Italien - Veränderung des BIP

Italien – Wirtschaft und Bevölkerung

978-3-14-100782-4 | Seite 56 | Abb. 2
Italien | Veränderung des BIP | Italien – Wirtschaft und Bevölkerung | Karte 56/2

Informationen


In der Europäischen Union (EU) gibt es für jeden Mitgliedsstaat eine räumliche Klassifizierung nach Regionen (NUTS, Nomenclature des unités territoriales statistiques), für die statistische Aussagen getroffen werden. In der Karte sind die Daten auf Basis der NUTS-2-Ebene der Regionen dargestellt, die wiederum zu fünf Gruppen von Regionen (NUTS-1-Ebene) zusammengefasst werden: Nordwesten, Nordosten, Zentrum, Süden sowie die Inseln Sardinien und Sizilien. In einem Detail unterscheidet sich die Grenzziehung der Karte von der EU-Einteilung. Hier gehört die Lombardei zum Nordosten, bei der EU zum Nordwesten.

Abnahme der Wirtschaftsleistungen
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts lag Italiens Wirtschaftswachstum unter dem Durchschnitt der EU-Länder. Die Karte nutzt die Veränderung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zwischen 2000 und 2012 als Indikator für die Dynamik. Dabei zeigt sich, dass es keinen Anstieg, sondern eine Abnahme der Wirtschaftsleistungen gab. Im gesamten Land betrug der Wert -2,3 %, die Regionen zeigen differenzierte Werte, die auf den ersten Blick im Widerspruch zum traditionellen Nord-Süd-Gefälle Italiens stehen.
So zeigt sich im gesamten Norden, vom Aoastatal abgesehen, eine Abnahme, die in Venetien und Emilia-Romagna sogar unterhalb der Marke von -4 % liegt. Das Zentrum Italiens wird von einer Stagnation mit einem Wachstum zwischen 0 und 1 % geprägt. Im südlichen Kalabrien sowie auf Sardinien und Sizilien fallen dagegen die grünen Flächen auf, die für einen Anstieg des BIP zwischen 1 und 4 % stehen.
Auf den zweiten Blick lässt sich dieses Muster in das Nord-Süd-Gefälle einordnen: Oberitalien gehört zu den wirtschaftsstärksten Regionen in Europa. Dort finden sich Dienstleistungs- und Industriebetriebe, die als Global Players international eingebunden sind. Entsprechend werden bestimmte Segmente von der globalen Wirtschaftskrise am härtesten getroffen. Dies spiegelt sich auch in den Arbeitslosenzahlen wider. So kam die Lombardei lange mit einer Arbeitslosenrate um 4 % einer Vollbeschäftigung nahe. 2012 lag der Wert bei 7,5 %, in ganz Italien bei 10,7 %. Dennoch bleibt das Gefälle zum Süden und zu den Inseln bestehen. 2012 waren in Kalabrien 19,3 % der Menschen arbeitslos, auf Sizilien waren es 18,6%.
Sobald der Norden wirtschaftlich geschwächt wird, wirkt sich das auf das gesamte Land aus. Die in der Karte verzeichneten Wachstumsimpulse des Südens und der Inseln sind so gering, dass sie sich gesamt gesehen nicht positiv auswirken.

Dietmar Falk