Italien 1815 - Restauration

Italien – Nationalstaatsbildung

978-3-14-100782-4 | Seite 50 | Abb. 3
Italien 1815 | Restauration | Italien – Nationalstaatsbildung | Karte 50/3

Informationen

Die Karte zeigt die politische Gliederung der Apenninenhalbinsel und der angrenzenden Landschaften und Inseln 1815 nach Abschluss des Wiener Kongresses. Dieses Treffen von Diplomaten der bedeutenden europäischen Herrscherhäuser hatte zum Ziel, die territoriale und politische Ordnung der auf Napoleon folgenden Ära zu klären und festzulegen. Oberster Grundsatz war die Wiedereinsetzung der von Napoleon vertriebenen Fürsten und der absolutistischen Ständeordnung. Die Flucht Napoleons von Elba am 1. März 1815 blieb aufgrund seiner letzten Niederlage in der Schlacht bei Waterloo am 18. Juni 1815 Episode – der Kongress hatte bereits am 9. Juni 1815 sein Werk mit der Verabschiedung der Schlussakte vollendet.

Italien dominiert den Norden
In Italien wurde in den wesentlichen Zügen der Zustand wiederhergestellt, der vor 1792 herrschte, als Frankreich erstmals Savoyen für sich proklamiert hatte. Das Königreich Savoyen umfasste neben Savoyen, dem Piemont und Sardinien auch die Gebiete, die früher zu Genua gehört hatten. Die Republik wurde ebenso wenig wiederhergestellt wie die Republik Venedig. Venedigs Besitzungen wurden zusammen mit dem Territorium des ehemaligen Herzogtums Mailand und der Lombardei im Königreich Lombardei-Venetien zusammengefasst und dem österreichischen Kaiser Franz I. übergeben, der dort als König herrschte. Die ehemaligen venezianischen Gebiete entlang der illyrischen und dalmatischen Küste fielen direkt an das österreichische Kaiserreich. So erging es auch dem Bistum Trient, das in vornapoleonischer Zeit ein eigenständiger Staat unter geistlicher Führung war.
Die Herzogtümer Parma und Modena sowie das Großherzogtum Toskana erhielten habsburgische Regenten. Das bourbonische Fürstentum Lucca fiel 1847 an Toskana, die Herzogtümer Massa-Carrara (1828) und Guastalla sowie Fivizzano (beide 1847) an Modena. Parma und Piacenza fielen 1847 an das Haus Bourbon zurück.

Bourbonen herrschen im Süden
Unmittelbar stellte die Wiener Schlussakte die Herrschaft der Bourbonen über Sizilien und Neapel wieder her. Ferdinand IV., Herrscher des Königreichs Neapel, wurde als Ferdinand I. König über das Königreich beider Sizilien, das nahezu die gesamte südliche Hälfte der Apenninenhalbinsel sowie die Insel Sizilien umfasste und somit der mit Abstand größte Staat Italiens war. Zwischen dem habsburgisch dominierten Norden und dem bourbonischen Süden wurde 1815 der Kirchenstaat restauriert. Er reichte im Nordosten bis an die Pomündung heran. Auf seinem Gebiet befanden sich allerdings mit Ferrara und Comacchio zwei österreichische Garnisonsstädte.

Michael Venhoff