Italien (südlicher Teil) - physisch

Italien (südlicher Teil) – physisch

978-3-14-100782-4 | Seite 48 | Abb. 1
Italien (südlicher Teil) | physisch | Italien (südlicher Teil) – physisch | Karte 48/1

Informationen

Karteninhalt ist zum einen der Südteil (Mezzogiornio) der Apenninhalbinsel von der Halbinsel Gargano, dem Stiefelsporn, bis nach Apulien, dem Stiefelabsatz, und Kalabrien, der Stiefelspitze. Zum anderen zeigt sie die vielfältige Inselwelt mit den beiden großen Inseln Sizilien und Sardinien sowie die vielen kleinen Archipele. Auf dem Karteneinklinker rechts unten sind die Pelagischen Inseln und der selbstständige Inselstaat Malta dargestellt.

Im Mezzogiorno
Tyrrhenisches, Adriatisches und Ionisches Meer umschließen die südliche italienische Halbinsel. Der Apennin mit dem Kampanischen, dem Lukanischen und dem Kalabrischen Apennin bildet das gebirgige Rückgrat. Die Hafenstadt Neapel unterhalb des tätigen Vulkans Vesuv ist die Hauptstadt der Region Kampanien und Zentrum des Mezzogiorno. Mit diesem Begriff, der „Mittag”, im übertragenen Sinn „Süden” bedeutet, verbindet sich eine wirtschaftliche Rückständigkeit.
Vom Vulkanismus geprägt sind auch die Phlegräischen Felder nordwestlich der Stadt, unter denen sich eine riesige Magmakammer befindet, und die vorgelagerten Inseln Ischia und Procida. Auf den äußerst fruchtbaren vulkanischen Böden gedeihen Gemüse, Obst und Wein. Touristenmagnete sind neben der Halbinsel von Sorrent die bedeutenden antiken Ausgrabungsstätten Pompeji, Herculaneum und Paestum, das schon zum Nationalpark Cilento gehört.
Im Osten erstreckt sich vom weit ins Meer vorspringenden Monte Gargano bis zur Südspitze der flachen Halbinsel Salento die Region Apulien. Das aus Kreidekalken aufgebaute Hügel- und Tafelland ist relativ dünn besiedelt. Die Bevölkerung konzentriert sich in den Hafen- und Industriestädten Bari, Brindisi und Tarent. Zwischen Apulien und Kalabrien erstreckt sich die im Westen gebirgige Region Basilikata. Ein touristischer Anziehungspunkt sind die Sassi genannten Felsabhänge bei Matera mit ihren in den Kalktuff gehauenen Höhlenwohnungen. Die Stiefelspitze bildet die Region Kalabrien, in der sich der Apennin in die Gebirgszüge Serre, Sila und Aspromonte aufteilt. Den rauen Gebirgszügen steht die trockene, dank künstlicher Bewässerung landwirtschaftlich intensiv genutzte Küstenebene am Ionischen Meer gegenüber.

Über die Straße von Messina nach Sizilien
Vom Festland nur einen Katzensprung entfernt, erstreckt sich Italiens größte Insel Sizilien. Pläne, die an der schmalsten Stelle nur 3 km breite Straße von Messina mit einer Brücke zu überqueren, wurden auf Eis gelegt. Zu groß ist die Erdbebengefahr und die andauernde Bedrohung durch den Vulkan Ätna. Das zum Teil bewaldete siedlungsarme Inselinnere durchziehen zahlreiche Gebirgsketten als Fortsetzung des Apennin. Dafür sind die Schwemmlandebenen und Küstenstreifen, besonders im Süden und Osten dicht besiedelt und werden landwirtschaftlich intensiv genutzt. Berühmt sind die Zitrusfruchtkulturen bei Taormina. Eine bedeutende Rolle spielen traditionell die Küsten- und Hochseefischerei. Der seit der Antike betriebene Schwefelabbau wurde in den 1980er-Jahren eingestellt, dafür werden Erdöl und Erdgas gefördert sowie Stein- und Kalisalz abgebaut. Ein lange Tradition hat der Fremdenverkehr.

Westlicher Vorposten Sardinien
Italiens zweitgrößte Insel Sardinien liegt weit draußen im Tyrrhenischen Meer, rund 200 km vom Festland entfernt. Zur französischen Nachbarinsel Korsika beträgt die Entfernung über die Straße von Bonifacio gerade einmal 12 km. Die Insel bildet eine autonome Region, in der neben Italienisch auch noch einer der drei sardischen Dialekte gesprochen wird. Die gebirgige Insel wird von den tiefen Tälern des Riu Mannu, des Tirso und des Flumendosa durchzogen. Ähnlich wie in Korsika besteht der Untergrund vorwiegend aus paläozoischen und mesozoischen Gesteinen. Im Süden verbindet der Campidano, ein 110 km langer geologisch alter Grabenbruch, der landwirtschaftlich intensiv genutzt wird, den Golf von Oristano mit dem Golf von Cagliari. Die Insel war schon früh besiedelt. Eine Besonderheit sind die aus der Bronzezeit stammenden rund 7000 Nuraghen. Die aus behauenen Steinen errichteten Turmbauten waren wohl hauptsächlich Kultstätten, aber auch Burganlagen und Siedlungen. Eine exklusive touristische Hochburg ist die buchtenreiche Costa Smeralda im Norden.

Vielfältige Inselwelt
Im Tyrrhenischen Meer und in der Straße von Sizilien liegen einige kleinere Archipele. Zur Region Latium gehören die Pontinischen Inseln um die Hauptinsel Ponza, zu Kampanien der Kampanische Archipel mit Capri, Ischia und Procida. Während Capri aus Kalkgesteinen aufgebaut ist, sind Ischia und Procida vulkanischen Ursprungs. Davon zeugen die zu Heilzwecken intensiv genutzten heißen Quellen auf Ischia. Ebenfalls vom Vulkanismus geprägt sind die der Nordküste Siziliens vorgelagerten Liparischen oder Äolischen Inseln. Fünf der sieben Hauptinseln sind aus den Laven und Aschen erloschener Vulkane aufgebaut, noch tätig ist der Gran Cratere auf Vulcano und der Stromboli. Ebenfalls vulkanischen Ursprungs sind die Inseln Ustica und Pantelleria, während die Ägadischen Inseln aus Kalkgesteinen aufgebaut sind.

Malta und Lampedusa
Geologisch schon zu Afrika zählen die Pelagischen Inseln mit der Hauptinsel Lampedusa. Etwas Fremdenverkehr, Landwirtschaft, Fischfang und die Ernte von Schwämmen bilden die Grundlage der Wirtschaft. Traurige Berühmtheit hat Lampedusa als Ziel von Bootsflüchtlingen erlangt, die die gefährliche Überfahrt vom nahen Afrika aus antreten. Auch der Inselstaat Malta ist ein häufiges Ziel der Emigranten. Malta, Gozo, Comino und die unbewohnten Inselchen Cominotto und Filfla sind die aus Kalkgestein und Kalkmergel aufgebauten Überreste einer versunkenen Landbrücke zwischen Nordafrika und Sizilien. Bei künstlicher Bewässerung werden auf den trockenen Hauptinseln Frühkartoffeln, Zwiebeln und Blumen für den Export gezogen. Die Malteser sind ein mediterranes Mischvolk mit einer in lateinischen Buchstaben geschriebenen arabischen Sprache mit vielen englischen und italienischen Einsprengseln. Erst 1964 wurde Malta von Großbritannien in die Unabhängigkeit entlassen. Touristische Anziehungspunkte sind die jungsteinzeitlichen Megalithanlagen auf Malta und Gozo und die Festungsanlagen der ehemaligen Malteserhochburg Valletta, der Hauptstadt des Inselstaats.

Ellen Astor