Italien 1812 - Herrschaft Napoleons

Italien – Nationalstaatsbildung

978-3-14-100782-4 | Seite 50 | Abb. 2
Italien 1812 | Herrschaft Napoleons | Italien – Nationalstaatsbildung | Karte 50/2

Informationen

Die Karte zeigt die territoriale Gliederung Italiens sowie der angrenzenden Regionen und Inseln im Jahr 1812. Der Raum steht nahezu vollständig unter französischer Kontrolle, Napoleon befindet sich auf dem Höhepunkt seiner Macht.

Frankreich reicht bis an die Adria
Im Westen sind alle Gebiete –von Savoyen im Norden bis zum Kirchenstaat inklusive Rom – als Departements dem französischen Staat angegliedert. Auch die dalmatinische Küste, Illyrien und ein südwestlicher Abschnitt des österreichischen Kaiserreiches sind Teile Frankreichs. Der Süden und Osten der Halbinsel sowie das heutige Norditalien gehören zu zwei von Frankreich abhängigen Königreichen: Das Königreich Italien, als dessen Monarch sich 1805 Napoleon selbst krönen ließ, und das Königreich Neapel, auf dessen Thron er 1806 seinen Bruder Joseph installierte, den 1808 Napoleons Schwager Murat ablöste.
In diesen Grenzen waren das Kaiserreich Österreich, das Osmanische Reich sowie das Königreich Bayern und die Schweizerische Eidgenossenschaft Nachbarn Frankreichs. Bayern gehörte damals zum Rheinbund, einem von Napoleon abhängigen Bund deutscher Fürstentümer. Die Schweiz war von Frankreich bereits 1798 besetzt worden. Zunächst war sie Tochterrepublik, 1803 aber wieder in einen kantonal organisierten Bundesstaat umgewandelt worden.

Königshäuser im Exil
Lediglich Sardinien und Sizilien standen nicht unter französischer Kontrolle. Das Haus Savoyen musste 1796 seinen Sitz von Turin nach Cagliari auf Sardinien verlegen, nachdem es den französischen Truppen nach fast vier Jahren Widerstand unterlegen war. Bereits 1792 hatte Frankreich Savoyen zum Departement erklärt und war einmarschiert. Sizilien wiederum war seit 1806 Residenz des Königshauses von Neapel. Beide Inseln konnte Napoleon nicht erobern. Seine Armee war zwar die beherrschende Landmacht jener Zeit, die Meere aber gehörten der britischen Flotte, die auch Sardinien und Sizilien schützte.

Revolutionszeit verändert Italien
Die politische Gliederung, die die Karte zeigt, ist das Ergebnis eines 1792 mit dem Angriff auf Savoyen begonnen Prozesses. 1796 begann Napoleon mit der Eroberung Italiens und gründete überall Tochterrepubliken, de facto also Vasallenstaaten Frankreichs. Als Napoleon seinen Ägyptenfeldzug begann, nutzte die zweite Koalition die Abwesenheit des Generals und eroberte weite Teile Italiens zurück. Napoleons Rückkehr und sein Sieg gegen Österreich in der Schlacht bei Marengo 1800 beendeten diese Episode. In den Folgejahren ergab sich bis 1809 das Bild, das die Karte zeigt.
Napoleons Herrschaft brach 1814/15 auch in Italien zusammen. Er und seine Soldaten hatten jedoch den revolutionären Gedanken verbreitet, schwächten die absolut herrschenden Königshäuser und trugen erheblich zur Konstituierung einer italienischen Nationalbewegung bei.

Michael Venhoff