Kalifornien - Erdbeben

Amerika – physische Übersicht

978-3-14-100782-4 | Seite 145 | Abb. 2 | Maßstab 1 : 6.000.000
Kalifornien | Erdbeben | Amerika – physische Übersicht | Karte 145/2

Überblick


Das große Erdbeben von San Francisco im Jahr 1906 hatte eine Stärke von 8,3 und gehört damit zu den stärksten Erdbeben des 20. Jahrhunderts. Rund 1 000 Menschen kamen damals ums Leben.
Die Ursache für dieses Beben lag in einer horizontalen Verschiebung zwischen der Pazifischen und der Nordamerikanischen Platte. Dort befindet sich eine Zone, die auch in den folgenden Jahren immer wieder Erdbeben entstehen ließ: der San-Andreas-Graben.

Der San-Andreas-Graben
Die San-Andreas-Verwerfung ist Teil der Randzone der Pazifischen Kontinentalplatte und gehört zum pazifischen Feuergürtel. Dort ereignen sich etwa 80 Prozent aller tektonischen Erdbeben auf der Erde.
Die San-Andreas-Bruchzone zieht sich über insgesamt 1 100 Kilometer von Mexiko bis nach Kap Mendocino nördlich von San Francisco und taucht nach Norden in den Pazifik ein. Im Bereich dieser Verwerfung leben über 18 Mio. Menschen. Mit San Francisco und Los Angeles liegen dort auch zwei der größten Städte der USA.
Es hat in der Region bereits viele starke und verheerende Erdbeben gegeben. An einigen Stellen entlang der Verwerfung haben die Erdbewegungen Bäche, Felder, Straßen, Brücken oder Gebäuden versetzt. Dennoch wachsen die Städte im Bruchbereich unvermindert weiter.

Nordamerika geht nach Süden
Durch die parallel zueinander verlaufende Verschiebung der beiden Platten kommt es zu einer Verlagerung des nordamerikanischen Kontinents. Ein schmaler Küstenstreifen wandert nach Norden; der östliche Teil verschiebt sich langsam nach Süden. Die Verschiebung ist jedoch eher langsam: Forscher haben einen langfristigen Mittelwert von rund 300 Kilometern in 16 Millionen Jahren errechnet. Ein Versatz von rund sechs Zentimetern pro Jahr.
Die Granitintrusionen aus dem Mesozoikum beiderseits der Störungsfläche sind besonders widerstandsfähige Teile der Erdkruste. Sie halten einen Teil der Bewegungen zurück bis die Widerstandsfähigkeit der Gesteine überschritten ist. So kommt es zu den vielen Erdbeben im Bereich des Kalifornischen Längstals.
Zum Teil wächst die Sorge, dass es zu einer ähnlichen Katastrophe wie in Japan kommen könnte. In der Nähe der San-Andreas-Verwerfung stehen einzelne Atomkraftwerke. Nur 250 Kilometer von Los Angeles befindet sich das Kraftwerk Diablo Canyon. Dort entdeckten Forscher im Jahr 2008 Verwerfungen im näheren Umkreis der Atomanlage.
Das nächste große Erdbeben in Kalifornien ist nur eine Frage der Zeit. Seismologen haben ermittelt, dass Kalifornien bis zum Jahr 2037 von einem Beben der Stärke 6,7 oder mehr heimgesucht werden wird.

R. Köhler, J. Seibel

Info Plus

Isoseisten sind Isolinien, die Orte gleicher Intensitäten eines Erdbebens verbinden. Ihr Bild in der Karte zeigt die Erschütterungsstärken bei dem großen Erdbeben in San Francisco von 1906.
Die Einstufung der Erdbeben erfolgte bis 1935 nach der Skala von Mercalli; die Angaben in der Karte nach der Richterskala wurden nachträglich geschätzt. Danach hatte das San-Francisco-Beben von 1906 die Stärke 8,3 und gehört damit zu den stärksten Erdbeben des 20. Jahrhunderts. Mit weniger als 1000 Toten bei damals rund 400 000 Einwohnern hatte es noch einen vergleichsweise glimpflichen Verlauf. 30 000 Häuser stürzten ein; stehen blieben vor allem die Hochhäuser in Stahlbetonbauweise. Auf 600 Kilometern Länge gab es horizontale Verschiebungen — an einigen Stellen von bis zu sieben Metern — sowie neue Spalten und Verwerfungen. Für Geologen war diese Katastrophe Ausgangspunkt der modernen Erdbebenforschung.

Der San-Andreas-Graben
Die San-Andreas-Verwerfung ist Teil der Randzone des Pazifischen Ozeans (vgl. die Karten auf den Seiten 224/225) und gehört damit zum "pazifischen Feuergürtel", in dem sich etwa 80 Prozent aller tektonischen Erdbeben auf der Erde ereignen. Die San-Andreas-Bruchzone zieht sich über insgesamt 1100 Kilometer von Mexiko bis nach Kap Mendocino nördlich von San Francisco und taucht nach Norden in den Pazifik ein. Das Festland ist durchfurcht von einer Vielzahl miteinander verbundener Brüche. Im Bereich dieser Verwerfung leben über 18 Mio. Menschen, dort liegen mit San Francisco und Los Angeles zwei der größten Städte der USA. Obwohl es in der Region bereits wiederholt starke und verheerende Erdbeben gegeben hat, neue große Erdbeben vorhergesagt werden und an vielen Stellen entlang der Verwerfungsflächen die langsame, manchmal aber auch blitzartige Erdbewegung an versetzten Bächen, Feldern, Straßen, Brücken oder Gebäuden sichtbar ist, wachsen die Städte im Bruchbereich mit Wolkenkratzern, Brücken, Highways, Dämmen und Staubecken unvermindert weiter.
San Francisco liegt in unmittelbarer Nähe des Bruches zwischen zwei sich unterschiedlich bewegenden Teilen der Erdkruste: Ein schmaler Küstenstreifen mit dem angrenzenden Pazifik wandert nach Norden; der sich östlich anschließende Teil des nordamerikanischen Kontinents verschiebt sich langsam nach Süden. Aus dem Versatz gleichaltriger Sediment- und Vulkangesteinsschichten beiderseits des San-Andreas-Bruches wurde ein langfristiger Mittelwert der Horizontalverschiebung von rund 300 Kilometern in 16 Mio. Jahren errechnet, was einem Versatz von ein bis zwei Zentimetern pro Jahr entspricht.
Die Granitintrusionen aus dem Mesozoikum beiderseits der Störungsfläche sind besonders widerstandsfähige Teile der Erdkruste. Sie halten einen Teil der Bewegungen zurück und speichern elastische Spannungsteile so lange, bis die Widerstandsfähigkeit der Gesteine gegen Bruch überschritten ist. So kommt es zu den vielen Erdbeben im Bereich des Kalifornischen Längstals, die in höchsten Intensitätsstufen den Boden wellenartig fließen oder aufreißen lassen. Als Folge hinterlassen sie schwere Zerstörungen auch an den stabilsten Gebäuden, Brücken oder Dämmen. Diese Schäden gehen einher mit Landschaftsveränderungen und immer neuen Begleitbrüchen.
R. Köhler