Italien (nördlicher Teil) - physisch

Italien (nördlicher Teil) – physisch

978-3-14-100782-4 | Seite 46 | Abb. 1
Italien (nördlicher Teil) | physisch | Italien (nördlicher Teil) – physisch | Karte 46/1

Informationen

Die Karte zeigt den nördlichen Teil Italiens. Er reicht von der von den Alpen im weiten Halbkreis umschlossenen Poebene bis südlich des 42. Breitengrades. Die Hauptstadt Rom bildet einen wirtschaftlichen Trennpunkt, die den reicheren Norden Italiens vom ökonomisch schwächeren Süden (Mezzogiorno) scheidet.

Gebirgiger Norden
Westalpen und Südalpen umrahmen im westlichen Norditalien die fruchtbare Poebene. Im Osten markiert der Hauptkamm der Ostalpen die Grenze zwischen Österreich und den italienischen Regionen Trentino-Südtirol und Venetien. Über die Alpenkämme verbinden wichtige, zum Teil untertunnelte Alpenpässe Italien mit Frankreich, der Schweiz und Österreich. Zu ihnen gehören der Mont-Blanc-Tunnel, der Große Sankt Bernhard, der Simplon, der Sankt Gotthard und der Brenner. In den Westalpen erheben sich die höchsten Gipfel der Alpen, unter ihnen auch der 4810 m hohe Mont Blanc auf der Grenze zwischen Italien und Frankreich. Aus italienischer Sicht verläuft die Grenzlinie genau über den Gipfel, aus französischer Sicht ist der südöstlich vorgelagerte 4748 m hohe Mont Blanc de Courmayeur die höchste Erhebung Italiens.
Die Grenze zwischen den West- und den etwas niedrigeren Ostalpen verläuft ungefähr vom Rheintal in der Nordschweiz über das Hinterrheintal bis Splügen, über den Splügenpass und weiter südlich über Chiavenna bis zum Comer See in Norditalien. Der Comer See ist einer der größeren oberitalienischen Seen am Südrand der Alpen. Wie er sind der Lago Maggiore, der Luganer See, der Iseosee und der Gardasee Zungenbeckenseen, die durch die ausschürfende Tätigkeit der eiszeitlichen Gletscher entstanden. Im Nordosten Italiens bilden die aus Dachsteinkalk aufgebauten Julischen Alpen und der Karst die Grenze zu Slowenien. Die Landschaft Karst im Hinterland des Golfs von Triest war namensgebend für die vielfältigen Verwitterungsformen der Karstmorphologie.

Dicht besiedeltes Schwemmland
Der dünn besiedelten Alpenregion steht die dicht bewohnte Poebene gegenüber. Im Gegensatz zum nördlichen Alpenvorland fallen die Alpen im Süden recht steil ins Tiefland ab und bilden eine nur schmale als Pediment bezeichnete Gebirgsfußfläche. Die Bezeichnung spiegelt sich im Namen der Region Piemont wider. Die Poebene ist ein rund 50 000 km² großes, vom Po und seinen Nebenflüssen sowie zahlreichen Kanälen durchzogenes Tiefland zwischen den Alpen im Westen und Norden, dem Apennin im Süden und dem Adriatischen Meer im Süden. In dem größtenteils fruchtbaren Schwemmland wird neben Weizen, Zuckerrüben und Mais auch Reis angebaut. Die Langhe, die kuppige Landschaft im Westen Piemonts, ist bekannt für ihre Weine, Kirschen und Haselnüsse. In der südlich des Po liegenden Emilia-Romagna werden vor allem Hartweizen, Tomaten und Obst angebaut sowie eine intensive Viehzucht betrieben.
In Venetien ragen inselartig aus der Ebene die Euganeischen Hügel und die Monti Berici mit Abano Terme auf. Ihrem vulkanischen Ursprung haben sie ihre heilkräftigen Quellen zu verdanken. Während die Lagunen der nordöstlichen Emilia-Romagna mit ihren großen Strandseen, etwa bei Comacchio, weitgehend trockengelegt sind, nehmen sie nördlich des Po in Venetien noch weite Abschnitte der Adriaküste ein. Weithin bekannt und für den Tourismus gut erschlossen sind die Lagunen von Venedig und von Grado.
Südlich von Chioggia mündet der mit einer Länge von 652 km längste Fluss Italiens, der Po, mit einem ausgedehnten, sich ständig vergrößernden Delta in die Adria. Die Sedimentablagerung des Po hat dazu geführt, dass der Tieflandfluss sein Flussbett ständig erhöht hat und oberhalb der umgebenden Flussaue fließt. Um die Hochwassergefahr durch die unregelmäßige Wasserführung des Po zu minimieren, wurden die natürlichen Dämme künstlich verstärkt. Die wichtigsten Industrie- und Handelszentren sind Turin, Mailand und Bologna.

Zwischen Ligurischem und Adriatischem Meer
Der 1500 km lange Apennin durchzieht die italienische Halbinsel fast auf voller Länge. In der Küstenregion Ligurien beginnt er mit dem Ligurischen Apennin als Fortsetzung der Ligurischen Alpen. Das Rückgrat der Apenninhalbinsel setzt sich fort im Toskanischen Apennin, im Umbrischen Apennin und in den Abruzzen. In diesem schroffen und siedlungsarmen Gebirgsteil liegt das Gebirgsmassiv Gran Sasso d'Italia, das im Corno Grande 2912 m erreicht.
Die dicht besiedelt ligurische Küste mit ihren Badeorten wird von der Gebirgsbarriere des Apennin vor kalten Luftmassen geschützt und besitzt ein mildes Klima. Lang und abwechslungsreich ist die Küste der Toskana, der der Toskanische Archipel mit seiner größten Insel Elba vorgelagert ist. Der ehemals sumpfige Küstenstreifen der Maremmen, die teils schon zur Region Latium zählen, galt lange Zeit als Malariagebiet. Im 19. Jahrhundert wurde das feuchte Schwemmland trockengelegt und kultiviert. Im Regenschatten des Apennin liegt die trockenere Küstenebene am Adriatischen Meer. Nordöstlich von Termoli liegen die kleinen Tremiti-Inseln in einem Meeresschutzgebiet.
Zu den italienischen Traumlandschaften mit ihren historisch und kunstgeschichtlich bedeutenden Städten Florenz, Siena, Assisi und Perugia gehören die Toskana und Umbrien. Weitere touristische Anziehungspunkte sind in der Region Emilia-Romagna die alte Kaiserstadt Ravenna und die traditionsreichen Badeorte Rimini, Cattolica oder Riccione. Nicht weit davon entfernt thront auf einem Ausläufer des Toskanischen Apennins der Zwergstaat San Marino, umgeben von italienischem Staatsgebiet. Zeugen vulkanischer Tätigkeit sind der Bolsenasee und der Braccianosee, die beide eine Caldera ausfüllen. In der aus vulkanischen Lockermassen aufgebauten Hügellandschaft der Campagna Romana in Latium liegt am Tiber die italienische Hauptstadt Rom, durch Verlandung heute 40 km vom Meer entfernt.

Ellen Astor