Klima am Nil

Ein „Geschenk“ des Nils

978-3-14-100870-8 | Seite 182 | Abb. 1
 | Klima am Nil | Ein „Geschenk“ des Nils | Karte 182/1

Überblick

Die im Diercke Drei Universalatlas verwendeten Klimadiagramme bauen sich aus drei Achsen auf. Die horizontale Achse gibt die einzelnen Monate des Jahres wieder. Auf der linken vertikalen Achse ist die Temperatur in Grad Celsius und auf der rechten vertikalen Achse der Niederschlag in Millimetern eingezeichnet. Ein Millimeter Niederschlagshöhe entspricht dabei einem Liter Niederschlagswasser pro Quadratmeter. Als zusätzliche Information sind in den Diagrammen auch die jährlichen Durchschnittstemperaturen, die mittleren Jahressummen des Niederschlags und die Höhe über dem Meeresspiegel der jeweiligen Station verzeichnet.

Die Temperatur- und Niederschlagswerte auf den beiden vertikalen Achsen werden einander im Verhältnis 1 : 2 gegenübergestellt. 10 Grad Celsius auf der Temperaturachse entsprechen demnach 20 Millimetern auf der Niederschlagsachse, 20 Grad Celsius entsprechen 40 Millimetern usw. Damit lässt sich bei Bedarf abschätzen, ob in einem Monat humide oder aride Klimaverhältnisse herrschen:

• Die Niederschlagssäule ist höher als die Temperaturkurve: Monat mit humidem Klima. Die potenzielle Landschaftsverdunstung ist kleiner als die Niederschläge (N ? pLV).

• Die Niederschlagssäule erreicht die Temperaturkurve oder liegt darüber: Monat mit aridem Klima. Die potenzielle Landschaftsverdunstung ist größer als die Niederschläge (N < pLV).

Auf eine Darstellung der potenziellen Landschaftsverdunstung in den Klimadiagrammen wurde aus Gründen der Reduktion und Übersichtlichkeit verzichtet.

Die dargestellte Auswahl an Klimadiagrammen umfasst die Klimate der Karten 182.2-3. Zur Verortung sind die jeweiligen Stationen in der Karte 182.2 markiert.

Die fünf Klimadiagramme zeigen exemplarisch die Abfolge der Klimazonen im nördlichen Afrika von der Äquatorregion bis zum Mittelmeer (etwa in Höhe des 32. Breitengrades Nord).

Die Station Kampala ist typisch für das immerfeuchte Klima der Tropen. Die Temperaturen sind dort ganzjährig hoch und weisen nur geringe Schwankungen im Jahresgang auf. (Die Tagesschwankungen sind größer als die Schwankungen im Jahresverlauf.) Die Niederschläge der einzelnen Monate sind zwar recht unterschiedlich, es gibt aber keine Trockenzeit oder Regenzeit. Sie fallen ganzjährig mit einem primären Maximum im April und Mai sowie einem sekundären Maximum im November. Dies entspricht dem Durchgang der Nördlichen Innertropischen Konvergenzzone, deren Verlagerung an den Zenitstand der Sonne geknüpft ist. Alle Monate sind humid, denn die Niederschlagssäulen sind höher als die Temperaturkurve (siehe oben). Eine gewisse Modifikation gegenüber dem Klima der immerfeuchten Tropen ergibt sich aus der Höhenlage der Station Kampala im Ostafrikanischen Seenhochland.

Die Station Bahir Dar ist typisch für das wechselfeuchte Klima der Tropen. Die Temperaturen sind dort ganzjährig hoch, weisen aber etwas größere Schwankungen im Jahresgang auf als in den immerfeuchten Tropen. Ein Maximum liegt zwischen März und Mai, wenn der Zenitstand der Sonne nach Norden wandert, die Bewölkung im Vergleich zum Sommer aber noch relativ gering ist und hohe Einstrahlungswerte erreicht werden. Gegenüber Tieflandstationen der gleichen Klimazone macht sich die Höhenlage von Bahir Dar durch geminderte Temperaturen bemerkbar. Der Jahresgang der Niederschläge zeigt eine Trockenzeit zwischen November und April und eine Regenzeit zwischen Mai und Oktober. Das Maximum wird im Juli erreicht, wenn die Nördliche Innertropische Konvergenzzone etwa in der Breite von Bahir Dar ihre nördlichste Lage erreicht (s. 186.2). Je sechs Monate sind humid bzw. arid. Wie die Temperatur, so werden auch die Niederschläge von der Lage im Hochland von Äthiopien beeinflusst. Sie sind dort in der Regel höher als an Flachlandstationen der gleichen Klimazone (s. 187.6), zudem fallen selbst während der Trockenzeit geringe Niederschläge.

Die Station Khartum ist typisch für das Klima der Übergangszone zwischen den wechselfeuchten Tropen im Süden und den Trockenklimaten im Norden. Die Jahresniederschlagssumme liegt mit 162 Millimetern bereits deutlich unter der Trockengrenze für den Ackerbau (250 mm). Im Jahresverlauf ist nur ein Monat (August) humid, alle anderen Monate sind arid. Die Temperaturen sind ganzjährig hoch bis sehr hoch. Das Klima ist sehr heiß, Maxima werden im Mai und Juni sowie im Oktober erreicht; im Juli und August liegen die Temperaturen wegen der verbreiteten Bewölkung etwas darunter. In den Monaten des Nordwinters liegt die Zone des Zenitstandes der Sonne südlich des Äquators. In der Folge sind die Temperaturen während dieser Zeit etwas niedriger als sonst.

Die Station Assuan ist typisch für das extreme Trockenklima im nördlichen Afrika. Die Temperaturen sind ganzjährig hoch mit einem Maximum zwischen März und Mai. Es fallen ganzjährig keine Niederschläge, das Klima ist arid.

Die Station Kairo ähnelt stark der Station Assuan. Kairo zeigt, da die Station deutlich weiter nördlich liegt als Assuan, aber bereits Merkmale, die für das Winterregenklima der Subtropen im Mittelmeerraum typisch sind. Dazu zählt zum einen der Gegensatz zwischen den trockenen Sommermonaten und den feuchteren Wintermonaten. Die Regenfälle sind in Kairo allerdings noch sehr gering und erreichen erst weiter nördlich höhere Werte. Zum anderen zeigt der Jahresgang der Temperaturen ein Maximum im Sommer und ein Minimum im Winter der Nordhalbkugel; anders als in den Klimazonen weiter südlich zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Monaten.

Graphiken

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Klimadiagramme verstehen

Der Aufbau eines Klimadiagramms nach Köppen und Geiger.
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