zugunsten von Plantagen abholzen. Die Auslöschung der indianischen Urbevölkerung und ihre Ersetzung durch afrikanische Sklaven kennzeichnen das dunkelste Kapitel der kubanischen Geschichte.

Die Aufstände der afrikanischstämmigen Bevölkerung gegen die spanische Herrschaft wurden ab 1868 von den USA unterstützt; das wichtigste Ergebnis war die Abschaffung der Sklaverei. Nach einem Krieg zwischen Spanien und den USA fiel Kuba 1898 an die Vereinigten Staaten. 1902 erlangte die Insel pro forma eine Teilunabhängigkeit, doch die Zeit als US-Kolonie endete praktisch erst mit dem Sieg der von Fidel Castro geführten Rebellen über den Diktator Fulgencio Batista 1959. Mit dem 1960 seitens der USA verhängten, über Jahrzehnte andauernden Handelsembargo fanden die bis dahin bestehenden Wirtschaftsbeziehungen zwischen den USA und Kuba ein Ende. Die einseitige Orientierung auf Zuckerrohrplantagen, der praktisch koloniale Status des Landes und die Handelshindernisse seit 1960 werden als externe Entwicklungshemmnisse eingestuft, die die wirtschaftliche Entwicklung bis heute wesentlich erschwert haben.

In Kuba wurde ab 1961 ein sozialistisches Staatssystem eingeführt. Durch den Ausbau des Bildungs- und Gesundheitswesens und die Förderung der ländlichen Räume wurde die Lebenssituation der armen Bevölkerungsschichten erheblich verbessert. Die Entwicklung der Städte erhält erst seit den 1990er-Jahren neue Impulse.

Durch die Mitgliedschaft im COMECON (Council for Mutual Economic Assistance), der Wirtschaftsorganisation sozialistischer Staaten, etablierte sich eine arbeitsteilige Verflechtung mit den Ländern des damaligen Ostblocks: Kuba lieferte Agrarprodukte, Nickel und Chrom und erhielt dafür Lebensmittel, Erdöl und Industriegüter zu günstigen Preisen. Diese Vorzugsmärkte brachen mit dem Zerfall des Ostblocks 1990 rasch weg, damit auch 85 Prozent des Außenhandels. Kuba musste seine Außenhandelsbeziehungen vollständig neu organisieren. Dies führte unter anderem zu einer umfassenden Versorgungskrise, einem empfindlichen Rückgang im Transportwesen und zu häufigen Ausfällen in der Stromversorgung. Die Produktion in Landwirtschaft und Industrie sank in den 1990er-Jahren auf einen Bruchteil ihrer Kapazitäten. Die daraus resultierende Verknappung in nahezu allen Bereichen der Gesellschaft konnte durch Rationierung nur notdürftig gemildert werden. Der Schwarzmarkt blühte auf. Der Staat reagierte, indem er die ehemals verbotenen freien Bauernmärkte im Zuge von Reformen ab 1993 wieder legalisierte.

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Die Entwicklung der Zuckererzeugung

Kubas Landwirtschaft leistet einen bedeutenden Anteil am Bruttoinlandsprodukt. Bekannt ist sie vor allem für Zucker, Tabak und Rum. Das Beispiel Zucker ist symptomatisch für die kubanische Plantagenwirtschaft, die stark von externen Handelspartnern und Ressourcen abhängt.

In Kuba wird seit dem 19. Jahrhundert Zuckerrohr für den Weltmarkt angebaut. Während der US-Kolonialzeit wurde der Anbau ausgedehnt. Die Plantagen fielen weitgehend in den Besitz von US-Amerikanern, und in die USA flossen auch die wirtschaftlichen Erlöse.

Nach der Revolution 1959 wurden die Zuckerplantagen und die Zuckerindustrie verstaatlicht und weiter ausgebaut. Das Zuckerministerium wollte bis 1970 eine Rekordmenge von 10 Mio. Tonnen produzieren, was trotz Mechanisierung, Bewässerung und Kunstdüngereinsatz nicht gelang.

Durch den Verlust der Absatzmärkte im Ostblock und der Vorzugspreise wurde Kuba nach 1990 gezwungen, seinen Zucker zu niedrigeren Weltmarktpreisen zu verkaufen. Gleichzeitig sank die Produktion von Zucker aufgrund von Rohstoffmangel zwischen 1989 und 1993 um die Hälfte, sodass die noch bestehenden Lieferverträge mit Russland nicht mehr erfüllt werden konnten. Daraufhin blieben die russischen Erdöllieferungen aus, was die Wirtschaftskrise im Land noch einmal verschärfte.

Nach 2002 wurde in Kuba zugunsten der Nahrungsmittelproduktion für die einheimische Bevölkerung mehr als die Hälfte der Zuckerfabriken geschlossen und die Anbaufläche für Zuckerrohr massiv reduziert. Die Produktion ging von 6,6 Mio. Tonnen 1991 auf 1,8 Mio. Tonnen 2013 zurück. Die exportierte Zuckermenge ist nach 1990 stark zurückgegangen (s. Diagramm).

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Graphiken

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Der Beginn der Exportstruktur für Europa

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Entwicklung des Zuckerpreises

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Biologisch bewirtschaftete Agroforstanlage auf Kuba

In den biologisch bewirtschafteten Agroforstanlagen Kubas werden möglichst viele Kulturen als "cash crops" verwertet (hier: Grapefruit, Kokosnüsse und andere tropische Früchte).
Foto: L. Kilcher, Basel
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Biologischer Anbau von Zitrusfrüchten auf Kuba

Leguminosen zwischen den Obstbäumen ermöglichen den Verzicht auf Herbizide.
Foto: L. Kilcher, Basel
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