Krimml (Österreich) - Tourismus und Naturschutz

Alpen – Tourismus und Umwelt

100750 | Seite 79 | Abb. 3 | Maßstab 1 : 250.000
Krimml (Österreich) | Tourismus und Naturschutz | Alpen – Tourismus und Umwelt | Karte 79/3

Informationen

Wie kaum ein anderes raumordnerisches Vorhaben der jüngeren Gegenwart ist der südlich von Krimml gelegene Nationalpark Hohe Tauern zu einem Modellfall für das Verhältnis zwischen Tourismus und Naturschutz im Alpenraum geworden. Erst in mehreren Schritten konnte das länderüber-greifende Projekt in den Bundesländern Kärnten (1983), Salzburg (1984) und Tirol (1991) eingerichtet werden. Mit annähernd 1800 km² Fläche ist der Nationalpark Hohe Tauern heute das größte Schutzgebiet Mitteleuropas, das eine Vielzahl äußerst seltener Pflanzen und Tiere beherbergt. Zu ihnen zählen einige vom Aussterben bedrohte Schmetterlings-, Amphibien- und Vogelarten — darunter Auerhuhn, Steinadler, Bart- und Gänsegeier —, aber auch Bergeidechsen, Schneemäuse, Alpenschneehasen, Luchse und Braunbären.

"Sanfter Tourismus" im Alpenraum
Unter dem programmatischen Vorzeichen des gleichzeitigen Schützens und Nützens wurde mit der Schaffung des Nationalparks in großräumigem Maßstab der Versuch unternommen, den Schutz der alpinen Natur- und Kulturlandschaft einerseits und verschiedene Nutzungsansprüche andererseits in der Region dauerhaft in Einklang zu bringen. Eine zentrale Rolle spielte dabei neben der Berglandwirtschaft vor allem der Tourismus. Er hat im Gebiet der Hohen Tauern eine lange, bis in die Anfänge des Alpinismus im späten 18. Jahrhundert zurückreichende Tradition. Von den frühen Formen der Sommerfrische hat er sich über die touristische Mobilisierung der Nachkriegszeit bis hin zur Erschließung größerer Wintersportgebiete ab den 1970er-Jahren zum wichtigsten Beschäftigungs- und Einkommensfaktor der Region entwickelt.
Dieser Tatsache galt es bei der Einrichtung des Nationalparks Rechnung zu tragen. Wie sich am Beispiel des oberen Oberpinzgaus im Salzburger Nationalparkgebiet aufzeigen lässt, haben verschiedene Maßnahmen zu einem erfolgreichen Miteinander von Tourismus und Naturschutz beigetragen. So blieben bereits bestehende touristische Erschließungen, insbesondere die regionalen Skigebiete wie Gerlosplatte, Königsleiten, Wildkogel und Resterhöhe, von vornherein von der Schutzgebietsplanung unberührt. Dies war relativ leicht zu realisieren, weil sich diese zum Großteil auf der nördlichen Seite des Salzachtales im Gebiet der Kitzbüheler Alpen befinden. Zugleich wurden seit Einrichtung des Nationalparks in den umliegenden Gemeinden kontinuierlich verschiedene Modellvorhaben ins Leben gerufen, die beispielhafte Entwicklungschancen eines "sanften Tourismus" im Umfeld eines Großschutzgebietes aufzeigen. Besonders anschaulich lässt sich dies am Beispiel der Gemeinden Krimml, Wald, Neukirchen, Bramberg und Hollersbach dokumentieren, die zu den ersten Nationalparkgemeinden im Land Salzburg überhaupt gehörten.
Die bisher initiierten Vorhaben zielen sowohl auf eine qualitative, umweltorientierte Verbesserung der bereits bestehenden touristischen Infrastruktur als auch auf die Schaffung neuer, naturnaher Tourismusangebote. In erster Linie handelt es sich hierbei um Maßnahmen zur Ergänzung und Differenzierung des sommerlichen Wandertourismus. Konkrete Maßnahmen konzentrieren sich schwerpunktmäßig auf das Nationalparkgebiet selbst. Darüber hinaus wurden aber auch in den Ortschaften außerhalb des Schutzgebietes verschiedene Projekte ins Leben gerufen, um die Entwicklung des Schutzgebietes in den größeren Kontext der regionalen Entwicklungsplanung zu stellen, der über die sogenannte "Nationalparkregion" definiert wird.
I. Mose