Jerusalem - Heilige Stadt für drei Weltreligionen

Erde - Glaubensgemeinschaften

978-3-14-100870-8 | Seite 36 | Abb. 2 | Maßstab 1 : 25.000
Jerusalem | Heilige Stadt für drei Weltreligionen | Erde - Glaubensgemeinschaften | Karte 36/2

Überblick

Jerusalem (hebräisch: Jerushalayim, arabisch: al-Quds), die Hauptstadt des Staates Israel, liegt in den Bergen Judäas, etwa auf halber Strecke zwischen Mittelmeer und Totem Meer. Juden stellen knapp zwei Drittel der Bevölkerung, die Muslime etwa ein Drittel; die Christen bilden eine Minderheit von rund zwei Prozent.

Stadtviertel und heilige Stätten der Altstadt

Die Altstadt, 1981 von der UNESCO zum Weltkulturerbe der Menschheit erklärt, wird durch eine Stadtmauer aus dem 16. Jahrhundert begrenzt. Unter dem Osmanenherrscher Sultan Süleyman erbaut, gibt sie diesem Stadtteil mit je einem jüdischen, christlichen, armenischen und muslimischen Viertel seine heutige Form. Innerhalb dieser Mauern liegen auf engstem Raum die heiligen Stätten der drei monotheistischen Weltreligionen.

Im östlichen Teil dominieren, auf einem Plateau gelegen, die goldene Kuppel des Felsendoms und die Al-Aqsa-Moschee das Bild der Altstadt. Nach Mekka und Medina ist dieser Ort - Schauplatz der nächtlichen Entrückung des Propheten Mohammed und seiner Himmelsreise - die drittwichtigste heilige Stätte des Islam. Nach jüdischer Überlieferung war es der Standort des ersten und des zweiten Tempels, der 70 n. Chr. von den Römern zerstört wurde. In unmittelbarer Nachbarschaft liegt die "Klagemauer", früher Westmauer des jüdischen Tempelbergs, heute eine wichtige Gebetsstätte für das Judentum. Die "topographische" Seite des Palästinakonflikts wird an der räumlichen Nähe muslimischer und jüdischer Heiligtümer besonders greifbar.

Im Nordwesten der Altstadt befindet sich die Grabeskirche aus dem 4. Jahrhundert - nach christlicher Überlieferung die Kreuzigungsstätte und das Grab Jesu. Zur Grabeskirche führt quer durch das muslimische Viertel die Via Dolorosa mit den letzten Stationen des Kreuzweges.

In der Altstadtmauer gibt es acht Stadttore aus verschiedenen Epochen. Das Goldene Tor, das auf den Tempelberg führt und unter der osmanischen Herrschaft zugemauert wurde, wird nach jüdischer Überlieferung mit dem Kommen des Messias wieder geöffnet.

Weitere Orte mit religiöser oder spiritueller Bedeutung liegen außerhalb der Altstadt. Am Berg Zion im Süden verehren Juden das Grab König Davids, unmittelbar daneben soll Jesus nach christlicher Überlieferung sein Letztes Abendmahl gefeiert haben. Der Ölberg mit dem Garten Gethsemane im Osten gilt als Ort der Festnahme Jesu. Auch der jüdische Friedhof am Ölberg und der muslimische Friedhof am Fuße des Felsendoms sind wichtige religiöse Stätten.

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Viertel der Neustadt

Außerhalb der Altstadt gibt es in der Westhälfte eine jüdische und in der Osthälfte eine arabische Neustadt, beide mit eigenen Wohngebieten und Wirtschaftszentren.

Die Geschichte der jüdischen Neustadt begann Ende des 19. Jahrhunderts. Mit dem Erstarken der zionistischen Bewegung wanderten verstärkt Juden in Jerusalem ein, es entstanden neue Wohnviertel außerhalb der Altstadt. Mea Shearim, erbaut ab den 1870er-Jahren, war und ist mit seinen Betstuben, Synagogen und Talmudschulen das Zentrum der jüdischen Orthodoxie, in dem sich das Leben, vor allem am Sabbat, noch immer nach den Regeln von Tora und Talmud richtet. In seinem Süden liegen heute das Hauptgeschäftszentrum und die Stadtverwaltung von Jerusalem. Der Stadtteil Rehavia wurde ab den 1920er-Jahren nach dem architektonischen Vorbild europäischer Städte erbaut und bevorzugt von europäischen Immigranten besiedelt.

In Ost-Jerusalem entwickelte sich das Bab al Zahra-Viertel vor allem nach der Teilung der Stadt 1948 zu einem neuen Geschäftszentrum. Das Viertel Davidsstadt und das ehemalige arabische Dorf Silwan zählen zu den traditionellen palästinensischen Wohngebieten.

Das "Niemandsland" war ein Resultat des Unabhängigkeitskrieges von 1948, in dem Israel den Osten Jerusalems mit der Altstadt an Jordanien verlor. Ein schmaler Korridor westlich der Altstadt versperrte den Juden bis 1967 den Zugang zur Klagemauer und dem alten jüdischen Viertel. Erst im "Sechstagekrieg" eroberte Israel die Altstadt zurück.

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