Italien - politisch

Italien – politisch

978-3-14-100782-4 | Seite 45 | Abb. 2
Italien | politisch | Italien – politisch | Karte 45/2

Informationen

Die Karte zeigt Italiens obere und mittlere Ebenen der Gebietskörperschaften, die aus 20 Regionen mit insgesamt 110 Provinzen aufgebaut sind. Die untere Verwaltungsebene wird aus über 8000 Gemeinden gebildet.
Ursprünglich war der 1861 entstandene italienische Staat nach französischem Muster gegliedert: Die obersten Einheiten waren die Provinzen, die wiederum in Kreise, Bezirke und Gemeinden unterteilt waren. Die Regionen als übergreifende Einheiten wurden erst nach dem Zweiten Weltkrieg eingerichtet. In ihrer Bedeutung sind sie mit den deutschen Bundesländern vergleichbar, während der Status der Provinzen etwa dem der Landkreise in Deutschland entspricht.

Regionen
Von den 20 Regionen haben fünf ein Sonderstatut, das ihnen besondere Kompetenzen bei Gesetzgebungen und Verwaltungsaufgaben einräumt, die allerdings auch von ihnen finanziert werden müssen. Bei Sardinien und Sizilien beruht das Sonderstatut auf den traditionellen Autonomiebestrebungen der beiden großen Inseln. In Trentino-Südtirol steht der Schutz der deutschsprachigen Minderheit im Mittelpunkt, beim Aostatal ist es der Schutz der frankoprovenzalischen Kultur, in Friaul-Julisch Venetien der der slowenischen Minderheit. Ein Einzelfall ist das Aostatal, das als einzige Region nicht weiter in Provinzen unterteilt ist. Die Besonderheit Trentino-Südtirols besteht wiederum darin, dass die beiden Provinzen autonom sind, was sie fast in den Rang autonomer Regionen hebt.
Jede Region, mit Ausnahme Trentino-Südtirols, hat einen Regionalrat als direkt gewähltes Parlament. An der Spitze der Regierung steht der Gouverneur. Die Regionen legen die für sie geltenden Gesetze fest, die sich innerhalb des vom Staat festgelegten Rahmens bewegen. Als Kontrollinstanz zwischen Regionen und Staat existiert die Staat-Regionen-Konferenz, die allerdings weniger verbindliche Kompetenzen als der deutsche Bundesrat hat.
Mit Sizilien, dem Piemont, Sardinien, der Lombardei, der Toskana und der Emilia-Romagna haben sechs Provinzen eine Fläche von jeweils mehr als 20 000 km2 und machen damit zusammen fast die Hälfte des italienischen Staatsterritoriums aus. Demgegenüber stehen die sieben kleinsten Regionen mit jeweils weniger als 10 000 km2: Aostatal, Molise, Ligurien, Friaul-Julisch Venetien, Umbrien, Marken und Basilikata. Zusammen kommen sie gerade auf knapp ein Sechstel der Staatsfläche.
Die Verteilung der Bevölkerung ist ähnlich heterogen: Alles überragend ist die Lombardei, wo in zwölf Provinzen rund 9,7 Mio. Menschen leben. An zweiter bis vierter Stelle stehen Kampanien, Latium und Sizilien mit jeweils über 5 Mio. Einwohnern. Diese hohen Zahlen sind auch den dortigen vier Metropolen Mailand, Neapel, Rom und Palermo und ihren Agglomerationen zu verdanken, die zusammen rund ein Fünftel der Italiener stellen.

Provinzen
Zählt man die nicht weiter in Provinzen untergliederte Region Aostatal dazu, hat Italien 110 Provinzen. Naturgemäß stehen die großen Städte bei der Bevölkerungszahl auf den obersten Rängen: die Provinz Rom mit 4,2 Mio. Einwohnern, die Provinz Mailand mit 3,2 Mio. Einwohnern und die Provinz Neapel mit 3,1 Mio. Einwohnern. In keiner der anderen Provinzen leben mehr als 3 Mio. Menschen. Mit knapp 60 000 Einwohnern bildet die Provinz Ogliastra auf Sardinien das Schlusslicht.
Die Struktur der Provinzen ist sehr unterschiedlich: Turin mit seinen 2,3 Mio. Einwohnern etwa ist in 315 Gemeinden zersplittert, Bergamo in 244. Demgegenüber stehen z. B. nur sieben Gemeinden in Prado oder sechs in Triest. Ungeschlagen ist Neapels Bevölkerungsdichte von 2631 Einwohnern pro km2. Mit 2013 Einwohnern pro km2 ist die von Mailand ähnlich hoch, während der Wert von Ogliastra auf Sardinien bei lediglich 31 Einwohnern pro km2 liegt.
Bei allen Provinzen gleich sind jedoch die Aufgaben und Funktionen, die vom Wasserschutz über das Verkehrswesen und die Abfallentsorgung bis zu einer eigenständigen Polizei reichen. Als Città metropolitane genießen Bari, Bologna, Florenz, Genua, Mailand, Neapel, Reggio Calabria, Rom, Turin und Venedig Sonderrechte.
Immer wieder hat es Vorstöße gegeben, die Zahl der Provinzen zu verringern und so das Heer von gut besoldeten Provinzpolitikern zu verkleinern. Bisher ist es jedoch nur zu einer Reform gekommen, die Anfang 2015 in Kraft getreten ist. Ihr zentrales Anliegen bestand darin, dem Provinzpräsidenten keine Beigeordneten mehr zur Seite zu stellen.

Dietmar Falk