Kobe - Neulandgewinnung

Japan

100750 | Seite 136 | Abb. 2 | Maßstab 1 : 125.000
Kobe | Neulandgewinnung | Japan | Karte 136/2

Informationen

Die extreme Landknappheit in japanischen Ballungsräumen, die auch in Kobe überall spürbar ist, und der ständig steigende Flächen- und Tiefwasserbedarf der expandierenden Hafenindustrien haben seit der Mitte der 1950er-Jahre verstärkt dazu geführt, dass seeseitig durch Aufschüttung Neuland gewonnen wurde. Die Japaner nennen dieses Aufschüttungsland "Umetate-chi" (umetate = zuschütten und errichten, chi = Land, Erde). Diese Form der Landaufschüttung, die sich von der Polderlandgewinnung der Niederländer an der Nordseeküste unterscheidet, ist großflächig erst dank modernster Technik möglich.
Charakteristisch für Japan ist die enge Verflechtung von Aufschüttungsflächen und leistungsfähigen Hafenanlagen. Das Fehlen von Ressourcen kompensiert der Inselstaat durch rationelle Rohstoffimportanlagen und unmittelbare Verarbeitung. Anders gesagt: Die Wirtschaftserfolge Japans verdanken sich nicht zuletzt der modernen Hafenentwicklung. Wie früh bereits der Funktionswandel vom handels- zum industrieorientierten Hafen eingesetzt hat, belegt das knapp 1,5 Mio. Einwohner zählende Kobe, das sich heute als eine zwei bis vier Kilometer breite und 16 Kilometer lange Bandstadt am Fuße des Rokkogebirges erstreckt.

Landgewinnung in Kobe
Die Hauptgründe für die stetig zunehmende Gewinnung von Aufschüttungsland vor den Küsten Japans sind neben der allgemeinen Landknappheit und dem damit einhergehenden sprunghaften Anstieg der Grundstückspreise der für die Industrieansiedlung attraktive Standort mit Tiefwasserhäfen, eine relativ rasche und kostengünstige Bereitstellung größerer Gewerbe- und Industrieflächen mit Raumerweiterungsmöglichkeiten, die relative Umweltfreundlichkeit solcher Mikrostandorte und die Verbesserungen der Verkehrsinfrastruktur. Die günstigen morphologischen Bedingungen und die geschützten Lagen in Buchten oder ruhigen Meeresarmen begünstigen diese Form der künstlichen Schaffung neuen Landes.
Auch Kobe war mangels Alternativen gezwungen, seinen Wirtschaftsraum seewärts auszuweiten. Innerhalb der großflächigen Landaufschüttungen vor den japanischen Küsten weist die Umetate-chi-Entwicklung der am westlichen Rand der Bucht von Osaka gelegenen Stadt einige Eigenheiten auf. Während man in der Bucht von Tokio das Aufschüttungsmaterial durch Ausbaggerung und durch Einbeziehung von Schutt gewinnt, besteht in Kobe das Füllgut seit Beginn der 1950er-Jahre aus abgetragenem Erdreich der Hinterlandberge ("Yamakiri"), seit 1995 zum Teil auch aus Erdbebenschutt.
Die Heranschaffung der vielen Millionen Kubikmeter Erdreich aus dem Rokkogebirge geschieht unter dem Einsatz modernster Technik: Mit Kipplastern wird die Erde bis zu einem unterirdisch verlaufenden Förderband und dann mit Schubleichtern an den Bestimmungsort gebracht. Nur so lassen sich die Abraummassen bewältigen und die Anwohner vor Staub und Lärm schützen.
Nach der Abtragung des Erdreiches wurden die eingeebneten Bergregionen vielerorts als wertvolles Bauland für die Errichtung neuer Wohnviertel genutzt, in denen im Laufe der Zeit weit über 130 000 Menschen eine Unterkunft fanden. Allein in Myodani entstanden 10 000 neue Wohnungen.
H. Wüst

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