Johannesburg

Afrika - Bevölkerung/Siedlung

978-3-14-100700-8 | Seite 136 | Abb. 3 | Maßstab 1 : 500.000
Johannesburg |  | Afrika - Bevölkerung/Siedlung | Karte 136/3

Informationen

Die Karte gibt einen Überblick über die ethnische, soziale und wirtschaftliche Ausdifferenzierung der Region Witwatersrand, deren Kern die Metropole Johannesburg ist. Das Gebiet ist Zentrum des südafrikanischen Goldbergbaus, der mit seiner Vielzahl von Abraumhalden und Gruben die Kulturlandschaft nachhaltig geprägt hat. Die Betriebsgelände der Goldminen teilen die Region in eher bevorzugte Wohngebiete im Norden und infolge ungünstiger Winde weniger bevorzugte im Süden. Aufgrund der weltweit gestiegenen Goldpreise sind diese teilweise brachliegenden Betriebsgelände, insbesondere die auffälligen Abraumhalden, wieder reaktiviert worden.

Stadt der Gegensätze
Der Bereich Witwatersrand ist die wirtschaftlich bedeutendste Region Südafrikas. Er umfasst den Großraum Johannesburg mit West und East Rand. Letztere Namen sind in der jüngeren Vergangenheit vielfach afrikanisiert worden, um damit auch semantisch das Abrücken von der kolonialeuropäisch geprägten Kultur Südafrikas zu bekräftigen. Im Norden wird Johannesburg in naher Zukunft über den sogenannten Midrand mit dem 50 Kilometer entfernten Pretoria zusammenwachsen. Gemeinsam werden beide Städte eine neue Megalopolis im südlichen Afrika mit bis zu 9 Mio. Einwohnern bilden.
Johannesburg/Pretoria ist die einzige Stadtregion mit kontinentaler Ausstrahlung in Afrika. Auch deshalb zieht Johannesburg Migranten aus allen Teilen Afrikas an. Ihre zentralen Einrichtungen konzentrieren sich nicht nur auf den Stadtteil Sandton, sondern in jüngster Zeit auch wieder auf die zentrale Downtown, die nach Bevölkerungs- und Imageverlusten Ende der 1990er-Jahre vielfältigen Revitalisierungs- und Sicherungsmaßnahmen unterworfen wurde. Zugleich hat sich der O. R. Tambo International Airport, ehemals Jan Smuts Airport, zu einer der wichtigsten Verkehrsdrehscheiben Afrikas entwickelt. Gegenwärtig wird er für die Anforderungen der Fußballweltmeisterschaft 2010 gerüstet.

Soziale Segregation
Der Witwatersrand ist noch immer die Kernregion der südafrikanischen Industrie und Johannesburg ein Dienstleistungszentrum von weltweiter Bedeutung. Im Vergleich zu anderen südafrikanischen Provinzen ist die Arbeitslosenquote mit rund 30 Prozent relativ niedrig, die Arbeitslosigkeit verteilt sich jedoch sehr ungleichmäßig über die gesamte Region. Insbesondere das südliche Johannesburg mit einem hohen Anteil schwarzer Bevölkerung in Stadtteilen wie Soweto weist eine sehr viel höhere Quote auf. Zudem liegen hier die Anteile reicher Einkommensgruppen niedriger als im eher von der weißen Bevölkerung geprägten nördlichen Johannesburg.
Datengrundlage der Karte sind die Ergebnisse neuerer Volkszählungen von 1996 und 2001, die auch nach Abschaffung des "Population Registration Act" von 1950 — der die Zuordnung einer jeden Person zu einer bestimmten "Rasse" verlangte — nach der ethnischen Zugehörigkeit fragen, nunmehr allerdings auf freiwilliger Basis. Die Hautfarbe wird auch nach Abschaffung der Apartheid ein entscheidendes Kriterium bleiben, um traditionell benachteiligte Ethnien, "Traditionally Disadvantaged Groups", nicht weiter auszugrenzen, sondern im Gegenteil durch Quotenregelungen und ähnliches verstärkt zu fördern. Tatsächlich lebt der Großteil der Johannesburger Bevölkerung bis heute in Vierteln, die nach ethnischen Kriterien kleinräumig voneinander abgegrenzt sind; zu ihnen zählen auch die sogenannten "Gated Communities", umzäunte Wohngebiete (vgl. 136.4). Einige Autoren sprechen deshalb inzwischen von einer Tendenz zur Neoapartheid — nach sozialen Kriterien.
U. Jürgens

Graphiken

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Bewachte Nachbarschaften im Nordosten Johannesburgs

Kartographie: U. Jürgens, Siegen
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