Knoblauchsland - Gemüseanbau

Deutschland - Landwirtschaft

978-3-14-100700-8 | Seite 56 | Abb. 3 | Maßstab 1 : 12.500
Knoblauchsland | Gemüseanbau | Deutschland - Landwirtschaft | Karte 56/3

Informationen

Schnell verderbliche Nahrungsmittel wie Gemüse und Milch konnten unter historischen Transportbedingungen keine langen Wege von den Erzeugern zu den städtischen Verbraucherzentren überstehen. Nürnbergs traditionelles Gemüseanbaugebiet, das "Knoblauchsland", entstand daher aus demselben Systemzusammenhang (nach dem Modell der "Thünen'schen Ringe") wie beispielsweise die Vierlande vor den Toren Hamburgs, die Filder bei Stuttgart oder die Rieselfelder zwischen Bonn und Köln.

Differenziertes Angebot durch kleinteilige Nutzung
Gemüsebau gehört zum Erwerbsgartenbau und zeigt alle Kriterien dieses landwirtschaftlichen Betriebssystems: hohe Arbeitsintensität, hoher Kapitalaufwand, wache Marktorientierung, hohe Qualifikation der Betriebsinhaber. Ein gutes Beispiel liefert die Parzelle A: Der Besitzer teilt das Feld in mehrere schmale Bahnen und verschafft sich so je nach Pflanzenart unterschiedliche Aussaat- und Erntezeiten, differenziert damit geschickt seinen Arbeits- und Angebotskalender und beginnt im Sommer in der Regel einen zweiten, ja bisweilen sogar dritten solchen Durchgang. Im Gegensatz zu Neunhof, das in den 1960er-Jahren eine Flurbereinigung verweigerte, verfügt ein Kraftshöfer Bauer über zusammengelegte größere Parzellen. Aber auch er pflegt sie, wie im Fall A, in schmale Bahnen zu untergliedern, wodurch sich hier de facto ein ebenso kleinteiliges Nutzungsbild bietet. Diese Schmalstreifigkeit kann vielfach nur manuell bearbeitet werden.
Im Frühjahr deckt man das Knoblauchsland weitflächig mit schwarzen Plastikfolien ab; mit dieser ab 1964 eingeführten Technik (anfangs verwendete man halbkreisförmig gespannte Folientunnel) lässt sich die Anzucht der ersten Salate und Radieschen beschleunigen und insgesamt der Ertrag auf zwei bis drei Ernten pro Jahr steigern. Im Sommer zwingt die Niederschlagsarmut Mittelfrankens (unter 700 mm) zur künstlichen Beregnung mittels fliegend verlegbarer Rohrleitungen. 1960 wurde zu diesem Zweck der Wasserverband Knoblauchsland gegründet. Stützte er sich zunächst auf Tiefbrunnen, die aber bald den Grundwasserspiegel gefährlich absenkten (daher Kontingentierungen je Betrieb), speist man seit 1990 fünf große Sammelbecken mit unterirdisch herangeführtem Flusswasser aus der im Westen vorbeiziehenden Regnitz.
Die Fruchtbarkeit des Knoblauchslandes, das von Natur aus eher leichte sandig-lehmige Verwitterungsböden auf Blasensandstein aufweist, ist nicht zuletzt das Ergebnis jahrhundertelanger Düngung. Diese stammte zunächst aus der eigenen Viehhaltung, die allerdings ab 1950 von den Knoblauchsländer Bauern stark eingeschränkt wurde. Daneben holten sich die Landwirte der Region — quasi im Gegenzug für ihre Gemüselieferungen — aus den Abortgruben Nürnbergs Fäkalien und sonstige organische Abfälle. Ab den 1960er- und 1970er-Jahren kam auch der Schlamm aus den städtischen Klärwerken hinzu, bis man auf die bedrohlichen Schwermetallrückstände darin aufmerksam wurde. Heute wird in enormen Mengen Kunstdünger eingesetzt.
Die genannten Daten und Fakten lassen erkennen, dass sich das alte Gemüseanbaugebiet Knoblauchsland seit den 1960er-Jahren merklich modernisierte. Verstärkt ging man im Laufe der Zeit von Grobkohlarten (Weiß- und Rotkraut, Wirsing, Porrée, Möhren u. a.) zu Feingemüse, Spargel und Salaten über; in jüngster Zeit experimentiert man auch mit neuen Produkten wie Strauchtomaten, Broccoli, Ruccola, Auberginen, Paprika, verschiedenen Kräutern und der Blumenzucht. Noch immer dominieren auf insgesamt rund 750 Hektar die Freilandkulturen und nimmt die Anbauintensität jeweils zu den Gemarkungsrändern hin etwas ab (vgl. Getreide- und Kartoffelfelder). Doch vereinzelt stellte man bereits, trotz der hohen Heizkosten, auf den Anbau in Gewächshäusern um: Gab es 1996 nur einen Hektar Hochglasfläche, sind es heute etwa 28 Hektar.
Vielseitiger wurden im Laufe der Zeit auch die Vermarktungswege. Fast in jedem Hof mischen sich heute Direktverkauf an private Endverbraucher, Beschickung der städtischen Wochen- und Großmärkte, Verträge mit Großkunden (Kantinen, Kliniken, Handelsketten) und — beispielsweise über den 1972 gebildeten Erzeugerring "Franken-Gemüse Knoblauchsland" — der Absatz auch in größere Fernen. Von dort kommt allerdings auch viel Importware, die mit den Produkten aus dem Knoblauchsland um die eigentliche Nürnberger Stammklientel konkurriert. Für die dort ansässigen Betriebe ist es nicht immer leicht, in Preis und Qualität mitzuhalten. Manche Stimmen fordern von den Verbrauchern deshalb ein stärkeres Regionalbewusstsein.
H. Heller

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