Israel und seine arabischen Nachbarn

Naher Osten

978-3-14-100700-8 | Seite 161 | Abb. 6 | Maßstab 1 : 6.000.000
Israel und seine arabischen Nachbarn |  | Naher Osten | Karte 161/6

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Im sogenannten Nahostkonflikt überlagern sich zwei verschiedenen Ebenen. Deshalb ist es wichtig, die Auseinandersetzung zwischen den arabischen Staaten und dem Staat Israel von dem israelisch-palästinensischen Konflikt zu unterscheiden. Allerdings ist kaum zu übersehen, dass die verschiedenen Kriege zwischen den arabischen Staaten und Israel auch den israelisch-palästinensischen Konflikt beeinflusst haben.

Bevölkerungswachstum in Israel
Ein im November 1947 von der UN-Vollversammlung verabschiedeter Beschluss sah die Teilung des britischen Mandatsgebiets Palästina in einen jüdischen und arabischen Staat vor; Jerusalem sollte neutral sein und keiner Seite zugesprochen werden. Mit der Proklamation des Staates Israel im Mai 1948 und dem ersten Krieg der arabischen Staaten mit Israel kam es zu einer ersten Flüchtlingswelle in die umliegenden Gebiete, vor allem in die Westbank, den Gazastreifen und die umliegenden arabischen Staaten. Eine zweite Flüchtlingswelle ereignete sich während und nach dem "Juni-Krieg" von 1967. Dadurch haben sich gravierende Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur und Gesellschaft der umliegenden Staaten ergeben.
Zugleich erhöhten die jüdischen Einwanderungen nach 1948 die Einwohnerzahlen des Staates Israel — allein in den ersten drei Jahren um das Doppelte! So kamen nach der Staatsgründung in verschiedenen Schüben einerseits noch Überlebende der Shoa aus Europa, vor allem aber Juden aus dem Jemen, Irak, Marokko und später aus Ägypten: bis 1960 rund eine Million Menschen. Weitere 900 000 Einwanderer gelangten im Zeitraum bis 1988 in das Land. Mit dem Zusammenbruch der UdSSR erreichte fast eine weitere Million Einwanderer Israel.
Die Bevölkerung verzeichnet ein starkes Wachstum. Israel hat derzeit rund 7,16 Mio. Einwohner, davon sind 76 Prozent Juden, 20 Prozent Muslime, 2,1 Prozent Christen und rund 1,9 Prozent andere. Die Zusammensetzung der israelischen Gesellschaft — auch des jüdischen Sektors mit Einwanderern aus diversen Ländern und Kulturen — macht Israel zu einem Land mit eigenen dynamischen Transformationsprozessen.
Auch außerhalb der Waffenstillstandslinien von 1949 gibt es Israelis. Im Westjordanland, der Westbank, leben derzeit etwa 270 000 Juden in Siedlungen, die nach 1967 erbaut worden sind, auf dem Gebiet von Ostjerusalem leben noch einmal rund 200 000 jüdische Israelis.
Palästinensische Flüchtlinge und ihre Nachkommen finden sich unter anderem in Jordanien, dem Libanon und in Syrien. In der Westbank leben derzeit rund 2,4 Mio. Palästinenser, von denen geschätzte 30 Prozent Flüchtlinge oder Nachkommen der Flüchtlinge von 1948 bzw. 1967 sind. Im Gazastreifen leben etwa 1,48 Mio. Menschen, von denen fast zwei Drittel von der UNWRA registrierte Flüchtlinge — mehrheitlich Sunniten — sind. Daneben gibt es im Gazastreifen aber auch etwa 2000 Christen. Die Bevölkerungsdichte liegt hier bei 3960 Einwohnern pro Quadratkilometer.

Bevölkerungsstruktur der arabischen Staaten
Von den rund 6 Mio. Einwohnern Jordaniens sind mehr als 60 Prozent Palästinenser. Die Bevölkerung besteht zum überwiegenden Teil aus Arabern, vor allem Sunniten, 5 Prozent sind Christen verschiedener Bekenntnisse, 2 Prozent sind sonstigen Glaubens. Teile der palästinensischen Bevölkerung leben auch heute noch in Flüchtlingslagern um Amman.
Im Libanon, in dem die höchsten Staatsämter nach einem religiös-ethnischen Proporz besetzt werden, hat das Glaubensbekenntnis enorme politische Bedeutung, was den Libanon bis heute politisch instabil macht. Nach aktuellen Schätzungen hat der Libanon 3,92 Mio. Einwohner, von denen 59 Prozent muslimischen Glaubens sind, darunter Schiiten, Sunniten, Drusen und andere. Mit einem Bevölkerungsanteil von knapp 40 Prozent bilden die Christen verschiedener Denominationen die zweitgrößte Gruppe im Land. Derzeit sind im Libanon gut 400 000 palästinensische Flüchtlinge von der UNWRA registriert.
Syrien hat mit einer Bevölkerung von etwa 20,6 Mio. Menschen (Stand: Juli 2007) im Vergleich zu den beiden vorgenannten Staaten deutlich geringere Anteile an Palästinensern. Drei Viertel der Einwohner des Landes sind Sunniten, 6 Prozent Alawiten, 2 Prozent Drusen und 15 Prozent Christen verschiedener Kirchen.
Noch weniger palästinensische Flüchtlinge von 1948 oder 1967 sind im Irak und im Königreich Saudi-Arabien zu finden. Saudi-Arabien mit seinen 26,4 Mio. Einwohnern hat eine vergleichsweise homogene Bevölkerungsstruktur. Etwa 73 Prozent seiner Einwohner gehören der sunnitisch-wahabitischen Mehrheit an, 5 bis 10 Prozent sind schiitisch, die anderen bekennen sich zu verschiedenen Richtungen des Islam. Der Irak zählt seit dem Sturz des Diktators Saddam Hussein 2003 durch die von den USA angeführte Koalition zu den instabilsten Staaten des Mittleren Ostens. Der Irak hat etwa 27 Mio. Einwohner, allerdings lässt sich deren Zahl angesichts der ständigen Flüchtlingsströme, vor allem in Richtung Jordanien, nur grob schätzen. Rund 75 bis 80 Prozent der Iraker sind Araber, 15 bis 20 Prozent Kurden und 3 Prozent sonstige. 95 Prozent der arabischen Bevölkerungsteile sind Muslime, davon 60 Prozent Schiiten und 35 Prozent Sunniten. Bei der kurdischen Bevölkerung dominieren die Sunniten. 5 Prozent sind Christen und anderer Glaubensrichtungen.
A. Wittstock

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