Italien - BIP pro Kopf

Italien – Wirtschaft und Bevölkerung

978-3-14-100782-4 | Seite 56 | Abb. 1
Italien | BIP pro Kopf | Italien – Wirtschaft und Bevölkerung | Karte 56/1

Informationen


In der Europäischen Union (EU) gibt es für jeden Mitgliedsstaat eine räumliche Klassifizierung nach Regionen (NUTS, Nomenclature des unités territoriales statistiques), für die statistische Aussagen getroffen werden. In der Karte sind die Daten auf Basis der NUTS-2-Ebene der Regionen dargestellt, die wiederum zu fünf Gruppen von Regionen (NUTS-1-Ebene) zusammengefasst werden: Nordwesten, Nordosten, Zentrum, Süden sowie die Inseln Sardinien und Sizilien. In einem Detail unterscheidet sich die Grenzziehung der Karte von der EU-Einteilung. Hier gehört die Lombardei zum Nordosten, bei der EU zum Nordwesten.

Reicher Norden, armer Süden
In Italien zeigt sich in vielen Bereichen ein Nord-Süd-Gefälle – vor allem bei der Wirtschaftskraft, die in der Karte mithilfe des Bruttoinlandsprodukts (BIP) pro Kopf dargestellt ist. Eine ähnliche Diskrepanz zwischen dem Norden und dem Süden (Mezzogiorno) würde sich etwa bei den Themen „Arbeitslosigkeit“ oder „Zahl der Arbeitsplätze in der Industrie“ ergeben. Vertieft werden die Erkenntnisse mit den Karten 56.2 (Veränderung des BIP), 57.4 (Bevölkerungsdynamik – Binnenwanderungssaldo) und 57.5 (Bevölkerungsdynamik – Außenwanderungssaldo).
Mit einem durchschnittlichen BIP pro Kopf von 23 470 € zählte Italien 2012 zum Mittelfeld der damals 27 EU-Staaten und zu den 25 wohlhabendsten Staaten weltweit. Im Vergleich zwischen Nord und Süd öffnet sich jedoch eine weite Schere: Mit mehr als 31 000 € ist die kleinste und bevölkerungsärmste Region Aostatal zugleich Italiens reichste Region. Das im Grenzgebiet zu Frankreich und der Schweiz gelegene Areal profitiert in erster Linie vom Tourismus. Demgegenüber stehen im Mezzogiorno Kampanien, Apulien, Kalabrien und Sizilien, in denen das BIP pro Kopf jeweils nur bei rund der Hälfte liegt.
In Italiens Norden ist die Wirtschaftsstruktur des Aostatals eine Ausnahme. Die meisten der anderen Regionen sind traditionell industriell geprägt – stellvertretend stehen dafür das Piemont mit seiner Hauptstadt Turin (u. a. Sitz von Fiat, Lavazza und Kappa) und die Lombardei mit ihrer Hauptstadt Mailand (Italiens Messe- und Finanzzentrum). Allein in der Lombardei wird ein Fünftel des italienischen Bruttosozialprodukts (BSP) erwirtschaftet. Der Süden ist dagegen auch heute noch weitläufig agrarisch geprägt. Manche Gebiete wie Sizilien oder Neapel werden außerdem von illegalen Organisationen wie der Cosa Nostra oder der Camorra kontrolliert, die mit einem System aus Schattenwirtschaft und Korruption einen wirtschaftlichen Aufschwung zusätzlich behindern.
Ähnlich wie es in Deutschland den Länderfinanzausgleich und den Solidaritätszuschlag gibt, hat Italien ein System der Transferzahlungen etabliert, mit dem ein Ausgleich zwischen den Regionen geschaffen werden soll. Durch jahrzehntelange Fehlplanungen ist es bisher allerdings zu keiner wesentlichen Annäherung zwischen dem wirtschaftlichen Zentrum im Norden und der strukturschwachen Peripherie im Süden gekommen.

Dietmar Falk