Kühkopf - Auenlandschaft an Altrheinbögen - heute

Kühkopf - Tourismus und Naturschutz

978-3-14-100389-5 | Seite 17 | Abb. 2 | Maßstab 1 : 125.000
Kühkopf | Auenlandschaft an Altrheinbögen | Kühkopf - Tourismus und Naturschutz | Karte 17/2

Überblick

Situation heute

Die Karte zeigt einen Teil des nördlichen Oberrheingrabens zwischen den hessischen Städten Oppenheim, Griesheim und Gernsheim; im Zentrum erstreckt sich das Naturschutzgebiet Kühkopf-Knoblochsaue. Der dargestellte Raum ist identisch mit dem Kartenausschnitt, der die Situation vor 8000 Jahren zeigt.

Rheinbegradigung am Kühkopf

Am Kühkopf erfolgten der Durchstich und die Verkürzung des Rheins 1828/29. Zunächst wurde ein etwa 16 Meter breiter und 3600 Meter langer Graben ausgehoben, durch den sich der Hauptstrom des Rheins schließlich seinen Weg bahnte. Der Rhein selbst vertiefte und verbreiterte den künstlichen Kanal schließlich durch seine Erosionskraft. Der Schifffahrtsweg am Kühkopf wurde durch den Durchbruch um rund 10 Kilometer verkürzt. Aus der ehemals links des Rheins gelegenen Binnenhalbinsel entstand so die rechtsrheinische Binneninsel Kühkopf, umgeben vom neuen Hauptstrom und der alten Rheinschleife. Anders als vielerorts geschehen, entwickelte sich die alte Schleife am Kühkopf jedoch nicht zu einem Altarm, sondern führt als 16 Kilometer langer Nebenarm bis heute einen Teil des Rheinwassers. Die Wassermenge wird jedoch am Zufluss durch eine Betonschwelle begrenzt.

Rheinbegradigung

Der ehemals weit verzweigt schlingernde Oberrhein zeigt sich heute als in weiten Teilen begradigter Hauptstrom. Dies ist insbesondere ein Ergebnis der großen Rheinbegradigung von 1817 bis 1876. Bei dieser Maßnahme ging es vor allem um den Hochwasserschutz: Die Siedlungen in den Talauen sollten vor regelmäßigen Überschwemmungen geschützt werden. Zudem erhoffte man sich eine Verbesserung der Schifffahrt (durch Verkürzung des Flusslaufes und höhere Fließgeschwindigkeiten), die Gewinnung von fruchtbarem Ackerland (da der begradigte Rhein weniger Platz benötigte) und die Vorbeugung von Krankheiten wie Malaria, die sich in den Sumpfgebieten ausbreiteten.

 

Im Zuge der Begradigung wurden Mäanderschlingen durchstochen, schmale Abkürzungskanäle gegraben und Dämme an den Ufern errichtet, wodurch der Hauptstrom in ein neues, verkürztes Flussbett gezwungen wurde. Die alten Schlingen wurden meistens mit Dämmen versperrt; so entstanden Altarme, die vom Hauptstrom komplett abgeschnitten waren und oftmals verlandeten.

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Naturschutzgebiet Kühkopf-Knoblochsaue

Das Naturschutzgebiet Kühkopf-Knoblochsaue ist mit 2370 Hektar das größte Naturschutzgebiet in Hessen. In seiner Bedeutung als Vogelschutzgebiet trägt es zudem das Prädikat „Europareservat“. Das gesamte Gebiet gliedert sich in die Binneninsel Kühkopf, die in der alten Rheinschleife liegt, und die Knoblochsaue.

Im Bereich der Auen entwickelten sich ausgedehnte Feuchtgebiete mit Gras-, Schilf- und Hartholzgewächsen, die zahlreichen Vogelarten als Rast- und Brutplätze dienen. Insgesamt bietet das Naturschutzgebiet Lebensraum für mehr als 250 Tierarten.  Als im Jahr 1983 Hochwasserdämme brachen und rund 700 Hektar Acker- und Waldflächen überflutet wurden, entschied man sich, diese Flächen künftig einer natürlichen Entwicklung zu überlassen. In der Folge siedelten sich dort zum Beispiel verschiedene bedrohte Pflanzenarten wieder an.

Erholungssuchende können das Naturschutzgebiet über ein rund 60 Kilometer langes Rad- und Wanderwegenetz erkunden. Den Besuchern stehen ein Informationszentrum und verschiedene Lehrpfade zur Verfügung.

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Lebendige Karte

Oberrhein und Kühkopf im Wandel
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