Jerusalem - Altstadt

Westasien und Israel - Siedlung

978-3-14-100385-7 | Seite 117 | Abb. 3
Jerusalem | Altstadt | Westasien und Israel - Siedlung | Karte 117/3

Überblick

Jerusalem ist die Hauptstadt des Staates Israel. In der Stadt leben 882 000 Einwohner (2016). Der östliche Teil wird allerdings als Hauptstadt eines zukünftigen Staates Palästina von den Palästinensern beansprucht. Etwa zwei Drittel der Bevölkerung sind Juden, ein Drittel Muslime und nur eine sehr kleine Minderheit sind Christen.

Altstadt

Die Altstadt, 1981 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt, wird durch eine Stadtmauer aus dem 16. Jahrhundert begrenzt. Die Stadtmauer gibt der Altstadt mit dem jüdischen, christlichen, armenischen und muslimischen Viertel seine heutige Form. Innerhalb dieser Mauern liegen auf engstem Raum die heiligen Stätten der drei Weltreligionen (Islam, Christentum und Judentum). Im östlichen Teil wird das Bild der Altstadt geprägt vom Felsendom mit der goldenen Kuppel und der El-Aksa-Moschee, die beide auf einem künstlichen Plateau gelegen sind. Die El-Aksa-Moschee ist – nach Mekka und Medina – die wichtigste heilige Stätte des Islam. Die Westmauer des ehemaligen jüdischen Tempelbergs grenzt unmittelbar an das muslimische Viertel. Die als „Klagemauer“ bezeichnete Westmauer ist eine wichtige Gebetsstätte für das Judentum. Die Klagemauer steht durch ihre Lage als Sinnbild für einen Konflikt zwischen den Religionen – hier das Judentum, dort der Islam. Damit überlagern religiöse Ursprünge den politischen Konflikt, der seit mehreren Jahrzehnten zwischen Palästina und Israel schwelt. Nicht weit von der Klagemauer entfernt steht die Grabeskirche. Nach christlicher Überlieferung liegen hier die Kreuzigungsstätte und das Grab Jesu. Zu der Kirche führt die Via Dolorosa mit den letzten Stationen des Kreuzweges. In der Altstadtmauer gibt es noch acht Stadttore aus verschiedenen Zeitabschnitten der Geschichte. Das Goldene Tor, das auf den Tempelberg führt und unter osmanischer Herrschaft verschlossen wurde, wird nach jüdischer Überlieferung mit dem Kommen des Messias wieder geöffnet. Weitere Orte mit religiöser oder spiritueller Bedeutung liegen außerhalb der Altstadt. Der Berg Zion im Südwesten ist nach der jüdischen Überlieferung das Grab von König David. In dessen unmittelbarer Nähe fand nach christlicher Tradition das letzte Abendmahl Jesu statt. Gethsemane im Osten gilt als Ort der Festnahme Jesu.

Neustadt

Außerhalb der Altstadt gibt es in der Westhälfte eine jüdische und in der Osthälfte eine arabische Neustadt, beide mit eigenen Wohngebieten und Wirtschaftszentren. Die Geschichte der jüdischen Neustadt begann Ende des 19. Jahrhunderts. Aufgrund der zunehmenden Platznot im jüdischen Viertel mussten außerhalb der Altstadt neue Wohnviertel errichtet werden. Mea Shearim, erbaut ab den 1870er-Jahren, war und ist mit seinen Betstuben, Synagogen und Talmudschulen das Zentrum der jüdischen Orthodoxie. In seinem Süden liegen heute das Hauptgeschäftszentrum und die Stadtverwaltung von Jerusalem. Der Stadtteil Rehavia wurde ab den 1920er-Jahren nach dem architektonischen Vorbild europäischer Städte erbaut und bevorzugt von europäischen Immigranten besiedelt. Das König-David-Hotel zwischen Rehavia und Altstadt ist heute ein Luxushotel von internationalem Ruf. In Ost-Jerusalem entwickelte sich das Bab al-Zahra-Viertel vor allem nach der Teilung der Stadt 1948 zu einem neuen Geschäftszentrum. Das Viertel Davidsstadt und das ehemalige arabische Dorf Silwan zählen zu den traditionellen palästinensischen Wohngebieten. Das Niemandsland von 1949 war ein Resultat des Unabhängigkeitskrieges von 1948, in dem die israelischen Streitkräfte zwar große Teile des Landes eroberten, aber den Osten Jerusalems mit der Altstadt an Jordanien verloren. Ein schmaler Korridor westlich der Altstadt versperrte den Juden bis 1967 den Zugang zur Klagemauer und dem alten jüdischen Viertel. Erst im sogenannten Sechstagekrieg eroberte Israel die Altstadt zurück.

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