Israel - Wirtschaft

Israel

100750 | Seite 126 | Abb. 2 | Maßstab 1 : 1.500.000
Israel | Wirtschaft | Israel | Karte 126/2

Informationen

Die Nord-Süd-Ausdehnung Israels entspricht etwa der Luftlinie Hamburg — Würzburg. Nur etwa 20 Prozent der Landesfläche werden landwirtschaftlich genutzt.

Landwirtschaftliche Nutzung
Die von tiefgründigen Schwemmböden eingenommene Küstenebene ist aufgrund ausreichender Niederschläge und zusätzlicher Wasserversorgung durch die Jordan-Negev-Leitung der am dichtesten besiedelte und agrarisch am intensivsten genutzte Teilraum Israels. Der Anbau konzentriert sich in erster Linie auf Zitrusfrüchte für den Export sowie auf andere Obstarten, Gemüse, Getreide, Baumwolle, Erdnüsse und Blumen, vor allem Topfpflanzen. Durch den Weizenanbau werden rund 25 Prozent des Eigenbedarfs gedeckt.
Im östlich angrenzenden, überwiegend von Palästinensern besiedelten Bergland von Galiläa, Samaria und Judäa beschränkt sich der Anbau auf die Tallagen und die terrassierten, weniger steilen Hänge. Hier werden vornehmlich Oliven angebaut, weite Teile sind Weide- oder Ödland.
Der siedlungs- und niederschlagsarme Trockenraum des nördlichen Jordangrabens wird meist dort landwirtschaftlich genutzt, wo der Jordan oder einer seiner Nebenflüsse Bewässerungsmöglichkeiten bieten. Im südlichen Jordantal und an den Ufern des Toten Meeres kann nur noch in den Quell- oder Grundwasseroasen wie beispielsweise Jericho oder En Gedi eine punktuelle Landnutzung erfolgen. Vor allem die nordwestlichen Bereiche der Negevwüste werden landwirtschaftlich intensiv genutzt. Ermöglicht wird der Anbau in dieser Region durch durchschnittliche Niederschläge von 250 bis 400 mm und die zusätzliche Heranführung von Wasser aus dem Norden. Angebaut werden Getreide, Baumwolle, Erdnüsse, Obst, Gemüse und Blumen.

Anbau in der Wüste
Aufgrund der chronischen Wasserknappheiten wurden in Israel bedeutende Summen in die Entwicklung innovativer Bewässerungsmethoden gesteckt, wodurch das Land auf diesem Gebiet inzwischen international führend ist. Die genossenschaftlich organisierte Landwirtschaft verfügt aber nicht nur über modernste Produktionstechniken und Bewässerungsanlagen, sondern nimmt auch in Marketing, Transport und Lagerung eine Spitzenstellung ein. Wichtige landwirtschaftliche Exportgüter wie Gemüse und Blumen reifen auch im Winterhalbjahr und können dadurch auf dem europäischen Markt zu hohen Preisen verkauft werden.
Durch Entsumpfung weiter Bereiche der Küstenebene und einiger innerer Täler wie Jesreel oder Huleh, vor allem aber durch das mithilfe der Jordan-Negev-Wasserleitung mögliche Vorschieben der Anbaugrenze über die agronomische Trockengrenze (250 mm-Isohyete des Jahresniederschlags) hinaus, konnte die landwirtschaftliche Nutzfläche seit der israelischen Staatsgründung 1948 von etwa 165 000 Hektar auf mehr als 450 000 Hektar vergrößert werden. Die Landwirtschaft nutzt gut 85 Prozent des bereitgestellten Wassers. Der Konflikt um das Wasser ist mitbestimmend für das Verhältnis zu den Nachbarstaaten.

Weitere Industriezweige
Die Phosphate und Salze im Zentralnegev und am Südufer des Toten Meeres dienen als Basis der dort ansässigen chemischen Industrie, die unter anderem Dünger, Pflanzenschutzmittel und pharmazeutische Produkte erzeugt. Ansonsten ist Israel arm an Rohstoffen.
Israels Industrie ist aufgrund des gut ausgebildeten Arbeitskräftepotenzials auf die Fertigung hochwertiger technischer, insbesondere elektronischer Geräte ausgerichtet, die teilweise in der Atomtechnik und in der eigenen Rüstungsindustrie — unter anderem beim Flugzeug- und Raketenbau — Verwendung finden. Die Ansiedlung der Atomindustrie im nördlichen Negev hat vor allem militärisch-strategische Gründe. Eine Spezialität ist die Verarbeitung von Rohdiamanten. Geschliffene Diamanten stellen einen hohen Anteil an den Gesamtausfuhren.
In der Hafenstadt Haifa und im Großraum Tel Aviv hat sich eine hoch spezialisierte Verarbeitungsindustrie angesiedelt. Güter der Schwerindustrie werden in erster Linie im Raum Haifa produziert. Bei den weiteren Industriestandorten dominiert die Textilindustrie mit zahlreichen Standorten auch in kleineren Städten.
Die Energieversorgung ist auf die Einfuhr von Rohöl angewiesen, das sowohl per Tanker in die Mittelmeerhäfen gelangt, als auch mithilfe einer Ölleitung vom Hafen Elat am Roten Meer nach Ashdod und weiter nach Haifa gepumpt wird.
Von großer wirtschaftlicher Bedeutung ist der Tourismus, der dem Land Deviseneinnahmen von jährlich mehr als 2,5 Mrd. US-Dollar Jahr verschafft. Schwerpunkte des Tourismus sind Pilgerreisen zu den biblischen Stätten, Ferienreisen an die Mittelmeerküste und nach Elat am Roten Meer — wo es auch im Winter eine Badesaison gibt — und Kuraufenthalte an den Heilbädern am Toten Meer. Die temporär immer wieder aufflackernden politischen Unruhen im Land wirken sich auf diesen Wirtschaftszweig deutlich negativ aus.
W. Richter, U. Zahn