Kilimandscharo (Tansania) - Höhenstufen der Vegetation

Afrika - Orientierung

978-3-14-100391-8 | Seite 120 | Abb. 2
Kilimandscharo (Tansania) | Höhenstufen der Vegetation | Afrika - Orientierung | Karte 120/2

Überblick

Die Karte zeigt die Höhenstufen der Naturlandschaft und der Landnutzung im Gebiet des Kilimandscharos im Norden Tansanias. Dank der großen naturräumlichen Vielfalt auf engem Raum, der fruchtbaren vulkanischen Böden, der abgestuften Temperatur- und Niederschlagsverhältnisse und nicht zuletzt auch der reichen Pflanzen- und Tierwelt hat die Region ein hohes agrarisches, forstwirtschaftliches und touristisches Potenzial. Zum Schutz der einmaligen Flora und Fauna wurden die Gebiete oberhalb von 2000 Metern Höhe zu Schutzzonen erklärt (Nationalpark seit 1973). In den Ebenen dominiert die (halb-)nomadische Weidewirtschaft, an den Berghängen überwiegen hingegen die Kleinbauern, die Kaffeeplantagen und die Staatsfarmen. Gegensätze zeigen sich im Siedlungsbild (Verteilung von Dörfern und Städten), in der Besiedlungsdichte und der Verkehrsinfrastruktur (Wege, Pfade, Allwetterstraßen, Bahnlinien, Flugplätze).

Das Vulkanmassiv Kilimandscharo

Beherrschendes Landschaftselement ist das Vulkanmassiv des Kilimandscharo, mit 5895 Metern der höchste Berg Afrikas. Es ragt von den Trockensavannen der Fußflächen in der Umgebung (Höhen um 800 bis 1000 Meter) bis in die Stufe des ewigen Schnee und Eises auf. Sowohl der kleine Krater des Kibo im Gipfelbereich des Kilimandscharo als auch die Kegelform des Bergriesen selbst belegen den vulkanischen Ursprung. Als Schichtvulkan liegt der Kilimandscharo im Gabelungsbereich des ostafrikanischen Graben- und Bruchsystems. Er hat drei Ausbruchszentren (Shira, Kibo, Mawenzi), die wegen ihrer linearen West-Ost-Anordnung für die ovale Grundform des Massivs verantwortlich sind. Dessen Flanken werden von tiefen Erosionsschluchten und Kerbtälern zerschnitten. Das Kilimandscharo-Massiv ist eine „Feuchtinsel“ im ostafrikanischen Trockengebiet. Die Höhe und Verteilung der Niederschläge, die Exposition der Gebirgshänge und die Unterschiede hinsichtlich der Temperatur und der Zusammensetzung des Bodens sind ausschlaggebend für die ausgeprägte Höhenstufung der Vegetation und Bodennutzung.

Besiedlung und Tourismus

Die Siedlungsgebiete am Kilimandscharo zählen heute mit mehr als 500 Einwohnern pro Quadratkilometer zu den am dichtesten bevölkerten Agrarlandschaften Afrikas. Der Landmangel zwingt allerdings immer mehr junge Menschen zur Abwanderung, oft in die Städte. Ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist der Tourismus, da der Kilimandscharo ein bedeutendes Ziel des Treckingtourismus ist. Dafür gibt es in der Region eine passende Infrastruktur, zum Beispiel Hotels, Schutzhütten, Camps und einen internationalen Flughafen. Für den Aufstieg bieten kleine Unternehmen ihre Dienstleistungen an (Guides).

Höhenstufen

Die ausgedehnten Gebiete am Fuß des Bergmassivs mit weniger als 800 Millimeter Jahresniederschlag sind überwiegend mit anthropogen überprägter Trockensavanne bewachsen und werden extensiv weidewirtschaftlich genutzt (Rinder, Ziegen). An die eher trockenen Fußflächen schließt sich am Süd- und Osthang des Kilimandscharo in einer Höhenlage von 1000–1200 Metern eine überwiegend kleinbäuerlich strukturierte, teilweise von Kaffeepflanzungen durchsetzte, intensiv genutzte Ackerbaustufe an. Sie ist in ihren unteren Teilen aus der Rodung der Feuchtsavanne, in den oberen Teilen durch Rodung des Berg- und Nebelwaldes entstanden. Im Gegensatz zu den weitgehend naturnahen Höhenstufen in der Gipfelregion und den nur dünn besiedelten Trockengebieten am Fuß des Kilimandscharo weist diese Ackerbaustufe eine dichte kleinbäuerliche Besiedlung in Form von Einzelhöfen auf. In der Ackerbaustufe bestand schon vor der Kolonialzeit ein intensives Bodennutzungssystem mit Daueranbau auf dem Innenfeld und Feldwechselwirtschaft auf dem tiefer gelegenen Außenfeld. Klima- und Bodengunst sowie Techniken der landwirtschaftlichen Intensivierung (etwa Bewässerung, gemischter Anbau, Stallviehhaltung, Düngung des Innenfeldes, Damm- und Beetkulturen oder Stockwerkanbau) machten hohe Bevölkerungsdichten möglich. Heute werden in den meist weniger als einen Hektar großen kleinbäuerlichen Betrieben Arabica-Kaffee (Weltmarktabsatz), Bananen (Ernährung, lokale Märkte, Bier und Viehfutter) sowie Mais und verschiedene Hackfrüchte (Süßkartoffeln, Kassava, Yams) als Unterkulturen auf dem hofnahen Innenfeld angebaut. Auf dem trockeneren, tiefer gelegenen Außenfeld werden Mais, Bohnen, Hirse und Baumwolle angepflanzt. Die Vermarktung des Kaffees erfolgt über Genossenschaften. Die Brachflächen und die nicht ackerbaulich nutzbaren Trocken- und Grassavannen dienen als Viehweiden. Am dünner besiedelten West- und Südwestfuß des Kilimandscharo dominieren mechanisierte staatliche Großbetriebe die landwirtschaftliche Bodennutzung. Sie gehen auf die Enteignung von Sisal- und Kaffeeplantagen sowie Farmen europäischstämmiger Besitzer im Jahre 1973 zurück. Oberhalb der Ackerbaustufe liegt die Stufe des tropischen Berg- und Nebelwaldes, die an den Luvseiten der Bergmassive (1500/1800 Meter bis 2800/3200 Meter) deutlich ausgedehnter ist als an der nördlichen Leeseite (1700/2100 Meter bis 2400/3000 Meter). Wegen der ganzjährig feuchten Witterung und der Niederschlagsmaxima wächst in dieser Stufe ein üppiger Nebelwald mit einer reichhaltigen Vegetation aus Bartflechten und Moosen. Oberhalb der Waldgrenze folgt die Stufe des alpinen Graslandes. Dort herrschen trockene Luftmassen vor, die Jahresniederschläge liegen unter 500 mm. Zwischen 3600 und 4100 Metern Höhe beginnt die aus Lavagestein gebildete Fels- und Frostschutt-Stufe. Sie geht je nach Exposition zwischen 4800 und 5400 Metern Höhe in die nivale Stufe, die Schnee- und Eisregion des Kibo, über. Die Gletscherflächen am Kibo gingen von zwölf Quadratkilometer (1912) auf heute weniger als zwei Quadratkilometer (2011) zurück. Die Schnee- und Eisregion des Kibo und der Gürtel des tropischen Berg- und Nebelwaldes haben infolge der ganzjährig relativ gleichmäßigen Abflussspende eine lebenswichtige Funktion als Trink- und Brauchwasserspeicher für die gesamte tiefere Hang- und Fußregion. Außerdem ist der Berg- und Nebelwald ein unentbehrliches Brenn-, Nutzholz- und Stallfutterreservoir. Große Teile des natürlichen unteren Bergwaldes sind in den letzten Jahrzehnten durch monotone Forste aus schnellwüchsigen Eukalypten und Nadelhölzern für die Holzindustrie ersetzt worden.