Jerusalem

Naher Osten

978-3-14-100700-8 | Seite 160 | Abb. 1 | Maßstab 1 : 50.000
Jerusalem |  | Naher Osten | Karte 160/1

Informationen

Jerusalem (Hebräisch: jerushalayim, Arabisch: al-Quds) ist mit 732 000 Einwohnern (2007) die Hauptstadt des Staates Israel. Der östliche Teil wird allerdings als Hauptstadt eines zukünftigen Staates Palästina von den Palästinensern beansprucht. Jerusalem liegt in den Bergen Judäas, in einer Höhenlage von 610 bis 826 Metern über dem Meeresspiegel. Die exponierte Lage wird durch die Nähe zum 68 Kilometer entfernten Mittelmeer im Westen und dem nahe gelegenen Jordangraben mit dem Toten Meer (420 m ü. NN) noch unterstrichen. Jerusalem hat eine Fläche von 126,4 km² und eine Bevölkerungsdichte von 5791 Einwohnern pro Quadratkilometer. Juden stellen etwa 64 Prozent der Bevölkerung, Muslime 32 Prozent und die Christen eine Minderheit von 2 Prozent.

Monumente und Viertel
Die Altstadt wird durch eine Stadtmauer aus dem 16. Jahrhundert begrenzt. Unter dem Osmanenherrscher Sultan Süleyman erbaut, gibt sie diesem Stadtteil mit seinem jüdischen, christlichen, armenischen und muslimischen Viertel seine heutige Form. Innerhalb dieser Mauern liegen auf engstem Raum die heiligen Stätten der drei monotheistischen Weltreligionen. Im östlichen Teil dominieren, auf einem Plateau gelegen (arabisch: haram ash sharif, das "Vornehme Heiligtum"), die goldene Kuppel des Felsendoms und die El Aksa-Moschee das Bild der Altstadt. Nach Mekka und Medina ist dieser Ort — als überlieferter Schauplatz der nächtlichen Entrückung des Propheten Mohammed, an die auch die spätere Überlieferung seiner legendären Himmelsreise anknüpft — die wichtigste heilige Stätte des Islam. Nach jüdischer Überlieferung war es der Standort sowohl des ersten als auch des zweiten Tempels, der 70 n. Chr. durch die Römer zerstört wurde. Die Westmauer des ehemaligen jüdischen Tempelbergs, als "Klagemauer" eine wichtige Gebetsstätte für das Judentum, grenzt unmittelbar an das "haram ash sharif". Die "topographische" Seite des Palästinakonflikts — hier das Judentum, dort der Islam — wird an diesem Ort besonders greifbar. Damit überlagert religiöses Narrativ den politischen Konflikt, in dem es um ein Land für zwei Völker geht.
Nicht weit davon entfernt steht die Grabeskirche aus dem 4. Jahrhundert, nach christlicher Überlieferung die Kreuzigungsstätte und das Grab Jesu. Zu der Kirche führt die Via Dolorosa mit den letzten Stationen des Kreuzweges. In der Altstadtmauer gibt es noch acht Stadttore aus verschiedenen Epochen. Das Goldene Tor, das auf den Tempelberg führt und unter der osmanischen Herrschaft verschlossen wurde, wird nach jüdischer Überlieferung mit dem Kommen des Messias wieder geöffnet.
Weitere Orte mit religiöser oder spiritueller Bedeutung liegen außerhalb der Altstadt. Der Berg Zion im Südwesten ist nach der jüdischen Überlieferung das Grab König Davids, in dessen unmittelbarer Nähe nach christlicher Tradition das letzte Abendmahl Jesu stattfand; Gethsemane im Osten gilt als Ort der Festnahme Jesu. Auch der über Jahrhunderte angelegte jüdische Friedhof am Ölberg — gegenüber dem ehemaligen Tempelberg — und der muslimische Friedhof am Fuße des "haram ash sharif" sind hier zu nennen.

Entstehung der Neustadt
Außerhalb der Altstadt gibt es im Westen eine jüdische und im Osten eine arabische Neustadt, beide mit eigenen Wohn- und Wirtschaftszentren. Die Geschichte der jüdischen Neustadt begann Ende des 19. Jahrhunderts. Mit dem Erstarken der zionistischen Bewegung wanderten verstärkt Juden in Jerusalem ein. Aufgrund der zunehmenden Platznot im jüdischen Viertel mussten außerhalb der Altstadt neue Wohnviertel errichtet werden. Mea She?arim, erbaut ab den 1870er-Jahren, war und ist mit seinen Betstuben, Synagogen und Talmudschulen das Zentrum der jüdischen Orthodoxie, in dem sich das Leben, vor allem am Sabbat, noch immer nach den Regeln von Tora und Talmud richten.
Daneben gibt es weitere Stadtteile: Im Westen Mahane Yehuda mit einem der derzeit größten offenen Lebensmittelmärkte Israels, nördlich Habucharim, eine Gründung aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, vor allem für wohlhabende Juden aus Buchara und Persien. Im Süden entstand Emek Refaim, ursprünglich eine Gründung christlicher Pietisten aus Schwaben mit dem Beinamen "German Colony". Wohngebäude, Kinos und zahlreiche In-Cafés prägen heute das Gesicht dieses Viertels, gleiches gilt für Rehavia, ein seit den 1920er-Jahren weitgehend von europäischen Zuwanderern bewohntes Stadtgebiet. Im Westen schließen Givat Shaul und Romema diesen Stadtgürtel ab. Südlich davon liegen heute das Regierungsviertel mit dem israelischen Parlament, der Knesset, die Gebäude der Hebräischen Universität — die nach 1949 vom Scopusberg, der nicht mehr frei zugänglich war, hierher verlegt wurde — und das Israel-Museum.
Die topografische Lage Jerusalems vermittelt den Eindruck einer auf verschiedenen Hügeln erbauten Stadt. Nach 1967 haben sich die jüdischen Wohnviertel besonders nach Norden, Süden und Osten ausgeweitet. Mit Ramat Eshkol und Givat Hamivtar entstanden reine Wohngebiete, auch wurde der Komplex der ehemaligen Hebräischen Universität auf dem Scopusberg erweitert.
Die arabischen Wohngebiete außerhalb des muslimischen Viertels der Altstadt liegen in der Osthälfte Jerusalems. Die arabische Neustadt mit ihrem Geschäfts- und Bürozentrum um die Salah-ad-Din-Hauptstraße erstreckt sich unmittelbar nördlich der Altstadtmauer. Weitere größere Wohngebiete schließen sich an, meist auch mit verschiedenen Dienstleistungs- und Kleinindustriebetrieben. Topographische Gegebenheiten und politische Geschichte bestimmten auch hier die Stadtentwicklung.
A. Wittstock

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