Israel/Palästina - Lebensgrundlage Wasser

Siedlung und Landnutzung

978-3-14-100870-8 | Seite 176 | Abb. 2 | Maßstab 1 : 1.500.000
Israel/Palästina | Lebensgrundlage Wasser | Siedlung und Landnutzung | Karte 176/2

Überblick

Mehr als die Hälfte der Staatsfläche Israels besteht aus Wüste, nur etwa ein Viertel des Landes eignet sich für die landwirtschaftliche Nutzung. Bei der Verteilung der Niederschläge gibt es ein starkes Nord-Süd-Gefälle. Während an der Grenze zum Libanon noch mehr als 1000 Millimeter Niederschlag pro Jahr fallen, sind es auf der Halbinsel Sinai weniger als 100 Millimeter. Die Niederschläge fallen im langjährigen Mittel zu drei Vierteln in den Monaten November bis März, die Variabilität ist allerdings hoch.

Die Küstenebenen und die Talböden der Flusstäler bieten mit ihren tiefgründigen Schwemmböden und wegen der geringen Reliefunterschiede die günstigsten Voraussetzungen für die Landwirtschaft. Die Gebirge, insbesondere östlich des Jordan, sind demgegenüber benachteiligt.

Israel hat seinen Wasserbedarf über viele Jahre vor allem aus seinen Grundwasservorräten und aus Oberflächenwasser gedeckt, insbesondere aus dem See Genezareth und seinem wichtigsten Zufluss, dem Jordan. Die hohen Wasserentnahmen, die zur Bewässerung der Landwirtschaft in der Negev-Wüste und zur Versorgung der Städte (vor allem im Großraum Tel Aviv) mit Trinkwasser nötig waren, haben allerdings zunehmend zu ökologischen und auch politischen Problemen geführt.

Der Jordan ist in der wasserarmen Region eine äußerst wichtige Süßwasserquelle nicht nur für Israel, sondern auch für Jordanien. Durch die steigende Wasserentnahme führte der Fluss immer weniger Wasser, das überdies in zunehmendem Maße verunreinigt war. Durch die Verringerung des natürlichen Zuflusses sank der Wasserstand des Sees Genezareth in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich ab, was das labile ökologische Gleichgewicht dieses bedeutenden Binnengewässers stark gefährdet; nicht zuletzt, weil es das Eindringen von salzigem Tiefenwasser begünstigte. Noch dramatischer fiel der Wasserstand des Toten Meeres, in das der Jordan weiter südlich mündet.

Angesichts der zunehmenden ökologischen Probleme hat das wasserarme Israel in den letzten Jahrzehnten stark in den Ausbau von Meerwasserentsalzungsanlagen investiert, die mittlerweile einen Großteil des Trinkwasserbedarfs decken. Parallel hat Israel die Entwicklung computergesteuerter Bewässerungssysteme in der Landwirtschaft stark vorangetrieben. In der Tröpfchenbewässerung zur sparsamen Nutzung von Wasser ist Israel inzwischen Weltspitze. Überdies wurde die Bewässerung im landwirtschaftlichen Anbau vermehrt auf die Nutzung von Abwässern umgestellt.

Auf Bewässerungsland werden Zitrusfrüchte und andere Obst-arten, Gemüse, Getreide, Baumwolle, Erdnüsse und Zierpflanzen angebaut, hauptsächlich für den Export. Hinzu kommen Wein, Oliven und Zitrusfrüchte auch auf nicht bewässerten Flächen. Die Küstenebene ist der agrarisch am intensivsten genutzte Raum. Durch Entsumpfung weiter Bereiche und Bewässerung konnte die landwirtschaftliche Nutzfläche seit der Staatsgründung 1948 stark vergrößert werden.

Im überwiegend von Arabern besiedelten Westjordanland gibt es Anbau nur in Tallagen und auf terrassierten Hängen. Der niederschlagsarme Trockenraum des Jordangrabens wird auf der Westseite im nördlichen und mittleren Teil großflächig landwirtschaftlich genutzt. Auf der Ostseite des Flusses hat Jordanien ein Bewässerungssystem aufgebaut, das auf dem parallel zum Jordan verlaufenden Ost-Ghor-Kanal beruht. Im südlichen Jordantal und an den Ufern des Toten Meeres gibt es nur eine punktuelle Landnutzung in Oasen. Die Steppen des Negev werden nur im Norden landwirtschaftlich genutzt. Aufgrund der geringen Niederschläge (250 bis 400 mm pro Jahr) ist der Anbau auf künstliche Bewässerung angewiesen.

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