Klimate der Erde nach Siegmund/Frankenberg

Erde - Klima

978-3-14-100700-8 | Seite 226 | Abb. 1 | Maßstab 1 : 90.000.000
Klimate der Erde nach Siegmund/Frankenberg |  | Erde - Klima | Karte 226/1

Informationen

Die neue Klimakarte geht auf einen Ansatz von Siegmund (1995) zurück, der neben modernen fachlich-wissenschaftlichen Erkenntnissen insbesondere spezifische didaktische Überlegungen einbindet. Eines der besonderen Kennzeichen der Klimakarte nach Siegmund/Frankenberg (1999) ist sein "Baukastensystem". Dadurch sind Aufbau und Komplexitätsgrad der Klimaklassifikation an die spezifischen alters- und schulartbezogenen Bedürfnisse angepasst. Ausgangspunkt für sämtliche Klassifikationskriterien sind die drei Klimaelemente Temperatur, Niederschlag und potenzielle Landschaftsverdunstung. Durch den konsequenten Bezug auf diese Klimaelemente lässt sich jedes Klimat zweifelsfrei einer bestimmten Klimazone und einem spezifischen Klimatyp zuordnen. Die Klimakarte nach Siegmund/Frankenberg stellt dabei klimaökologische Gesichtspunkte in den Mittelpunkt der Klassifikation.

1. Klimaschlüssel: Die Klimazonen
Wärme- und Wasserhaushalt sind die wesentlichen Steuerungsgrößen der natur- und kulturräumlichen Gegebenheiten eines Raumes. Sie stehen deshalb im Mittelpunkt des Klassifikationsansatzes. So bildet zunächst die Einteilung des irdischen Klimas in fünf thermisch definierte Klimazonen die Basis der Klimagliederung. Als einfaches und dennoch aussagekräftiges Einteilungskriterium dient dabei die Jahresdurchschnittstemperatur (TD) einer Station. Mit ihrer Hilfe lassen sich die Zonen voneinander abgrenzen.
Ein besonderes fachliches und didaktisches Problem ist die Zuordnung der Höhenklimate. In der Klimakarte nach Siegmund/Frankenberg werden die Höhenklimate im Gegensatz zu anderen Klassifikationen jeweils als gesonderter Klimatyp der entsprechenden Tieflandklimate ausgewiesen. Aus diesem Grund findet die Höhenlage einer Station Berücksichtigung, wobei vereinfachend von einem einheitlichen vertikalen Temperaturgradienten von 0,5 °C pro 100 Metern ausgegangen wird. Damit lässt sich die Jahresdurchschnittstemperatur mithilfe der Angaben zur Höhe einer Klimastation auf Meeresniveau reduzieren. In der Karte werden diese Bereiche des Höhenklimas ab der zweiten Ausbaustufe grafisch hervorgehoben.
Mithilfe der Jahressumme des Niederschlags lassen sich in der Klimakarte bereits auf der ersten Gliederungsebene grob jene Regionen der Erde abgrenzen, in denen — in Anlehnung an das Liebig'sche Prinzip des Minimums — der permanente oder periodische Wassermangel der den Raum am stärksten prägende Klimafaktor ist. Auf diese Weise werden die Trockenklimate durch die 250-Millimeter-Isohyete der jährlichen Niederschlagsmenge von den übrigen Klimaten abgegrenzt. Dies gilt jedoch nur für die Tropen, Subtropen und die Mittelbreiten, um polare und subpolare Kältewüsten auszuschließen, bei denen trotz der geringen Niederschläge vor allem die Temperatur die entscheidenden naturräumlichen Grenzen setzt. Den einzelnen Klimazonen werden zur Kennzeichnung in Anlehnung an Köppen/Geiger (1928) und Lauer/Frankenberg (1988) die Großbuchstaben A (Tropen) bis F (Polare Zone) zugeordnet. Die Trockenklimate werden dabei mit B bezeichnet.

2. Klimaschlüssel: Hygrische Klimatypen
Mithilfe der Anzahl humider Monate lassen sich verschiedene Humiditäts- bzw. Ariditätsgrade unterscheiden. Die Wasserbilanz basiert dabei auf dem wissenschaftlich fundierten Humiditätsbegriff von Lauer/Frankenberg. Dieser setzt den monatlichen Niederschlägen (N) die entsprechende Summe der potenziellen Landschaftsverdunstung (pLV) als die eigentliche physikalische Gegengröße der Niederschläge gegenüber. Auf diese Weise kann die klimatische (aerische) Wasserbilanz eines Raumes genau quantifiziert werden. Die pLV lässt sich hierbei auf der Basis der potenziellen Verdunstung freier Wasserflächen (pV) und einem vom Vegetations- und Landnutzungstyp abhängigen Umrechnungsfaktor (Uf) nach der Gleichung pLV = pV ∗ Uf berechnen.
Erreicht oder übersteigt die Niederschlagsmenge eines Monats den entsprechenden Wert der potenziellen Landschaftsverdunstung (N ≥ pLV), so wird dieser als humid definiert, im umgekehrten Fall (N < pLV) als arid. Durch die Anzahl humider Monate lassen sich im Rahmen des Klassifikationsentwurfs vier hygrische Klimatypen unterscheiden. Die einzelnen Humiditäts- bzw. Ariditätsklassen werden durch die Kleinbuchstaben a (arid), sa (semiarid), sh (semihumid) und h (humid) abgekürzt.

3. Klimaschlüssel: Thermische Klimatypen
Auf der dritten Gliederungsebene des Klassifikationsansatzes nach Siegmund/Frankenberg kommt die thermische Kontinentalität zur Anwendung. Dieses Maß basiert auf der Jahresamplitude der monatlichen Durchschnittstemperaturen (TA). Mit ihrer Hilfe lassen sich im Rahmen der Klimaklassifikation vier Kontinentalitäts- bzw. Maritimitätsgrade unterscheiden.
In den Außertropen erfolgt die Kennzeichnung der thermischen Kontinentalitätsgrade mit den Zahlen 1 (hochmaritim) bis 4 (hochkontinental). Dieses Unterscheidungskriterium wird jedoch nur im Bereich der außertropischen Klimazonen angewandt. Innerhalb der Tropen sind die jährlichen Temperaturschwankungen zu gering, als dass sich mithilfe der Jahresamplitude der Temperatur eine sinnvolle Untergliederung erreichen ließe. Hier werden vielmehr durch die 24-°C-Isotherme der Jahresdurchschnittstemperatur Warm- und Kalttropen voneinander unterschieden — unterhalb dieser Schwelle treten auch in den Tropen Fröste auf. In der Karte entspricht die Verbreitung der Kalttropen derjenigen der grafisch hervorgehobenen Höhenklimate innerhalb der tropischen Zone. Den Warmtropen wird in der Klimaformel die Schlüsselziffer 5 zugeordnet, den Kalttropen die 6.
Durch eine Kombination der drei Gliederungsebenen ergibt sich ein dreigliedriger Klimaschlüssel. Weite Teile Mitteleuropas liegen hierbei beispielsweise in einem semihumiden, maritimen Klima der Mittelbreiten, das mithilfe des Klimaschlüssels als Dsh2-Klimate abgekürzt werden kann.
A. Siegmund

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Klimaklassifikation nach Siegmund/Frankenberg - Unterrichtsfilm

Neuartig an der Klimaklassifikation von Siegmund/Frankenberg ist das integrierte Baukastensystem. Es ermöglicht, dass Aufbau und Komplexität der Karte an die spezifischen alters- und schulartsbezogenen Bedürfnisse anpassbar sind. Damit kann die Klimaklassifikation über die Klassenstufen hinweg systematisch erarbeitet werden. Prof. Dr. Alexander Siegmund stellt in diesem Film die neue Klimaklassifikation vor und erklärt dabei in anschaulicher Weise die Funktionsweise des neuen Baukastensystems
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