Konfliktstrukturen seit 2003

Naher und Mittlerer Osten

978-3-14-100700-8 | Seite 162 | Abb. 1 | Maßstab 1 : 36.000.000
Konfliktstrukturen seit 2003 |  | Naher und Mittlerer Osten | Karte 162/1

Informationen

Schon seit vielen Jahren gehören der Nahe und Mittlere Osten zu den konfliktreichsten Regionen der Erde. Die meisten der dort auftretenden Kontroversen haben eine lange Vorgeschichte, zudem trägt jede Konfrontation den Keim für neue Auseinandersetzungen und eine weitere Intensivierung der vorhandenen Antagonismen in sich.

Brennpunkte im Nahen und Mittleren Osten
Die Kartendarstellung zeigt im Nahen und Mittleren Osten mehrere Krisenherde von teils regionaler, teilweise auch weltpolitischer Brisanz. Der langlebigste Konflikt ist zweifellos die Auseinandersetzung zwischen Israel und den Palästinensern, in der es um die beiderseitigen Ansprüche auf Jerusalem und das Land Palästina geht. Kennzeichnend für diesen Konflikt ist vor allem die hohe Gewaltbereitschaft. In die Gesellschaft getragen wird sie von einer nicht geringen Zahl unversöhnlicher Fundamentalisten, die es vor allem auf Seiten der von verschiedenen arabischen Ländern unterstützten Palästinenser gibt.
Auch der Irak an der Schnittstelle zwischen dem Nahen und Mittleren Osten hat sich inzwischen zu einem permanenten Krisenherd entwickelt. Nach der militärischen Intervention der USA im Jahre 2003 droht dem Land aufgrund fehlender innerer Sicherheit und sich ausweitender religiös motivierter Aufstände und Anschläge die völlige Zersplitterung, wobei die Sunniten, Schiiten und Kurden die größten der einander verfeindeten Gruppen stellen. Wenn es zwischen ihnen zu einem offenen Kampf um die Macht im Land kommen sollte, können weitere destabilisierende Krisen infolge unkontrollierter Migration von Kriegsflüchtlingen in die Nachbarstaaten Syrien oder Jordanien die Konsequenz sein.
Ein anderer "Hotspot" unter den Konfliktherden der Region ist der Iran, der sich unter seinem radikal-fundamentalistischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad anschickt, die politische und religiöse Vorherrschaft im Nahen und Mittleren Osten zu übernehmen. Die Fragilität der innerstaatlichen Strukturen in arabischen Monarchien und Republiken kommt dabei den langfristigen Interessen der "Islamischen Republik Iran" entgegen; diese Fragilität könnte sich zu einem ernsten Problem für die gesamte Region entwickeln. Denn hier gewinnen durch die zunehmende religiöse Ideologisierung der Jugend radikal-islamistische Terrororganisationen wie Al-Qaida, Hisbollah, Hamas und Al-Dschihad rasant an Einfluss. In Staaten wie Sudan, Saudi-Arabien, Jemen, Irak, Afghanistan und Pakistan befinden sich auch die Rekrutierungs- und Rückzugsgebiete der terroristischen Untergrundorganisationen.
Erheblich erhöht wird das Sicherheitsrisiko in der Region durch das Vorhandensein taktischer Raketensysteme mit Reichweiten von über 1000 Kilometern sowie von nicht eindeutig verifizierbaren Entwicklungsprogrammen zur Herstellung von ABC-Waffen in Staaten mit schwacher Staatlichkeit wie Ägypten, Syrien, Iran und Pakistan.
Zusätzlich zu den bereits vorhandenen Terrorproblemen erhöht sich dadurch die Gefahr, dass sich radikal-islamistische Organisationen einen Zugang zu Massenvernichtungswaffen verschaffen könnten. Besonders gefährdet durch Anschläge sind vor allem amerikanische Militäreinrichtungen. Die starke Militärpräsenz der USA — mit Stützpunkten unter anderem in Zentralasien, der Türkei, Irak, Saudi-Arabien, Bahrain und Katar — und ihre langjährige Unterstützung des Staates Israel ist den islamistischen Terroristen schon lange ein Dorn im Auge.

Die Präsenz der USA
Aufgrund ihrer starken militärischen Präsenz seit dem "Zweiten Golfkrieg" von 1990 — in dem es um die Befreiung Kuwaits von der irakischen Besatzungsmacht und die Wiederherstellung der vormaligen Machtverhältnisse ging —, aber auch aufgrund ihrer Funktion als "Garantiemacht" für Israel sind die USA inzwischen die wichtigste Ordnungsmacht für die Region und maßgeblicher "Motor" für die Fortschreibung des Nahost-Friedensprozesses (Internationale Konferenzen: Camp David 1978, Madrid 1991, Camp David 2000, Annapolis 2007). Strategische Konkurrenten der USA sind vor allem Russland und die Volksrepublik China.
Die ständig verfügbaren Marinestreitkräfte — in Gestalt der 6. US-Flotte im Mittelmeer und der 5. US-Flotte im Arabischen Meer und dem Persischen Golf — zum Schutz der strategischen Versorgungs- und Tankerrouten (SLOCS) unterstreichen den Willen der USA, als Weltmacht internationale Ordnungsvorstellungen und eigene regionale Interessen weltweit durchzusetzen. Der Antiterrorkrieg in Afghanistan seit 2001 ("Operation Enduring Freedom") und die Intervention im Irak seit 2003 ("Operation Iraqi Freedom") zeigen aber auch, dass militärische "Zwangsmaßnahmen" zur Eindämmung religiöser Fundamentalismen und des internationalen Terrorismus unkalkulierbare Folgen für die betroffene Region und das internationale Kräftesystem zeitigen können.
H.-F. Seller

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